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  • Bücher, schnell gelesen: 1.795

    Bücher, schnell gelesen: 1.795

    Timo Blunck – Ein kleines Lied über das Sterben (Emons, 2025)

    Gelesen: 03. – 04.11.2025 (netto 309 Seiten)

    Ein Heimatkrimi? Ok, ich hab Platten vom Autor, hab ihn anno dunemal live gesehen und der Autor bedankt sich bei jemanden, den ich kenne. Und das ganze spielt in Hamburg Niendorf (übrigens, unnützes Wissen Teil 5.345, von 1640 bis 1867 Dänisch).

    Aber von den ehr langweiligen Heimatkrimis ist diese Buch meilenweit entfernt, es ist mehr Gore und damit blutiger als nett.

    Der Held Tom Mangold ist ein am Koks (und einer Affäre mit einem Anwalt) gescheiterter Ermittler der Mordkommission, der nach Scheidung und Erbe in einer Gartenlaube den Rest seines Lebens erwartet.

    Der Zufalls weht ihm Hildegard Knef (ein Hund mit Vergangenheit) in die Hände und daraus entwickelen sich erst ein, dann zwei, dann drei und immer mehr Morde. Und Tom spürt wieder die Lust am ermitteln.

    Ziemlich hard-boiled, ziemlich blutig und mit einigen perfekten Perspektivwechseln: Die Mordopfer erzählen ihren Tod selbst, der Hund erzählt seine Geschichte (und wie er die Menschen wahrnimmt) und Nazis bekommen einen Bohrer in den Kopf.

    ( (c) Emons Verlag, 2025)

    Klein, fein, flott und blutig. Und einem leckeren Rezept für Engelfrikassee, immer wieder neu interpretiert. Nachkochen? Mhhhh, ich glaube nicht.

    Perfekt. Und ne echte Überraschung!

    Soundtrack dazu: Bohren & Der Club of Gore – Mitleid Lady, was sonst?

    PS: Und Timo so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.794

    Bücher, schnell gelesen: 1.794

    Ullrich Schwarz – Das ungebaute Hamburg (Dölling und Galitz, 2025)

    Gelesen: 01. – 03.11.2025 (netto 580 Seiten)

    Das geht dann wohl ehr als Fachbuch durch, allerdings finde ich das es für geschichtsinteressierte Hamburger ein wahrer Quell der Freude ist.

    Bereits 1991 gab es ein gleichnamiges Werk (das ich jetzt dringend antiquarisch finden muss), das die letzten 150 Jahre beleuchtet hat.

    Das ungebaute Hamburg (Junius Verlag, 1991)

    Der Nachfolger beschäftigt sich ehr mit den letzten Jahrzehnten, beginnt 1960 und ist voller verrückter Ideen und nicht umgesetzter Entwürfe vor allem aus den letzten 30 Jahren. Das hat u.a. sicher auch damit zu tun, das viele öffentliche Wettbewerbe und das verdammte Internet ein viel besseres kollektives Gedächtnis geschaffen haben.

    Es werden 32 Projekte (Einzelbauten, Wettbewerbe, städtebauliche Projekte, Infrastruktur- und Verkehrsprojekte) vorgestellt, meine Hightlights:

    Die durchgeknallten Wolkenkratzer der Neuen Heimat in St. Georg, die City Süd als wohnungslose Katastrophe, die spannende Living Bridge über die Norderelbe, die verstörenden Ideen für den Spielbudenplatz auf der Reeperbahn, die Umgestaltung von St.Pauli-Süd und dem Fischmarkt, Olympische Spiele (grad mal wieder aktuell), die Autoverkehrsplanung (Auto zuerst!) mit dem dritten Elbtunnel, der zweite Köhlbrandbrücke und einer Tiefgarage unter der Alster. Und, total irre, dem Autobahnnetz direkt durch Hamburg.

    Und natürlich der (Alf) Burchardplatz in der City (hallo Alfie from Ottensen).

    Die jeweiligen Autoren nehmen dabei auch mit scharfem Blick die Rolle von Politik und Wirtschaft in der Stadtentwicklung ins Auge und zeigen auch, das auf den ersten Blick verrückte Ideen Jahre später … sehr reif daherkommen.

    Einfach zu schön zum schmökern und schmunzeln.

    Was Wäre Wenn ist schon immer etwas was mich interessiert hat. Und das gibt es hier auf den Punkt.

    Soundtrack dazu: Backlash – The Visionary, was sonst?

    PS: Die echt irre Idee mit St. Georg…

    ARD Mediathek (bis 15.08.2027 verfügbar)

  • Bücher, schnell gelesen: 1.793

    Bücher, schnell gelesen: 1.793

    Gerhard Paul – Das absurde Ende des “Dritten Reiches” (Verlag Herder, 2025)

    Gelesen: 28. – 31.10.2025 (netto 310 Seiten)

    Mal kein Crime sondern … Geschichte. Mit einem Hauch von Operette.

    Das Ende des zweiten Weltkrieges mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Streitkräfte am 08. Mai 1945 gilt für viele als Ende des 3. Reiches und der Nazi-Herrschaft.

    Allerdings gab es da noch eine kleine aber feine Genauigkeit: Mit dem Selbstmord von Hitler am 30.04.1945 galt sowas wie sein politisches Testament, in dem Hitler an allen (auch im 3ten Reich geltenden) Gesetzen vorbei Großadmiral Karl von Dönitz zum Reichspräsidenten machte.

    Der stellte dann auch in der Holsteinischen Schweiz (wohin viele Reichsregierungsstellen aus dem brennenden Berlin ausgelagert worden sind) auch eine Geschäftsführende Reichsregierung zusammen, die am Ende über ein paar Quadratkilometer Marineschule Mürwik (in Flensburg) bestimmte.

    Weil Schleswig-Holstein eben noch nicht von den Engländern besetzt worden war. Vor dort aus entsandte Dönitz dann auch Keitel, Stumpff und von Friedeburg nach Berlin-Karlshorst wo die Kapitulationsurkunde pressefreundlich am 08. Mai nochmal gegenüber allen Alliierten unterzeichnet wurde.

    Was Dönitz und Co. sonst so machten, dem spürt der Historiker Gerhard Paul nach und das ganze ist tatsächlich mit einem gewissen Schmunzeln zu lesen. Wenn nicht Dönitz und seine Knallchargen weiterhin 3te Reich gespielt hätten.

    Wo im Rest von Deutschland bereits Hakenkreuz und Waffen verboten waren, gab es diese in Mürwitz noch … inkl. Standurteile gegen Defätisten, Fahnenflüchtlinge etc.

    Und Heinrich Himmler, der samt der SS Führung dort auch aufschlug, sorgte für den mehr oder weniger erfolgreichen Umstieg in die Nachkriegszeit: Ordentlich falsche Papiere wurden ausgestellt.

    Erst am 23. Mai 1945 setzten die Engländer dem ganzen ein Ende und verhafteten die ganze Bagage. Dafür reichte dann ein Zug britischer Soldaten.

    Detention Card für Karl Dönitz

    Spannend, unterhaltsam und immer mit dem Finger in der Wunde. Denn Paul stellt an jedes Kapitelende ein “Übrigens” und zeigt auf das z.B. Nazigeneräle eine Ehrentafel bekamen aber KZ-Gefangene, die irgendwie nach Flensburg verschleppt wurden, nicht. Dito einfache Soldaten, die noch nach der Kapitulation zum Tode verurteil wurden.

    Und nach dem Krieg jede Menge Politiker, Bürgermeister etc. die an nichts erinnern wollen.

    Geschichte, die erzählt werden muss. Geschichte, die gekannt werden muss. Geschichte, die verdammt nochmal kein Fliegenschiss ist.

    Soundtrack dazu: No Hope For The Kids – Das Reich, was sonst?

    PS: Topografie des Terrors!