Tag: Pendragon

  • Bücher, schnell gelesen: 1.833

    Bücher, schnell gelesen: 1.833

    Ken Jaworowski – What About The Bodies (Pendragon, 2026)

    Gelesen: 29.04. – 06.05.2026 (netto 312 Seiten)

    Aus dem Englischen von Lea Dunkel.

    Willkommen in Locksburg, Pennsylvania. Rust Belt. Small Town.

    Ken Jaworowski schickt 3 Bewohner auf einen Schicksalsweg der ganz wunderbar das Elend von Small Town USA spiegelt: „Glücklich bis ans Lebensende“ erweist sich als ziemlich tödlich.

    Zunächst lernen wir Carla kennen, alleinerziehende Mutter. Ihr Sohn Olly, Student am MIT, hat ihr gerade etwas gestanden, von dem sie ganz sicher nicht will, dass die ganze Welt davon erfährt; nun muss sie ihn beschützen – Koste es was es wolle.

    Als Nächstes tritt Reed auf den Plan – ein fünfzehnjähriger autistischer Junge, dessen Mutter gerade verstorben ist. Sein einziger Beschützer ist nicht mehr da, nun ist er einem Mobbing ausgesetzt, das zehnmal schlimmer ist als alles, was er je zuvor erlebt hat. Doch Reed scheint seiner Mutter etwas versprochen zu haben und begibt sich tapfer auf eine Mission, etwas wiedergutzumachen, das sich ereignet hat, als seine Mutter noch lebte.

    Als drittes Liz, Songwriterin und Musikerin, die gerade ihren Job als ehr erfolglose Barsängerin verloren hat. Zu ihrem Glück erhält sie aus Nashville ein einzigartiges Angebot. Doch ihr Auto hindert sie daran, ihren Traum zu verwirklichen. Ihr Freund Luke macht sie mit einem Mechaniker bekannt, der ein Ex-Sträfling ist. Nachdem das von ihm reparierte Auto in Flammen aufgeht behauptet er, sie stehe bei ihm in der Schuld, und lässt sie die Stadt nicht verlassen, bis sie ihre Schulden beglichen hat.

    Die Erzählperspektive wechselt fortlaufend zwischen den drei Charakteren hin und her, immer aus einer Ich-Perspektive erzählt.

    Die Welt der Drei ist aber eine, in der Gerechtigkeit nicht immer siegt und Glück eine entscheidende Rolle im Leben der Menschen spielt. Small Town USA ist voller Schmerz, Verzweiflung und ohne Hoffnung.

    Ken Jaworowski wirft die Drei ziemlich cool die Treppe runter, als Leser drückt man ihnen irgendwie die Daumen, während diese verzweifelt versuchen, den nächsten Tag zu überstehen.

    Entsprechend endet jedes Kapitel mit einem Cliffhanger.

    Die Spannung, die komplexe Handlung und die kurzen Kapitel geben ein hohes Tempo vor, während Carla, Reed und Liz eine wunderbare down hill Achterbahnfahrt der Nieder-geschlagenheit durchleben.

    ( (c) Pendragon Verlag, 2026)

    Die Geschichten der Drei verlaufen zunächst getrennt voneinander und der Leser fragt sich lange, wie der Autor es hinbekommt die Schicksale zu kreuzen. Der Moment kommt, fällt jedoch weniger schockierend aus, als man es vielleicht erwarten würde.

    Vorher aber ist schon ordentlich Gore dabei, durchgeknallte Kleinstadt-Cops drehen am Rad und das Glück, tja, das hat der, der …

    Perfektes Kleinstadtdrama, gemein und blutig. Ohne Hoffnung. Mit ein wenig Glück.

    Ganz hervorragendes Lesevergnügen!

    Soundtrack dazu: The Pist – Small Town, was sonst?

    PS: Und Ken so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.829

    Bücher, schnell gelesen: 1.829

    Frauke Buchholz – Endzeit (Pendragon, 2026)

    Gelesen: 12. – 14.04.2026 (netto 312 Seiten)

    Der vierte Teil der Serie um Profiler Ted Garner. Schließt direkt an den 3ten Teil an und startet mit einem Big Bang:

    Skalpjagd endet am 03.10., Endzeit startet am 04.10. und geht nahtos weiter. Nur um auf Seite 35 quasi zu enden. Ted ist mit Sophie LeRoux, seiner quasi heimlichen Flamme und potentieller Fremdgehfehler in spe, essen und vor seinen Augen wird sie abgeknallt. Und später, im Hotelzimmer, findet er einen freundlichen Gruß der Mafia (der er zu sehr auf die Füsse getreten ist):

    Bon Voyage, Monsieur Garner.

    Das Buch spult dann 2 Jahre vor, Ted hat den Polizeidienst quittiert und sich als Paartherapeut selbstständig gemacht. Keine Gefahr mehr für sich, keine Gefahren mehr für seine Frau und die Kinder. Mental ist er ehr ein tablettenabhängiges Wrack, zynisch und … irgendwie gebrochen.

    Sein alter Chef bei der RCMP kommt bei ihm vorbei und bittet um Hilfe in einem Fall. Ted ist geschmeichelt und interessiert. Seiner Frau muss er ja nichts erzählen, das sind nur ein paar Stunden Arbeit.

    Pustekuchen!

    Aus einem brutalem Mord (Ehefrau und 2 Kinder mit einer Axt abgeschlachtet, Ehemann und das 3te Kind verschwunden) wird natürlich ein echter Fall, aus Hilfe wird echte Arbeit und volles Risiko für Ted.

    Der stümpert ehr durch den Fall, lebt seine Vorurteile gegen die Indigenen aus und bringt sich mit übersteigertem Ehrgeiz ehr in Gefahr.

    Aus dem Mord wird eine Entführung und aus der Entführung wird ein Showdown weit draußen im Nirgendwo. Das Ted nur dank Indigener Hilfe überlebt. Nicht ohne vorher seine Retter einmal schön durch den Vorurteilskakao gezogen zu haben.

    Irgendwie cool wie Frauke Buchholz aus einem professionellem Profiler im Polizeidienst einen uncoolen, voller Vorurteilen steckenden und in Sachen Motiv immer wieder falsch liegenden Anti-Helden macht.

    Ich hab mir am Ende fast gewünscht das nur das verschollene Kind ein Happy End bekommt, Ted kann ruhig draufgehen.

    Wie alle Bücher der Serie von ganz großer Tiefe durchzogen wenn es um die Indigene Bevölkerung, ihre Bräuche und ihre Natur resp. ihr Land geht.

    Die Lösung aber, die hat ein kluger Krimileser eigentlich schnell im Blick. Ted dagegen nicht. Auch ein spannender Plot im Plot.

    Ich bin jetzt ziemlich gespannt wie das in einem nächsten Band weitergehen kann. Eigentlich müsste Ted zuhause rausfliegen und als Polizist bei der RCMP in der Pampa Dienst tun. Und scheitern.

    Alkohol, Tabletten.

    Rettung? Muss in einer Schwitzhütte erfolgen!

    Soundtrack dazu: D.O.A. – Time Of Illusion, was sonst?

    PS: Der Showdown ist auf dem Great Slave Lake…

  • Bücher, schnell gelesen: 1.808

    Bücher, schnell gelesen: 1.808

    James Lee Burke – Clete (Pendragon, 2025)

    Gelesen: 06. – 08.01.2026 (netto 339 Seiten)

    Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger.

    Band 24 der Dave Robicheaux Reihe und diesmal hat sich James Lee Burke einen kleinen Spass erlaubt:

    Der unberechenbare Sidekick von Dave, ehemaliger Partner im NOPD und irgendwie Privatdetektiv Clete Purcel erzählt die Geschichte aus seiner Sicht.

    Allerdings ist Clete alles andere als ein zuverlässiger Erzähler: Er ist alkoholkrank, psychisch labil, depressiv. Die Sünden und Teufel der Vergangenheit sind tief in seinem Gehirn.

    Mehr als einmal fantasiert er sich Dinge herbei die einfach nicht real sein können (und es wahrscheinlich so auch nicht waren). Trotzdem bleibt es ein typisches Dave Robicheaux Buch voller Gewalt. Verstörend, explizit und mitunter sinnlos. Warum manche Figuren verletzt werden und warum so brutal bleibt irgendwie, genauso wie das Ende, halbwegs im Dunkeln.

    Drogen. Nazis. Gangster. FBI. Korrupte Cops. Racheengel. Frauen, die gerettet werden müssen.

    All-in, und ziemlich crazy. Wie Clete eben so ist.

    Der Running Gag des Buches ist das Clete irgendwie immer wieder im Krankhaus landet und sich immer wieder selbst entlässt.

    Das Buch ist ein getarnter Krimi: Ein Actionthriller, der das nicht fehlerfreie Gute gegen das immer unerbittliche Böse antreten lässt. Und ist dazu noch durchdrungen von Traurigkeit und Sehnsucht nach all den vergangenen Sonnenuntergängen. Also ehr … Poesie?

    Als Einzelstück ist die Sicht von Clete spannend, die Geschichten aus Sicht von Dave sind … besser. Weniger fantasierend.

    Trotzdem ein fesselndes Buch, das eben zur Serie gehört.

    Soundtrack dazu: Didjits – Gold Eldorado, was sonst?

    PS: Und James Lee Burke so?