Bücher, schnell gelesen: Teil 1.465

James Lee Burke – Blues In New Iberia (Pendragon, 2020)

Gelesen: 02. – 07.08.2020, netto 580 Seiten

Wenn man dem Universum von Dave Robicheaux verfallen ist, dann führt einfach kein Weg daran vorbei alle Bücher zu lesen. Bevor ich mit den Neuauflagen weitermache (die ich zum Teil schon als Ullstein Taschenbuch in den 90er gelesen habe) geht es mit Band 22 aus 2019 weiter.

Dieser ist Teil einer Trilogie: Der erste Teil ist „Mein Name Ist Robicheaux„, Blues In New Iberia ist der 2te Teil und dazu wird noch „Born To Be With You“ (englischer Arbeitstitel) erscheinen.

Das Dave Robicheaux Universum ist diesmal sehr klein: Er, seine Tochter, Clete Purcel, seine neue Kollegin. Und eine Bande Filmemacher, die mit dem Geld der Mafia, der Russen und der Araber einen Welthit in den Sümpfen Louisiana drehen.

Obwohl es etliche Tote gibt, findet Dave einfach keinen roten Faden. Eine junge Schwarze an ein Kreuz genagelt. Ein Einsiedler verpackt wie ein Bienenkorb. Ein korrupter Cop bizarr getötet. Ein weiterer Cop tot. Zwei Mafia-Killer mit einem Flammenwerfer gegrillt. Drei Killer hingerichtet. Eine von Dave verehrte Bluessängerin ermordet. Ein zum Tode verurteilter und geflohener Fundamentalchrist auf Rachetour. Das Ayrian Brotherhood auf Rachetour.

Dave wächst das – und die zarte Liebe zu seiner jungen Kollegin – über den Kopf. Er landet an der Grenze zum Wahn. Die gradlinige Polizeiarbeit zerfasert so wie die Flüsse im Bayou. Und hier kommt die ganze Stärke der Erzählungen von James Lee Burke durch: Großartige Landschaftsbilder bestimmen die Geschichte, klein und ohne Kraft wirken die Menschen.

Auch Cheester „Smily“ Wimple ist immer noch in der Gegend, kann aber den Killerauftrag der Mafia nicht durchführen: Das Opfer ist nett. Und damit geht es auch für ihn den Bach runter: Clete und Dave werden quasi seine Komplizen … und am Ende stirbt er durch einen Amateur.

Und das ist am Ende auch die Lösung des Falles: Dave suchte immer nach dem Profi, dem Irren … dabei war das Böse die ganze Zeit ganz nah.

Spannend, irre gut erzählt – einfach eine Bank.

Soundtrack dazu: Smut Peddlers – Mortality Blues, was sonst?

Und wenn die US of A nicht so Scheisse wären würde ich gerne diese Tour machen:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.443

James Lee Burke – Mein Name Ist Robicheaux (Pendragon Verlag, 2019)

Gelesen: 14. – 22.04.2020, netto 595 Seiten

Band 21 von 22 in der Robicheaux Reihe von James Lee Burke. Die Neuauflagen im Pendragon Verlag folgen nicht der ursprünglichen Timelines, das ist aber eine lässliche Sünde – dieses ist die Deutsche Erstausgabe.

Am Ende des Buches gibt es eine Zugabe in Form der Short Story „The Wild Side Of Life“ – ich glaube diese Geschichte hat Burke vor „Mein Name Ist Robichaeux“ geschrieben und dann hier mit eingebaut. Es gibt wie immer bei James Lee Burke viele Geschichten in einem Buch, viele Lebenswege die sich in New Iberia, Louisiana, kreuzen.

Voran geht Dave Robicheaux, der mal wieder einen Alkoholrückfall hatte und sich nicht ganz sicher ist ob er nicht den mutmaßlichen Totschläger (Autounfall) seiner Frau gekillt hat – denn der ist Tot. Ermordet.

Ja, es wird wieder eine Geschichte mit viel Schuld und noch mehr Sühne – auf allen Ebenen: Privat, in der Polizei und der Politik. Es geht immer noch um korrupte Cops, Rassisten und populistische Politiker, die mit allem durchkommen. Und um Tote, die weder Namen noch Fürsprecher haben.

Der Mix ist typisch James Lee Burke: Politiker, Mafiosi, durchgeknallte (attraktive) Frauen und Bösewichte, die sich an Angst und Leid von Schwachen aufgeilen. Und dann kommt immer ein noch irrer Killer um die Ecke und säubert diese Landschaft. In „Mein Name Ist Robicheaux“ ist das Cheester „Smily“ Wimple, ein geistig zurückgebliebener Putzman, der alle um die Ecke bringt die es verdient haben (und ein paar, die es evtl. nicht ganz so sehr verdient haben).

Und durch diesen Kniff puzzeln sich dann auch alle Fälle an denen der Detektiv Robicheaux gerade arbeitet wieder zusammen.

Clever und sympatisch dieser Kniff! Und ein ehr trauriges, hoffnungsloses Buch.

Passt. Gaaanz viel Kopfkino!

Soundtrack dazu: James Lee Burke – The Wild Side Of Life, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.380

James Lee Burke - Flucht nach Mexiko (Pendragon Verlag, 2018)
James Lee Burke – Flucht nach Mexiko (Pendragon Verlag, 2018)

Gelesen: 03. – 11.04.2019, netto 470 Seiten

„Flucht nachMexiko“ ist der 14te Band der Dave Robicheaux Reihe und 2005 erschienen. Daher wirkt der Süden der US of A inzwischen etwas moderner, der abgeranzte Charme der kleinen Dörfer am Bayou ist aber immer noch da.

Genauso ist Dave, inzwischen mehrfacher Witwer, immer noch da und mal wieder bei der Polizei. Und mal wieder trocken. 

In der Geschichte geht es zum einen um die erste große Liebe seines Halbbruders (die in den 1950ern verschwunden ist) und um die Macht des alten Geldes bzw. die Korruption, die immer noch durch Louisiana wabert. Und es geht um Rache. Von Dave. Und noch besser: An Dave.

Worum es nicht geht ist für mich das eigentliche Problem: Das Alt werden. Dave dürfte inzwischen weit über 60 sein und damit passt die ganze „harter Knochen der immer mal wieder trinkt“ und „ich bin Polizist, ich schieße zuerst“ Nummer irgendwie nicht mehr so richtig.

Vielleicht ist das auch der Grund warum weite Teile des Buches in der Vergangenheit spielen und warum Dave quasi ohne Grund mittendrin eine Nonne heiratet.

Destilliert bleibt dennoch ein Krimi über, mit mehreren Geschichten die scheinbar auf eine Ende zulaufen – nur um es am Ende dann doch nicht zu tun. Das ist spannend und die Art und Weise wie James Lee Burke die Natur, die Menschen und das Leben beschreibt ist schon großartig.

Aber – irgendwie würde ich mir Wünschen das Dave altert und seine Geschichten sich verändern. So wie die Welt sich verändert hat.

Für Allesleser von James Lee Burke, als Einstieg in den Robicheaux Kosmos nicht die beste Wahl.

Soundtrack dazu: Toxin III – Arrested, was sonst?