Bücher, schnell gelesen: Teil 1.483

Zoë Beck- Paradise City (Suhrkamp, 2020)

Gelesen: 08. – 21.10.2020, netto 274 Seiten

Eigentlich ein Buch ganz nach meinem Geschmack: Eine leichte Realitätsverschiebung. Alles klingt bekannt, alles klingt logisch – aber alles ist anders.

Zoë Beck schreibt Bücher in denen clevere Ideen bis zum Ende durchgespielt werden. Die Lieferantin (2017) hatte in dieser Richtung richtig pfiff.

Paradise City ist auch eine Idee die bis zum Ende durchgespielt wird. Allerdings bringt diese Idee mein Kopfkino nicht wirklich zum starten. Das Buch spielt in einem Deutschland das durch Klimawandel seine Küsten verloren hat, das durch Pandemien große Teile seiner Bevölkerung verloren hat und sich in Megacitys (und das Rhein-Main Megacity ist die Hauptstadt von Deutschland) zurückgezogen hat.

Dort gibt es eine staatliche Presse, die in der Regel „Fake News“ raushaut und dafür alle Tools der Kunst benutzt: Deep Fakes und mehr. Nur wenige stellen sich dem entgegen und sind die Wahrheitspresse. Alle anderen leben, so sie den in den Megacitys leben, behütet und sorglos vor sich hin. Kranke gibt es nicht mehr, die Gesundheit wird von einem Chip und Algorithmen überwacht.

Klimawandel, Pandemie, Überwachungsapps, Ausgrenzung von Menschen mit gesundheitlichen Problemen … alles ein wenig dick aufgetragen. Dazu ist die Krimi-Storyline die das Buch trägt ein wenig unrealistisch und zu sehr konstruiert.

Irgendwie hängt das Buch, das Ende ist zB so ein Hänger. Schade. Vielleicht sollte sich Neal Stephenson der Idee annehmen? Denn wieder gilt: Die Idee ist gut, die Realitätenverschiebung spannend.

PS: Etwas ähnliches in besser war Nordland. Das hat gepasst.

Soundtrack dazu: Volxfront – Ab jetzt verlieren immer wir, was sonst?

PS: Was sagt Zoë?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.462

Scott Thornley – Der Gute Cop (Suhrkamp. 2020)

Gelesen: 20. – 25.07.2020, netto 514 Seiten

Hopla, ein etwas anderer Krimi aus Kanada. Im Original ist der Titel „The Ambitious City“ und es ist der 2te Teil einer Serie um Detective Superintendent MacNeice.

„The Ambitious City“ ist eine viel besserer Backdrop für die Geschichte, das deutsche Cover ist allerdings graphisch das viel smartere (und spielt viel besser mit der Geschichte in der Geschichte).

Scott Thornley bekommt es ziemlich gut hin mehrere Geschichten parallel zu erzählen: Einmal MacNeice und sein Verhältnis zum Bürgermeister von Dundurn (am Lake Ontario, in der Nähe der Grenze zu den US of A), wo MacNeice ehr den Ausputzer spielt. Dann die Toten aus mehr als 70 Jahren im Hafenbecken der Stadt, die gerade versucht in diesem Hafenbecken ihre Ambitionen zu verwirklichen. Dann jede Menge Tote Biker (und später noch mehr), die versucht haben an diesen Ambitionen mitzuverdienen.

Und ein hochintelligenter Irrer, der erfolgreiche Frauen mit Migrationshintergrund killt weil diesen seine demographischen Pläne für Kanada unterlaufen.

Dem Buch fehlt definitiv nix, Tempo, Gewalt, Bösheiten und echte Polizeiarbeit – alles da, inclusive Humor. Und das beste: Ein Showdown geht hier kurz und knapp über die Bühne, inclusive einem Schuss in die Eier für den Bösewicht. Was er verdient hatte. Er war nämlich schon tot.

Was auch herraussticht ist der Charakter von MacNeice – ein Cop mit Empathie und Intuition. Ein Cop der nicht nur das Gute will sondern auch das Gute erreicht. Und dafür auch mal Regeln bricht.

Schade das hier das 2te Buch einer Serie zuerst kommt, was hab ich denn schon verpasst?

PS: Wenn etwas fehlt, dann ist das Landschaft, die kommt quasi nicht vor. Aber bei Gefühlt 27 Toten ist das ok.

Soundtrack dazu: The Hextalls – Who Is The #1 Cop, was sonst?

PS: Hamilton, The Ambitious City:

PPS:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.449

Lisa Sandlin – Family Business (Suhrkamp, 2020)

Gelesen: 24. – 26.05.2020, netto 350 Seiten

Der zweite Teil der Delpha Wade Reihe von Lisa Sandlin und wie der erste ist es ein richtig schnuckeliges Buch.

Und was sich im ersten Teil schon andeutete wird hier fast offiziell: Delpha macht nicht nur die Sekretärin sondern auch die Ermittlerin. Und zwischen ihr und ihrem jungen Chef Tom knistert es immer wieder, ohne das es dabei zu einem echtem „Family Business“ kommt.

Das Tempo und der Rhythmus wird dabei von den beiden unterschiedlichen Ermittlungsansätzen von Tom und Delpha diktiert, wobei beide sich – im Gegensatz zu vielen anderen Private Eye Geschichten – regelmäßig über den Fortschritt austauschen.

Während Tom versucht seinem Onkel, dem lokalen Sheriff, zu beeindrucken versucht Delpha nichts anderes als die im Knast verlorenen Jahre wieder zurückzubekommen. Schritt für Schritt.

Stimmige Geschichte in einem sonnig-warmen Texas von 1973. Macht immer noch Spass auf mehr!

Soundtrack dazu: Rocket From The Crypt – If The Bird Could Fly, was sonst?

PS: Sowohl das Cover als auch der Titel ist – wie beim ersten Band – völlig misslungen. Damn it!

Lisa Sandlin - The Bird Boys (Cinco Puntos Press, 2019)
Lisa Sandlin – The Bird Boys (Cinco Puntos Press, 2019)