Bücher, schnell gelesen: Teil 1.567

James Sallis – Sarah Jane (Liebeskind, 2021)

Gelesen: 05. – 08.01.2022, netto 209 Seiten

Ein Thriller der kein Krimi ist, muss ein Autor auch erstmal hinbekommen. James Sallis ist eigentlich “berühmt” für sein Buch Drive, das mit Ryan Gosling überaus erfolgreich verfilmt wurde. Auch irgendwie kein Krimi, aber überaus spannend.

Dito Sarah Jane, ein kleines aber feines Buch in dem wir Sarah Jane Pullmann, ex-Marine, für kurze Zeit durch ihr Leben begleiten.

Sarah Jane hat eine ganz einfache Philosophie: “Wir leben in Schneekugeln. Nimm sie in die Hand, schüttle sie kräftig, die Jahre wirbeln um einen herum und beruhigen sich dann.“ Was sie aber nicht kontrollieren kann ist, wer die Schneekugel schüttelt.

Und deswegen lebt sie am liebsten Anonym, irgendwo draußen auf dem Land und irgendwie am Rande der Gesellschaft. Job? Egal, sie kann fast alles und als Köchin kommt Frau immer unter.

Landen tut Sie aber in Farr und dort wird sie Polizistin. Und als der Sheriff verschwindet wird Sie sein Nachfolger. Und dann holt sie etwas ein, wo sie ganz energisch an der Schneekugel geschüttelt und eine Leiche im Badezimmer hinterlassen hat. Macht nichts, sie schüttelt nochmal und es gibt eine weitere Leiche.

Und Kollegen, die 1 und 1 zusammenzählen können. Aber keine Beweise haben.

Sehr spannend und vor allem immer wieder mit fast schon tiefgreifenden Rückblicken, die erklären warum Sarah Jane nach rechts oder links abgebogen ist… ohne dabei alles zu verraten oder zu erklären. Wir sehen eben nicht immer alles von den Menschen die uns gegenüberstehen.

Ein Road Movie ohne viel Road, ein Krimi ohne Festnahme und ein Thriller über das Leben am Rande des Fokus in den US of A. Und immer spannend und vorwärts. Klasse.

Da werd ich wohl ein paar Bücher nachholen müssen.

Soundtrack dazu: Pagans – Her Name Was Jane, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.529

David Peace – Tokio Neue Stadt (Liebeskind, 2021)

Gelesen: 06. – 14.06.2021, netto 422 Seiten

Der dritte (und letzte) Teil der Tokio Trilogie von David Peace und ein unfassbar dichter Abschluss seiner Sicht auf Tokio nach dem Ende des zweiten Weltkriegs.

2009 erschien “Tokio im Jahr Null“, 2010 kam “Tokio Besetzte Stadt” und nach mehr als 10 Jahren kommt jetzt “Tokio Neue Stadt“. Wie alle Bücher von David Peace durchaus schwere Kost.

Das ganze ist wieder mehr als ein Krimi, es ist ein quasi archäologischer Blick auf eines der (zumindest in Japan) großen Mysterien der Japanischen Eisenbahn.

Der Shimoyama Incident von 1949 ist historisch tatsächlich spannend: Der Präsident der Japanischen Eisenbahn (Japanese National Railways) muss am 04.07.1949 30.000 Eisenbahner entlassen (als Teil der von den amerikanischen Besatzern/Befreiern – take your viewpoint – vorgegebenen Restrukturierung der japanischen Wirtschaft) und am 05.07. liegt er zerfetzt auf einem Eisenbahngleis. Lokomotive D51 651 hat in zerlegt.

Ob es jetzt Selbstmord, Mord oder eine Verschwörung war … damit beschäftigen sich gleich 3 Leute: 1949 gerät Harry Sweeney als Ermittler der Besatzungspolizei zwischen die Fronten des amerikanischen Oberkommandos und der japanischen Polizei. 1964 stolpert ein versoffener Privatdetektiv Murota Hideki in den Wahn eines japanischen True-Crime-Schriftstellers, der über dem Shimoyama Incicent den Verstand verloren hat. Und 1988 wird der damalige CIA-Resident Donald Reichenbach mit seiner Schuld konfrontiert.

Muss man mögen, wie alle Bücher von David Peace. Aber wer sich traut kann seine Fantasie ziemlich befeuern. Bin sehr gespannt welchem Thema er sich in Zukunft annimmt.

Großes Kino, unverfilmbar!

Soundtrack dazu:

PS: Was sagt David Peace?

https://www.youtube.com/watch?v=Dbmsrz5A1_g

PPS: History, repeats itself!

https://www.youtube.com/watch?v=7BxjR2jnYt8

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.036

David Peace - GB84 (Liebeskind, 2014)
David Peace – GB84 (Liebeskind, 2014)

Gelesen: 02. – 14.03.2014, netto 527 Seiten.

Wie jedes Buch von David Peace ein sperriger und atemloser Brocken – und ohne ein wenig know-how über die Geschichte des Bergarbeiterstreiks in England 1984-1985 ist das ganze wohl auch nur ganz knapp zu verstehen. David Peace setzt viel voraus bei seinen Lesern und mutet ihnen viel zu.

Aber dafür gibt es eine großartige Inzenierung: Quasi echte Berichte von Streikenden und Streikbrechern begleiten Davids Version der Wahrheit: Eine Gewerkschaft die zerrissen ist und von einem Präsidenten geführt wird der seinen Willen durchsetzen will und eine Regierung, die vor nichts zurückschreckt um die Gewerkschaft in die Knie zu zwingen. Das alles mit Sex, Crime und Veruntreuung garniert – perfekt!

Am Ende gewinnt natürlich die Eiserne Lady und es gibt mehr als eine Leiche. Cool.

Soundtrack dazu: Newton Neurotics, was sonst?