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  • Bücher, schnell gelesen: 1.859

    Bücher, schnell gelesen: 1.859

    Akira Otani – Die Yakuza Prinzessin (Suhrkamp, 2026)

    Gelesen: 10. – 11.09.2026 (netto 168 Seiten)

    Aus dem Japanischen von Katja Busson. 

    Shindo lebt Anfang der 1980er Jahre allein in Tokio und arbeitet als Fahrerin für ein Blumengeschäft, wo sie Auslieferungen übernimmt.

    Sie wuchs bei ihren Großeltern in den Wäldern Hokkaidos auf, dort brachte ihr der Großvater – ein Waldarbeiter – das Kämpfen bei. Und der brachte ihr bei, das Kampftechnik der Tod eines Kämpfers ist. Es gewinnt immer schiere brachiale Gewalt.

    Zehn Jahre später ist sie körperlich in Bestform, abgesehen von einer Vorliebe für Gewalt, der sie beim geringsten Anlass mit voller Lust freien Lauf lässt, pflegt sie keine Hobbys.

    Und diese Lust bringt sie in die Hände einer Yakuza Gruppe, sie haut zwar einen Großteil der Jungs weg aber wird trotzdem einkassiert.

    Und bekommt die Wahl: Gefoltert und getötet werden oder den Beschützer, Chauffeur und Laufburschen (Frauen mit Aufgaben kennen die Yakuza nicht) für die Tochter des Bosses geben.

    Ohne Wahl nimmt sie den Job an und …

    Bei so einem schmalen Buch werde ich nicht mehr verraten, außer das es auf diesen wenigen Seite mehr Atmosphäre schafft als wie ein Buch von doppeltem Umfang. Eine handwerklich meisterhafte Kurzgeschichte, leicht verlängert.

    Akira Otani wagt es, unterhaltsam und bisweilen urkomisch zu sein, ohne dabei an Feingefühl und Mitgefühl einzubüßen. Selbst die schlimmsten Bösewichte sind mehrdimensional gezeichnet: als Menschen verabscheuungswürdig, doch eben Menschen.

    Auch wenn das Buch männliche Gewalt, manipulatives Verhalten und sexuelle Übergriffe schonungslos schildert, liegt der Schwerpunkt vor allem darauf, wie solche Grenzüberschreitungen den Opfern ihre Handlungsmacht rauben – und schließlich darauf, was geschieht, wenn sich die Opfer die Macht zurückerobern.

    Brutal, lakonisch und großartige Entschuldigungen: Als Entschuldigung für einen Vergewaltigungsversuch an ihr bekommt Shindo 4 abgeschnittene Penisse überreicht.

    Wer sagt da schon nein?

    Das Ende kommt überraschend und treibt dann doch den Wunsch das die Autorin nochmal ca. 60 Seiten investiert hätte.

    Dennoch ein großartiges Buch, kommt auf die Shortlist für das Buch des Jahres.

    Soundtrack dazu: Anger Flares – Ultra Violence, was sonst?

    PS: Das Original Cover ist natürlich um Längen besser als die Internationale Ausgabe…

    王谷 晶 – ババヤガの夜 (Ōtani Akira – Baba Yaga no Yoru)
    (Kawade Shobō Shinsha, 2020)
  • Bücher, schnell gelesen: 1.851

    Bücher, schnell gelesen: 1.851

    Johannes Groschupf – Berlin Prepper (Suhrkamp, 2019)

    Gelesen: 09. – 13.08.2026 (netto 228 Seiten)

    Endlich bin ich beim ersten Berlin Krimi von Johannes Groschupf angekommen, ich ärger mich immer wieder wenn ich eine Serie (hier: Berlin Noir) nicht in der richtigen Reihenfolge lese. Hier war es … 3, 4, 2 und dann 1. Damn.

    Walter Noack ist ein schräger Vogel, dabei will er doch nur vorbereitet sein auf das, was unausweichlich auf uns zukommt. Chaos, Zusammenbruch der Ordnung und “alle gegen alle”.

    Darum hält er sich fit, lebt alleine (Frau und Sohn sind ob seiner etwas schrägen Vorstellungen eh weg) und macht einen Job der ohne viel Anstrengung Geld bringt. Lebt seine Routine.

    Der Job allerdings frisst sich in seine Gehirn und verdirbt seinen Geist: Content Moderator bei der größten Zeitung des Landes. Die menschliche Delete Taste. Aber vor dem Löschen kommt das Lesen und das Einordnen. Und damit ist das Gift schon in seinem Kopf.

    Es Bedarf nicht mehr als einen Überfall auf ihn nach Schichtende und das ganze gerät aus den Fugen. Lebensmittel hat er schon genug, jetzt braucht er noch eine Waffe. Und als auch eine Kollegin überfallen wird …

    … geht er ganz fokussiert auf die Suche nach dem Warum. Das sich dabei immer tiefer in die echte Welt derjenigen begibt, deren Kommentare er täglich löscht, merkt er nicht.

    Waffennarren, Fake-News Verbreiter, Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger – der ganze Kanon wird durchschritten.

    Unbeirrt findet er den Grund für den Überfall und lässt sich auch durch den Preis dafür (sein Sohn wird ermordet, sein Job ist weg) nicht beirren.

    Und findet einen Freund fürs restliche Leben: Nero, Kampfund.

    Hart, realistisch und ohne Happy End. Klasse!

    Soundtrack dazu: Berlin Blackouts – Slay The Demons, was sonst?

    … bitte von rechts nach links lesen!
  • Bücher, schnell gelesen: 1.850

    Bücher, schnell gelesen: 1.850

    Kim Koplin – Die Toten von Morgen (Suhrkamp, 2026)

    Gelesen: 01. – 08.08.2026 (netto 263 Seiten)

    Die Fortsetzung von Die Guten und die Toten, schließt inhaltlich direkt an das erste Buch an. Kommissarin Nihil Khigrian ist aus Hamburg zurück, wohin sie sich am Ende des ersten Bandes der Berliner Schattenwelt Serie zusammen mit Saad und Leila geflüchtet hatte.

    Und stolpert direkt in einen Toten: Offensichtlich hingerichtet. Keine Papiere. Kein Schlüssel. Kein Handy. Teure Klamotten, teure Uhr. Offensichtlich kein Raubmord.

    Und Nihil verbeißt sich in diesen Fall, kommt über einen e-Roller auf die Spur des Toten und identifiziert ihn. Offensichtlich Dealer. Beifang in einem aufkommendem Bandenkrieg zwischen dem Berliner Platzhirsch Charlie und neuen Playern in der Stadt, die ihm das Wasser abgraben wollen.

    Wer im ersten Band aufgepasst hat, ahnt woher der Mistral weht – nämlich aus Marseille. Und das Saad durchaus der Magnet sein kann, der diesen angezogen hat.

    Mit nur wenig Beiwerk steuert das Buch gezielt auf den großen Crash zu, wieder gibt es ordentlich Gewalt und wieder kommen Saad, Leila und Nihil beinahe unter die Räder. Aber die Liebe, die alle drei verbindet, ist stärker als die Gewalt.

    Und Saad muss Nihil endlich alles erzählen: Wer er ist, was er in Marseille gemacht hat und …

    … da kommt hoffentlich noch mehr.

    Cooles Buch, wenn auch die Story ein wenig vorherbar läuft und selbst ein korrupter Ermittler vom LKA diese nicht wirklich aus der Spur bringt.

    Ich mag sowas, es hat viel Tempo, viel Realität und letztendlich streetcredibility. Bin gespannt ob und wie das weitergeht.

    Soundtrack dazu: Terrorgruppe – Küsse Töten, was sonst?

    PS: Das Rätzel um den Autor hat dieser selbst gelöst, Kim Koplin ist ein Pseudonym von Edgar Rai:

    (Podcast beim Deutschlandfunk Kultur)