Bücher, schnell gelesen: Teil 1.532

Martin Michaud – Aus Dem Schatten Der Vergangenheit (Hoffmann und Campe, 2020)

Gelesen: 26.06. – 11.07.2021, netto 622 Seiten

Ein weitere Entdeckung aus Kanada, diesmal aus dem französischen Teil, aus Montreal. Ein ziemlicher Brocken, bereits 2012 in Kanada erschienen und erst jetzt von Hoffmann und Campe aufgegriffen (zumindest 3 Bände kommen jetzt in kurzer Folge auf Deutsch, wenn ich das richtig sehe).

Lustig ist, das zuerst die ganzen französischen Namen, Straßennamen und Bezeichnungen arg irritieren, aber für mich ist das tatsächlich eine Sprache die ich “0” verstehe. Aber sobald ich darüber hinwegkam habe ich mich der Geschichte ergeben, die sowohl Tiefe als auch Breite hat.

Sergent-Détective Victor Lessard von der Mordkommission bekommt erst einen und dann noch einen Mord. Als dann ein Obdachloser Selbstmord begeht und eine Verbindung zu den anderen Morden zufällig aufscheint … da geht das ganze in die Breite. Und zwar bis zu “JFK” und “MK-Ultra“. CIA. 60er. 70er.

Der Spannungsbogen ist groß und zum Glück versteckt Martin Michaud seine Figuren nicht dahinter: Sehr feinfühlig werden sowohl Lessard als auch seine Kollegen beschrieben, sehr genau beobachtet er die Menschen und ihre Interaktionen.

Dazu realistische Polizeiarbeit, wo auch schon einmal was schief geht. Und wo das Privatleben durchaus den Tag bestimmen kann. Das ganze sehr stimmig in Szene gesetzt und spannend. Nicht umsonst wurden die Bücher als Grundlage einer TV Serie benutzt (2016 bis 2019 in Kanada produziert).

Guter Stoff, offensichtlich sowas wie ein kanadischer Bosch …

Ich werde definitiv die anderen Bücher auch lesen, Geschichten mit Tiefe und Breite haben definitiv einen Bonus!

Soundtrack dazu: Banlieue Rouge – Que tombent les masques, was sonst?

PS: Martin Michaud … den kann ich nicht verstehen:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.254

Uwe Kopf - Die Elf Gehirne der Seidenspinnerraupe (Hoffmann und Campe, 2017)
Uwe Kopf – Die Elf Gehirne der Seidenspinnerraupe (Hoffmann und Campe, 2017)

Gelesen: 23.- 24.07.2017, netto 311 Seiten.

Ein komisches Buch zum lesen – ich kannte den Autor um ein paar Ecken, ich habe in den 80ern mal zwei Artikel in Zeitschriften wo er gearbeitet hat veröffentlicht und er kannte den einen oder anderen meiner Freunde. Und ist Anfang des Jahres nach kurzer Krankheit gestorben. Die Veröffentlichung seines ersten Romanes hat er also nicht mehr mitbekommen.

Es geht um Hamburg und das Aufwachsen am harten Rand (Berne!) der Stadt. Und Familie. Und das Leben in Hamburg mit all seinen Facetten. Und die nähe von zwei Brüdern, von denen einer Selbstmord begehen wird. Dieser Teil und wohl auch der Rest sind autobiografisch. Und voller Detailkenntnis. Unter anderem auch über die Hölle, in der ich einen Großteil meiner Jugend verbracht habe:

Uwe Kopf ( (c) 2017 Hoffmann und Campe)
Uwe Kopf ( (c) 2017 Hoffmann und Campe)

Uwe Kopf ( (c) 2017 Hoffmann und Campe)
Uwe Kopf ( (c) 2017 Hoffmann und Campe)

Uwe Kopf schreibt in kurzen, knappen und lakonischen Sätzen und beschreibt dabei viele Dinge die ich auch in meiner Jugend so wahrgenommen habe. Und er belehrt nicht, selbst in harten Momenten.

Ein tolles Buch, kein Krimi, kein Spaß. Einfach eine ehrliche Zeitreise und wohl ein echtes Vermächtnis (für ihn und seinen Bruder). Passt.

Soundtrack dazu: Emils, was sonst?