Mit dem ersten Band rum um Vanessa Franck hatte mir Pascal Engman das Vertrauen in die Tropen Krimireihe zurückgegeben, ansonsten hätte ich diese Reihe drangegeben.
Vanessa, jetzt bei der Mordkommission, und ihr heimlicher Helfer, der Ex-Elitesoldat Nicholas, stolpern in diesem Fall mitten in eine #metoo und #incel Geschichte. In Stockholm. Im reichen Schweden.
Die Stärke von Pascal Engman ist auf alle Fälle Tempo. Und ein gutes Maß an Realismus. Und so wird aus einem Mord eine Serie. Und aus Puzzelstücken wird ein Bild.
Das Bild passt aber irgendwie nicht. Und wie Vanessa das unpassende zusammenbekommt – das bekommt Pascal Engman gut hin. Und der erfahrene Krimi-Leser bekommt die eine und die andere Überraschung sehr elegant serviert. Nämlich mit ebenso einem “Aha” Effekt – das hätte ich doch vor 50 Seiten sehen sollen!
Was mir immer noch nicht so 100%ig zusagt ist der Focus auf aktuellen Themen (Flüchtlinge im ersten Band, #metoo im zweiten), aber das muss wohl so sein.
Gefällig, mit Tempo und auch mit der notwenigen Härte. Keine Meisterleistung aber ein guter Krimi. Jetzt fehlt noch der Abschluss der Trilogie. Her damit.
Aus irgendeinem Grund liebe ich Bücher mit einem Setting in LA, mit einem Setting in der Bandenwelt respektive der Polizeiarbeit des LAPD.
Ryan Gattis hat 2016 mit dem wirklich großartigen Buch über die Rodney King Riots (Titel: In den Strassen die Wut) bereits ein echtes Highlight geschaffen. Ich habe keine Ahnung warum ich Safe (2018) links liegen gelassen habe … mit Das System spielt sich Ryan Gattis endgültig nach ganz oben in meiner persönlichen LA Crime Liga.
Das Buch startet am 06.12.1993 um 21:18 und endet 19.01.1994 um 14:52. Und über diese kurze Zeitspanne erklärt uns Ryan Gattis Das System (kurz für Strafjustizsystem). Und am Ende lernen wir das Das System am Ende ist. Verkackt. Vergewaltigt von den Gangstern. Betrogen von den Cops. Verschachert von den Staatsanwälten.
Ryan Gattis lässt dabei die Protagonisten Zug um Zug erzählen, linear und dabei immer den Staffelstab weiterreichend.
Was lernen wir? Junkies können leben retten und sind doch immer Spielball. Dealer können überleben und nichts zur Rechtsfindung beitragen. Bewährungshelfer helfen vor allem sich selbst. Cops wollen einfach lebend nach Hause kommen. Staatsanwälte machen Deals und Karriere. Strafverteidiger wollen einfaches Geld. Und normale Menschen kommen immer unter die Räder und werden in Schubladen gepackt … und zwar solange bis sie sich dort zuhause fühlen.
Und im Knast? Da sind die wirklich wichtigen Bosse, langfristig verurteilt und von ihren besten Leuten umgeben. Und da werden die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen. Und nur da.
Alles, aber auch wirklich alles an dieser Geschichte kommt wahr rüber – exakt so stell ich mir die Welt da drüben vor. Und der Erzählfluss über eine Oral History ist dermaßen gelungen, einfach klasse.
Ryan Gattis – Das System ( (c) Rowohlt Verlag, 2021)
Wow – eine großartige Geschichte und eine staubtrockene Anklage. Weg mit dem System. Es ist eine Perversion.
James Lee Burke – Dunkle Tage Im Iberia Partish (Pendragon Verlag, 2021)
Gelesen: 22. – 24.05.2021, netto 470 Seiten
Der 15te Band rund um Dave Robicheaux und wieder ein Buch, in dem James Lee Burke ganz wunderbar die Vergangenheit von Dave mit den Problemen von heute verknüpft.
Als Cop in New Orleans hatte Dave ein Alkoholproblem und einen Saufkumpan, der wie er in Vietnam war. Sein Kumpel Dallas Klein war dabei noch mehr auf dem absteigenden Ast, bis er irgendwann seine Schulden bezahlen musste: Als Sicherheitsmann war er an einem Banküberfall beteiligt und seine vermeidlichen Kumpane (bei denen er Schulden hatte) entledigten sich seiner noch am Tatort.
Dave, mal wieder hackedicht, konnte nur zuschauen und nicht helfen.
All das kommt zu Dave zurück, als die Tochter von Dallas Klein in seinem Bezirk auftaucht und offensichtlich ihren Vater rächen will. Denn die Bösen von damals sind heute die respektablen Unternehmer, Politiker, Casinobetreiber – sucht euch was aus.
Dazu schmierige TV Pastoren und die arroganten Söhne der Neureichen. Verwickelt in einen Selbstmord. In einen Todesfall mit Fahrerflucht. Dave hat alle Hände voll zu tun, zumal sein Kumpel Clete ebenfalls austickt.
Destilliert eine ganz wundervolle Hymne auf Schuld und Unschuld, eine einzige Kampfansage an Korruption und Macht.
James Lee Burke glaubt an das Gute, auch wenn dieses direkt nach der Fertigstellung des Buches im Januar 2006 durch den Hurrikan Katrina getilgt wurde und dieser das schlechteste in den Menschen hervorbrachte. Aber Leute wie Dave und Clete überlassen ihre Heimat weder der Gier noch den Naturgewalten.