Bücher, schnell gelesen: Teil 1.522

Alan Carter – Marlborough Man (Suhrkamp, 2019)

Gelesen: 18. – 22.05.2021, netto 373 Seiten

Alan Carter ist ein feiner Autor, von ihm habe ich schon zwei ganz wunderbare Bücher (Edition Nautilus) gelesen. Inzwischen hat sich Thomas Wörtche bei Suhrkamp seiner angenommen und damit sollte ihm jetzt auch ein größerer Erfolg zuteil werden.

Alan Carter kommt ursprünglich aus Sunderland und klinkt seine Geschichte auch in seine Heimatstadt ein: Als Undercover Cop hat Nick in Sunderland einen Gangsterboss hochgehen lassen und ist damit im Vereinigten Königreich nicht mehr sicher.

Aber das Britische Imperium hat ja so seine entfernten Ehemaligen … in Neuseeland kann Nick als Cop unter falschem Namen in relativer Sicherheit arbeiten. Überqualifiziert aber sicher.

Denkste! Seine schlimmsten Befürchtungen werden war – der Gangsterboss hat ihn nicht vergessen. Ebenso hat er seine Leidenschaft für detaillierte Ermittlungen nicht vergessen und gräbt sich tief in den Todesfall eines Kindes (der sich als Serienmord entpuppt). Was allerdings weder sein Fall ist noch folgt er der richtigen Spur.

Aber seine Familie und sich selbst verteidigen – das kann er. Auch wenn es dabei und bei seinen Ermittlungen jede Menge Tote gibt und er die meiste Zeit kurz vor dem Rauswurf ist.

Viel Lokalkolorit, viel Kritik am Neuseeländischen System (Politik und Wirtschaft, Hand in Hand bei der Ausbeutung der Natur) und ausreichend Brutalität.

Damit es nicht zu einfach ist (und nicht nur ein Reisekrimi) gibt es ausreichend falsche Fährten und Unsympathen, die nicht schuldig sind.

Am Ende ein Cliffhänger, der nächste Band um Nick erscheint noch dieses Jahr. Vor allem die Flashbacks nach Sunderland erinnern mich an die großartige Trilogie von Howard Linskey – passt also!

Soundtrack dazu: No Tag – Mistaken Identity, was sonst?

PS: Das deutsche Cover soll wohl den NZ-Urlauber ansprechen … irgendwie billig und unnötig, das Original tut es auch.

Alan Carter – Marlborough Man (Freemantle Press, 2017)

PPS: Und Alan Carter … macht schon mal eine Vorschau

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.519

Tim MacGabhann – Der Erste Tote (Suhrkamp, 2020)

Gelesen: 25.04. – 02.05.2021, netto 251 Seiten (plus ein ausführlicher Anhang von 10 Seiten)

Der Autor erklärt es im Anhang: In Mexiko gibt es die Tradition der crónica, das ist eine Mischform Reportage, Autobiographie und … Erfindung. Also eine gute Geschichte, die ihre Wurzeln im echten Leben des Erzählers hat und geschickt echte Dinge mit Sachen verknüpft die die Geschichte voranbringen.

Tim MacGabhann ist Ire und lebt in Mexiko als freier Journalist. Und alles was in diesem Buch vorkommt hat er mehr oder weniger erlebt.

Worum es geht? Um Rohstoffreserven. Und den Kampf darum, den Kartelle, Drogenbosse, staatliche Sicherheitskräfte (lokale Polizei. Staatspolizei und noch mehr), Politik und amerikanische Wirtschaftsunternehmen gegen die lokale Bevölkerung führen.

Mittendrin zwei Reporter: Einer Ire, einer Mexikaner. Als sie über eine Leiche stolpern und wie durch ein Wunder von der Polizei laufen gelassen werden geht der eine (klar, der Gringo) zurück nach Mexiko-City, der andere (der Mexikaner) geht zurück um mehr zu Erfahren. Und wird ermordet.

Es bleibt an Andrew (der Gringo, der aber fast vollständig assimiliert ist) das ganze bis zum bitteren Ende aufzulösen. Und hier wird das ganze dann ein starkes Buch: Es ist nicht nur ein Thriller voller Gewalt sondern auch eine Geschichte über die Verzweiflung einer Liebe und ein Land in Auflösung. Mit anderen Gesetzen. Ungeschriebenen die aber jeder kennt und beachtet.

Das Ende ist passend, denn am Ende gewinnt immer das Geld und die Macht – nie die Liebe.

Die Stärke des Buches: Harte Gewalt und Poesie stehen ganz nah beieinander.

Soundtrack dazu: Candy MX – Painkiller, was sonst?

PS: Übersetzt von der wunderbaren Conny Lösch, ein Qualitätsmerkmal.

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.507

David Whish-Wilson – Das Grosse Aufräumen (Suhrkamp, 2020)

Gelesen: 31.01. – 05.02.2021, netto 320 Seiten.

Der Abschluss der Perth-Trilogie von David Whish-Wilson. Im ersten Teil verliert Frank Swann seinen Job bei der Polizei, im zweiten Teil überlebt er als ex-Polizist nur knapp (die korrupten Cops wollen seinen Kopf). Und zum Abschluss der Dekade (1975 – 1979 – 1983) muss Frank Swann wieder vor allem eins: Überleben.

Wie in den beiden anderen Bänden hat hier alles einen Fuß in der echten Vergangenheit: Der “WA Inc.“, einer wirklich üblen Geschichte von Korruption und Verschwendung von Steuergeldern. Gesteuert von einer Partei und dem Premierminister von WA (Western Australia).

Perth, die einsamste Großstadt der Welt, liegt mitten im Boom der Minen in Western Australia und alle wollen etwas ab vom Kuchen. Frank Swann wird von der neuen Regierung angeheuert um die Sicherheit der Telefone und Büroräume zu überprüfen. Und rutscht mitten rein in die üble Verbindung von Wirtschaft und Politik.

Geschickt packt Whish-Wilson noch eine Rachegeschichte von einem aus dem Knast entflohenen Schwerverbrecher dazu und prompt kreuzen sich die Wege von Frank Swann und Des Foley. Und gemeinsam räumen sie auf – beide angetrieben von persönlichen Motiven: Foley will dem Slumlord ans Leder, der seine Mutter bedrängt. Und Swann will den korrupten Cop loswerden, der ihn umbringen will.

Am Ende ist der Profi Des mit ordentlich Geld auf dem Weg in ein freies Leben und Frank Swann ist seine Nemesis los. Allerdings zu einem hohen Preis.

Klasse Abschluss, alle 3 Bände würde ich gerne als Film/TV Adaption sehen. Ist ‘ne coole Story über einen längeren Zeitraum. Mit ordentlich Druck – sowohl Tempo als auch Gewalt. Und die Geschichte einer durch-und-durch korrupten Stadt. Gefällt mir!

Soundtrack dazu: Manikins – Too Much Money, was sonst?

PS: Das Vorbild für den Premierminister in diesem Buch war offensichtlich Brian Burke. Und über den gibt es ordentlich was zu erzählen…