Bücher, schnell gelesen: Teil 1.507

David Whish-Wilson – Das Grosse Aufräumen (Suhrkamp, 2020)

Gelesen: 31.01. – 05.02.2021, netto 320 Seiten.

Der Abschluss der Perth-Trilogie von David Whish-Wilson. Im ersten Teil verliert Frank Swann seinen Job bei der Polizei, im zweiten Teil überlebt er als ex-Polizist nur knapp (die korrupten Cops wollen seinen Kopf). Und zum Abschluss der Dekade (1975 – 1979 – 1983) muss Frank Swann wieder vor allem eins: Überleben.

Wie in den beiden anderen Bänden hat hier alles einen Fuß in der echten Vergangenheit: Der „WA Inc.„, einer wirklich üblen Geschichte von Korruption und Verschwendung von Steuergeldern. Gesteuert von einer Partei und dem Premierminister von WA (Western Australia).

Perth, die einsamste Großstadt der Welt, liegt mitten im Boom der Minen in Western Australia und alle wollen etwas ab vom Kuchen. Frank Swann wird von der neuen Regierung angeheuert um die Sicherheit der Telefone und Büroräume zu überprüfen. Und rutscht mitten rein in die üble Verbindung von Wirtschaft und Politik.

Geschickt packt Whish-Wilson noch eine Rachegeschichte von einem aus dem Knast entflohenen Schwerverbrecher dazu und prompt kreuzen sich die Wege von Frank Swann und Des Foley. Und gemeinsam räumen sie auf – beide angetrieben von persönlichen Motiven: Foley will dem Slumlord ans Leder, der seine Mutter bedrängt. Und Swann will den korrupten Cop loswerden, der ihn umbringen will.

Am Ende ist der Profi Des mit ordentlich Geld auf dem Weg in ein freies Leben und Frank Swann ist seine Nemesis los. Allerdings zu einem hohen Preis.

Klasse Abschluss, alle 3 Bände würde ich gerne als Film/TV Adaption sehen. Ist ’ne coole Story über einen längeren Zeitraum. Mit ordentlich Druck – sowohl Tempo als auch Gewalt. Und die Geschichte einer durch-und-durch korrupten Stadt. Gefällt mir!

Soundtrack dazu: Manikins – Too Much Money, was sonst?

PS: Das Vorbild für den Premierminister in diesem Buch war offensichtlich Brian Burke. Und über den gibt es ordentlich was zu erzählen…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.499

Nick Kolakowski – Love & Bullets (Suhrkamp, 2020)

Gelesen: 01. – 03.01.2021, netto 418 Seiten

Ein perfekter Lesestart in das Jahr 2021, ich habe lange nicht mehr so laut gelacht beim Lesen.

Im Original ist das eine Trilogie, erschienen in einem kleinen amerikanischen Verlag. Vernünftigerweise wurde das ganze in Deutschland in ein Buch gepackt. Wer Joe R. Lansdale und seiner Hap & Leonard Bücher liebt (und das tue ich, sehr) der wird hier aber sowas von allerbest bedient.

Bill hat den Rockaway Mob um gutes Geld erleichtert, zuviel um das einfach so durchgehen zu lassen. Also schickt der Boss dem guten Bill ein paar Killer hinterher.

Und hier biegt die Geschichte ganz wunderbar vom vorhersehbaren Pfad ab: Bill ist nicht nur ein luxusverliebter Dandy (dem es um Reichtum und Bling-Bling geht) sondern auch noch ein nicht totzubekommender Überlebensstolperer. Du willst ihn abknallen? Jede Wette du rutscht aus und er überlebt! (Kleiner Hinweis: Das kommt so im Buch vor – worauf der Bösewicht ausrutscht wird aber nicht verraten, ist aber ein weiterer Lacher).

Fiona ist ein nettes Mädchen, das aber die grobe Arbeit macht. Leuten wehtun hat sie von der Pieke auf gelernt (und ihr Lehrmeister war ihr Dad, ein Hitman des FBI). Was der Mob nicht wusste ist das Fiona rettungslos in Bill verknallt ist, damit ist sie die denkbar schlechteste Killerin – und killt die anderen Killer die der Mob schickt. Einer davon ist … Elvis.

Nick Kolakowski (c) 2020 Suhrkamp

Nebenbei killen (und grillen, in bester Simpsons Manier) Bill und Fiona ein ganzes Hinterweltlerdorf, das auch gefallen an dem Geld gefunden hatte. Und eine paar mehr Killer in Südamerika (Fluchtpunkt 1), in Kuba (Fluchtpunkt 2) ehe sie zurück nach NYC kommen um Nazi Gold zu bergen. Das auf solide Art während des zweiten Weltkrieges erworben wurde:

Nick Kolakowski (c) 2020 Suhrkamp

Das ganze ist nicht einfach nur eine Slapstick-Nummer, im Buch sitzt jede Pointe (gefühlt 1 Satz = 1 Pointe) und es gibt sowohl wunderbare Charaktere als auch Gangster mit soliden und vernünftig begründeten Prinzipien. Und eben Bill und Fiona die aber auch jeden Cliffhänger … überleben. Nie unbeschadet. Nie reicher. Bis sie am Ende ihrer Flucht weder Geld noch Obdach haben und sich in NYC im Rohbau einer Luxusappartmentanlage verstecken.

Ihr ahnt es schon, aus dem kommen sie auch raus. Aber mit Gold und mit noch mehr Geld.

Super spannend, super lustig, super brutal mit viel Blut – einfach ein großartiges Buch. Leider nur eine Trilogie aber bitte bitte verfilmt diesen geilen Scheiß!

Soundtrack dazu: The Mob – Step Forward, was sonst?

PS: Nick hat auch die korrekten musikalischen Referenzen am Start

Nick Kolakowski (c) 2020 Suhrkamp

PPS: Die 3 amerikanischen Originale machen natürlich mehr her …

Nick Kolakowski – Love & Bullets Hookup Trilogy (Down & Out Books)

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.483

Zoë Beck- Paradise City (Suhrkamp, 2020)

Gelesen: 08. – 21.10.2020, netto 274 Seiten

Eigentlich ein Buch ganz nach meinem Geschmack: Eine leichte Realitätsverschiebung. Alles klingt bekannt, alles klingt logisch – aber alles ist anders.

Zoë Beck schreibt Bücher in denen clevere Ideen bis zum Ende durchgespielt werden. Die Lieferantin (2017) hatte in dieser Richtung richtig pfiff.

Paradise City ist auch eine Idee die bis zum Ende durchgespielt wird. Allerdings bringt diese Idee mein Kopfkino nicht wirklich zum starten. Das Buch spielt in einem Deutschland das durch Klimawandel seine Küsten verloren hat, das durch Pandemien große Teile seiner Bevölkerung verloren hat und sich in Megacitys (und das Rhein-Main Megacity ist die Hauptstadt von Deutschland) zurückgezogen hat.

Dort gibt es eine staatliche Presse, die in der Regel „Fake News“ raushaut und dafür alle Tools der Kunst benutzt: Deep Fakes und mehr. Nur wenige stellen sich dem entgegen und sind die Wahrheitspresse. Alle anderen leben, so sie den in den Megacitys leben, behütet und sorglos vor sich hin. Kranke gibt es nicht mehr, die Gesundheit wird von einem Chip und Algorithmen überwacht.

Klimawandel, Pandemie, Überwachungsapps, Ausgrenzung von Menschen mit gesundheitlichen Problemen … alles ein wenig dick aufgetragen. Dazu ist die Krimi-Storyline die das Buch trägt ein wenig unrealistisch und zu sehr konstruiert.

Irgendwie hängt das Buch, das Ende ist zB so ein Hänger. Schade. Vielleicht sollte sich Neal Stephenson der Idee annehmen? Denn wieder gilt: Die Idee ist gut, die Realitätenverschiebung spannend.

PS: Etwas ähnliches in besser war Nordland. Das hat gepasst.

Soundtrack dazu: Volxfront – Ab jetzt verlieren immer wir, was sonst?

PS: Was sagt Zoë?