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  • Bücher, schnell gelesen: 1.616

    Bücher, schnell gelesen: 1.616

    James Lee Burke – Die Tote Im Eisblock (Pendragon, 2022)

    Gelesen: 25.11. – 09.12.2022 (netto 678 Seiten)

    Aus dem Amerikanischen von Bernd Gockel

    Band 19 aus der Dave Robicheaux Serie und ein fetter Brocken. Und das beste: Die Tote im Eisblock ist eigentlich die kleinste Story in diesem Buch.

    Dave und sein gewaltiger respektive gewaltätiger Sidekick Clete Prucel geraten in eine Story die mehr Wahn als Wahrheit ist:

    Ölverseuchte Marschen, durchgeknallte Alt-Nazi als Buchenwaldopfer getarnt, durchgeknallte weiße Ex-Cops die immer noch glauben das ihnen die Welt zu Füssen liegen muß und Clete’s verlorene Tochter, die eigentlich eine Mafia Killerin ist.

    Der englische Titel “Creole Belle” passt sicher besser, denn Tee Jolie Melton – die Creole Belle – geht verloren. Und Dave hat natürlich den richtigen Richer das da was nicht stimmt. Und stolpert quasi in einen ganz anderen Film. Ein Film in dem er und Clete eigentlich immer nur hinterherlaufen und der sowohl wide screen ist als auch extra time hat.

    Wie immer liegt die Stärke von James Lee Burke darin, das dieses hinterherlaufen voller Liebe für die Landschaft, die einfachen Menschen und das Gute geschildert wird. Während das Böse – wirklich Böse ist.

    Natürlich retten Dave und Clete am Ende alle Frauen die ihnen lieb sind – dennoch gibt es Opfer.

    Ein ganz wunderbarer Film zum ganz tief eintauchen und mit einem überraschenden Spannungsbogen.

    Eigentlich wie alle Bücher aus der Reihe schlicht und einfach Klasse.

    Soundtrack dazu: Loli & The Chones – Nazi Death Camp, was sonst?

    PS: … the Creole Belle!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.615

    Bücher, schnell gelesen: 1.615

    Mick Herron – London Rules (Diogenes, 2022)

    Gelesen: 14. – 24.11.2022 (netto 478 Seiten)

    Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer.

    Das puffte jetzt aber schnell. Der 4. Band war noch ein Lesevergnügnen, weil sowohl Story als auch Sprachwitz passten. In London Rules (zu Lesen als “Londoner Regeln”, nicht “London bestimmt”) ist der Sprachwitz immer noch da, manchmal sogar so richtig richtig schön, aber die Story wirkt bemüht – um es einmal euphemistisch auszudrücken.

    Klar, Nord-Korea als etwas vertrottelte Geheimdienstnation hinzustellen – passt schon. Trump und englische Brexiteers durch den Kakao zu ziehen? Geht auch immer. Aber in Summe ein wenig … sparsam.

    Gut ist das Buch durch seinen nie endenden britischen Humor, besser noch wenn Mick Herron abseits des Themas (ausuffernd und überhaus unterhaltsam) von der Suche der Abenddämerung nach ihrem Zwilling, der Morgendämmerung, referiert. Lyrik pur. Und sehr bezeichnend für den Spannungsplot.

    Einzig der Der Einstieg in dss Buch hat so richtig Klasse: Der Leser wähnt sich in Afghanistan oder dem Irak und im letzten Satz wird der mörderische Überfall auf ein Dorf nach Derbyshire verortet.

    Immer noch gut zu Lesen (und was zum schmunzeln) aber um zu überzeugen Bedarf es ein paar neuer Ideen. Mal sehen ob da noch was kommt.

    Soundtrack dazu: Gallows – London is the reason, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.614

    Bücher, schnell gelesen: 1.614

    John Vercher – Wintersturm (Polar Verlag, 2022)

    Gelesen: 08. – 13.11.2022 (netto 230 Seiten plus Nachwort von William Boyle)

    Aus dem Amerikanischen von Sven Koch.

    Der Polar Verlag ist offensichtlich ein echtes Trüffelschwein: Dieser Erstling von John Vercher ist aber sowas von Großartig – kein anderes Buch 2022 hat mein Kopfkino so gezündet.

    Und das, obwohl es eine recht einfache Geschichte ist. Eine einfache Geschichte allerdings, die dem Leser Rassismus und Gewalt ganz nahe bringt. Greifbar macht.

    John sagt in einem Interview zur Entstehung:

    Um dieselbe Zeit habe ich den Film American History X gesehen (falls es nicht sowieso klar ist: Ich bin ein großer Fan von Kino und Fernsehen) und hatte den Einfall zu einer Figur, deren Leben umgekehrt verläuft – das heißt, was wäre, wenn jemand wie der von Edward Norton dargestellte Protagonist im Film durch die Gefängniserfahrung kein besserer, sondern ein schlechterer Mensch würde?

    Bobby ist hat einen schwarzen Vater und eine weiße Mutter. Und hat früh als Kind instinktiv entschieden das er als Weißer besser durchs Leben kommt – und kommt dank seines Aussehens auch als Weißer durch. Sein Geheimnis behält er für sich, seine Mutter gibt den Vater als verstorben aus.

    Sein bester Freund Aaron, aus privilegierten weißen Verhältnissen, begibt sich allerdings auf einen kriminellen Pfad und landet im Knast. Will keinen Besuch.

    Bobby kämpft mit seiner Alkoholkranken Mutter um das Geld die Miete zu zahlen, hat nichts außer seinem Willen. Über den bricht nach 3 Jahren Knast dann aber Aaron her, der im Knast zum aufgepumpten White Supremacist wurde. Und am Abend ihres Wiedersehens erstmal einen jungen Schwarzen mehr oder weniger ohne Grund erschlägt.

    Während Aaron easy damit klarkommt (und ganz offensichtlich elegant auf einer Abwärtsspirale fährt) ist Bobby durch den Wind. Und das Schicksal meint es alles andere als gut, den seine Mutter erkennt den Vater von Bobby in ihrer Stammkneipe. Und bringt Bobby mit seinem Vater zusammen.

    Und Bobby möchte jetzt alles richtig machen – und hat überhaupt nicht im Blick das er bei Aaron auf dem Beifahrersitz in die Hölle sitzt.

    Spannender Aufbau und einer ganz hervorragendes negatives Finale. Arschloch tot. Held tot. Vater und Mutter – könnten sich eigentlich auch gleich umbringen.

    Wow! Aber so was von Wow!

    Ach ja, zuerst war das Buch ein – nicht erfolgreicher – Drehbuch Versuch. Dann die Masterarbeit von John im Literaturstudium. Der Spannungsbogen und das Ende sind 100% Filmreif, daher hat mein Kopfkino auch voll gezündet.

    Lesen!

    Soundtrack dazu: Smogtown -Bobby Brickface, was sonst?

    PS: Im englischen Original ist der Titel “Three-Fiths”, eine Referenz an die Historie des durch- und durch rassistisch geprägten Wahlsystems in den US of fucking A. Stichwort Gerrymandering.

    PPS: Und John Vercher so?