Tag: Mark SaFranko

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    Bücher, schnell gelesen: 1.824

    Mark SaFranko – Dear Professor Romance (Pulp Master, 2026)

    Gelesen: 19. – 22.03.2026 (netto 232 Seiten)

    Übersetzt aus dem amerikanischen English von Sepp Leeb.

    Cool, wahrscheinlich der ruhigste Knaller den ich je gelesen habe. 3 Kerle, alle auf der Suche nach Liebe und alle irgendwie auf der falschen Bahn.

    Da ist Doug, er wohnt mit seiner dementen Mutter zusammen und hat seit Jahren schon keine Beziehung mehr. Sein Befriedigung holt er sich bei Escorts. Und er betreibt eine Website als “Professor Romance”, auf der einsame Männer bzw. Männer die nicht bei Frauen landen können Rat bekommen. Und er ihr Geld. Lohnt sich, er lebt wohlhabend in LA.

    Lance ist Autor und damit so gar nicht erfolgreich. Seine Frau verdient die Kohle. Er lebt an der Ostküste und ist Lohnschreiber für Doug. Für Lance der Brot & Butter Job, für Doug der perfekte Subkontraktor, der die Stimmungslage der Hilfesuchenden trifft. Ja, Lance ist unzufrieden mit Gesamtsituation.

    Dazu gesellt sich Norman, ein im wahrsten Sinne zu kurz gekommener junger Angestellter in einem Biotech Unternehmen. Er noch nie eine Freundin gehabt. Und ist wild entschlossen die wunderbare Cynthia Collingsworth aus der Finanzbuchhaltung zu erobern. Mehr als zufällig mit ihr zur gleichen Zeit in der Kantine zu sein ist aber nicht drin. Er wird einfach übersehen. Und ist wild entschlossen das zu ändern.

    Mark SaFranko nimmt diese 3 Luschen mit in eine Achterbahn, die aber mehr “Wilde Maus” als “Todeslooping” ist. Ganz langsam bringt er die Figuren sich näher, ganz langsam verflechten sich die Geschichten und ganz langsam bekommt der Leser ihre Naivität in Liebesdingen präsentiert.

    Doug verknallt sich in Sascha, ein exklusives Escort. Und wird hammerhart enttäuscht (auf äußerst lustige & listige Weise). Lance verknallt sich in eine MILF (Mutter eines Mitschülers seines Sohnes) und fängt eine Affäre an. Die seine Ehe ruiniert.

    Norman geht all-in basierend auf den Vorschlägen von Professor Romance, denen er sklavisch folgt und für die er ordentlich ablatzt. Er ist eine Mann, Cynthia muss in erhören!

    Am Ende haben alle drei Glück, aber ganz anders als der Leser erwarten würde. Lance bleibt Lohnschreiber aber rettet seine Ehe. Doug verliert seine Mutter aber verfällt nicht der Escort-Lady. Norman verliert seinen Job aber wird nicht von der Polizei geschnappt.

    Alle bleiben Unglücklich. Und einer ist Tod.

    Großartige Story, perfekt lakonisch erzählt und en passant die ganze moderne Liebesberatung für offensichtlich beziehungsunfähige Männer entlarvt.

    Ja, Pulp funktioniert auch ganz ohne Blut & Gewalt. Und zu meiner Überraschung fehlt es mir hier auch nicht.

    Soundtrack dazu: Pistol Grip – No Romance, was sonst?

    PS: Nur echt mit Buch Jingle!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.672

    Bücher, schnell gelesen: 1.672

    Mark SaFranko – AmeriGone (Pulp Master, 2023)

    Gelesen: 05. – 07.12.2023 (netto 262 Seiten plus 10 Seiten Nachwort von Michael Grimm).

    Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb.

    Die Amerikaner sind ja so stolz auf ihre freie Wirtschaft, so stolz auf ihren Business Erfolg. Ihre Techindustrie. Ihre Product Management.

    Auftritt Parker Saturn, Product Manager von Trusonics Inc., der in einem Hotel in NYC auf einen Kollegen von der Westküste wartet, mit dem er ein wichtiges Business Meeting machen soll. Wichtig.

    Der Kollege mit dem Namen Iwan Rubelski entpuppt sich als vom Amerikanischen Traum beseelter Irrer, der den Raubtierkapitalismus in den US of A wörtlich nimmt. Und so muss zuerst ein Etagenkellner dran glauben, der das Frühstück serviert.

    Und Parker wird sowas wie eine Geisel bzw. ein vom Stockholm-Syndrom durchsetzter Sidekick eines “…ausser Kontrolle geratenen Gulag-Golem“. Und während sich Rubelski von Ost nach West durch die US of A schlachtet erklärt er, ganz Wirtschaftsphilosoph, seine Lebens- und Todesphilosophie. Keine Emphatie. Keine Solidarität. Nur der persönliche Gewinn, auch auf Kosten des Lebens anderer.

    Mark SaFranko sieht das jedenfalls mit klugem Blick:

    Da wir ja alle zumindest in gewisser Weise auch Opfer sind, müssen wir lernen, mit unserem Dasein als Prostitutierte in Einklang zu kommen.
    

    Auch wenn der erste Gedanke “Brett Easton Ellis” war ist dieses Buch eine ganze Ecke klüger. Denn zur Philosophie von Rubelski gehört das es einfach keinen Grund gibt.

    Und so kommt es in Hollywood zum Showdown, eine bekannte Schauspielerin und ihre Tochter sind die Opfer … und Parker wird auch zum Killer. Und seine Synapsen knallen durch. Wie es sich gehört.

    Klasse Buch, schön Böse und der Leser auf dem Beifahrersitz.

    Perfekt.

    Soundtrack dazu: Barbie Army – Ivan, was sonst?

    PS: Und Mark SaFranko so?