Tag: Doug Johnstone

  • Bücher, schnell gelesen: 1.813

    Bücher, schnell gelesen: 1.813

    Doug Johnstone – Schwarze Herzen (Polar Verlag, 2025)

    Gelesen: 01. – 04.02.2026 (netto 323 Seiten)

    Aus dem schottischen Englisch von Jürgen Bürger.

    Eigentlich sollte die Skelf-Reihe von Doug Johnstone nur eine Trilogy bleiben. Zum Glück aber hat sich der Autor entschlossen die Reihe fortzuführen. Zu gut ist das Setting aus “Bestatterinen & Detektivinen” und zu cool stromern die 3 Generationen von weiblichen Skelfs durch Edinburgh.

    Jeder trauert anders. Fragt mal Jenny Skelf! In Einbalsamiert hat sie ihren gewalttätigen ex-Ehemann angezündet und aufs Meer hinaustreiben lassen. Und, ganz starke Frau, das ganze schnell hinter sich gelassen.

    Und nun?

    ( (c) 2025 Polar Verlag)

    Jenny ist definitiv durch den Wind, dito Danny, der durch die Skelfs seine Mutter beerdigen ließ und nicht glaubt das sein Vater tot ist. Und die Skelfs bittet das ganze zu untersuchen.

    Ebenso durch den Wind ist Udo, ein japanischer Gentlemen, der durch den Geist seiner Frau gequält wird. Die wurde durch die Skelfs beerdigt und ihr Geist verprügelt den alten Mann jede Nacht.

    Und Hannah, die hat eine durchgeknallte Stalkerin an den Backen. Deren Art zu trauern sehr anhänglich ist. Zu anhänglich.

    Und Jenny bekommt es mit der Familie ihres nunmehr toten ex-Gatten zu tun und der Polizei, denn die verkohlte Leiche ist aufgetaucht und … ist es Mord gewesen?

    Irgendwie braut sich da was zusammen, irgendwie wird es immer fieser und irgendwie bekommen die Skelfs das ganze nicht in den Griff.

    Quasi Atemlos hetzt die Story die Skelfs durch die Stadt. Als Gegenpol gibt es aber dazwischen ganz wunderbare Momente von Zerbrechen und Wiederaufbauen.

    Es ist ein Roman über Schmerz, Trauma und Trauer, aber auch wenn das düster und deprimierend klingt, trust me, das ist es nicht – er ist an einigen Stellen bitterböse komisch und zugleich still lebensbejahend.

    Den der Tod, der gehört dazu. Schon immer. Und er bleibt immer der Anfang.

    Großartig, ctd!

    Soundtrack dazu: Generation X – Too Personal, was sonst?

    PS: Perfekter book trailer!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.752

    Bücher, schnell gelesen: 1.752

    Doug Johnstone – Einbalsamiert (Polar Verlag, 2024)

    Gelesen: 06. – 13.01.2025 (netto 382 SSeiten)

    Aus dem Englischen von Jürgen Bürger.

    Nach Eingefroren kommt Einbalsamiert. Im Englischen Original klingt es irgendwie cooler (und am Ende auch passender): Auf The Big Chill folgt The Great Silence (und das ist ein direkter Bezug auf das Fermi Paradox, hier wunderbar passend weil Hannah Skelf nach erfolgreichem Studium auf dem Weg ist, eine Doktorandenstelle am Institut für Astrophysik anzutreten).

    Das sorgfältige Nachwort von Sonja Hartel erklärt warum das so gut passt, siehe weiter unten.

    Auch dieses Buch schließt mehr oder weniger nahtlos an den Vorgänger an, die Skelf Frauen machen einfach immer weiter, egal wieviele Tote es gibt, wie viele Leichen sie beerdigen dürfen oder wieviel Chaos Männer in ihr Leben bringen.

    Beerdigungsinstitut, Schlagzeugschule und Privatdetektei – alles unter einem Dach, alles über 3 Generationen verteilt. Und dieses coole Setting wird einfach nicht langweilig.

    Einbalsamiert ist in diesem Buch ein herrenloser (oder frauenlos?) Fuß. Angeschleppt von dem Hund der Skelf. Der diesen einen entlaufenen Panther geklaut hat. Bingo, der erste Fall.

    Und dazu kommt noch viel mehr Chaos, inklusive Ausserirdischer (SETI anyone?) und der Rückkehr von Craig, der seine Tochter entführt und …

    … wird nicht verraten.

    Die Botschaft aller 3 bisherigen Skelf-Bücher kommt am Ende, im entscheidenden Showdown zwischen Craig und Jenny: Mach dich nicht über das gewöhnliche Leben lustig. Sei nicht zu schlau, nicht zu zynisch oder zu distanziert. Die kleinen Irritationen des Lebens werden uns immer begleiten.

    Und gerade aus diesen zufälligen Rhythmen, die wir finden, während wir unseren Weg gehen, können wir lernen, was es bedeutet, vollständig am Leben zu sein.

    Hannah Skelf mit ihrer Nerdigkeit, Jenny Skelf mit ihrem Bedürfnis zu heilen und Dorothy Skelf, die über siebzigjährige Matriarchin und Indie-Schlagzeugerin, sind auf ihre eigene Weise gefangen und frei.

    Eine ungewöhnliche, inspirierende, lustige und mitunter grausam schöne Trilogie triggert den Leser eigene Antwort zu erarbeiten. Im Leben. Immer.

    Aus dem Nachwort von Sonja Hartel ( (c) Polar Verlag 2024)

    Was ‘ne coole Reihe! Was für starke Frauen!

    Soundtrack dazu: Victim – The Silence, was sonst?

    PS: Das deutsche Cover ist stimmig in er Reihe des Polar Verlages, das Original gefällt mir mal wieder besser.

  • Bücher, schnell gelesen: 1.679

    Bücher, schnell gelesen: 1.679

    Doug Johnstone – Eingefroren (Polar Verlag, 2023)

    Gelesen: 07.01. – 08.01.2024 (netto 378 Seiten)

    Aus dem Englischen von Jürgen Bürger.

    Ein mehr als würdiger Nachfolger für Eingeäschert, die Geschichte um die Frauen der Familie Skelf wird nahtlos weitergeführt.

    Am Ende von Eingeäschert hatten Dorothy, Jenny und Hannah jede Menge Ballast – vor allem hinterlassen von und durch Jennys ex-Gatten Craig. Der sitzt in Untersuchungshaft und sein zukünftiger Prozess wirft dunkle Schatten.

    Das Intro zum Buch ist wieder ein ganze feiner Kniff von Doug Johnstone: Die Skelf-Ladies sind ja nicht nur Privatdetektive sondern auch Bestatter und in eine beschauliche Bestattung donnert ein Auto. Verfolgt von einem Polizeiauto. Und landet im Grab, dito der Fahrer. Ein unbekannter Obdachloser killt sich in seiner geklauten rollenden Wohnung. Und hinterlässt einen Einäugigen Hund.

    Und bei Dorothy den Wunsch dem obdach- und namenlosen Jungen ein ordentliches Begräbnis zu verschaffen. Aber dazu müssen sie erstmal einen Namen haben. Und die Suche nach dem Namen (und der Vergangenheit) des Jungen ist er rote Faden im Buch.

    Aber das ist nur das Hintergrundrauschen, vorne haben die drei ganz andere Fälle zu lösen: Dorothy versucht herauszufinden, warum eine ihre Schlagzeugschülerinnen von zuhause abgehauen ist. Jenny versucht zu Ergründen was Craig im Schilde führt (und ob Liam ihre neue Liebe ist). Hannah sucht nach den Gründen, warum eine Professor ihrer Uni sich umgebracht hat (und zwar nachdem er mit ihr über Schrödingers Katze und Quantenunsterblichkeit diskutiert hat).

    Aus kleinen Detektivgeschichten werden große Geschichten, die Doug Johnstone dann am Ende fast schon banal auflöst. Aber das Banale ist fies, bös und gemein. Und das Beschäftigen mit dem Banalen zeigt auch, wie fragil die Band innerhalb der Familie sind, wie Fragil Beziehungen mit einer der Skelf-Frauen sein können.

    Und so zieht es das Buch zum Ende ziemlich heftig nach unten, vor allem auch weil Craig voller Rachephantasien aus dem Knast entkommen ist und Hannah ihm nur einen Finger (und nicht das Leben) genommen hat.

    Cliffhänger. Perfekt, den die Skelf-Serie soll eine Trilogie werden.

    Und der Tote? Hat einen Namen (James Dundas), kommst aus reichem Haus und wurde von seinem Vater (Offizier) verstoßen weil er schwul ist. Das hat ihn so umgehauen, das er Alkohol und Heroin brauchte um sich zu betäuben.

    Und wird würdevoll beerdigt.

    Ein Buch voller starker Frauen, schwarzem Humor und voller existentieller Fragen. Und dem Universum und überhaupt.

    ( (c) Polar Verlag 2023)

    Wird das dritte Buch dann Erlösung für die Skelf Frauen bringen? Doug Johnstone strebt in seinen Büchern nach meinem Gefühl ehr nicht so nach einem einfachen Happy End, daher würde ich nicht darauf wetten. Zumal seine Bücher zeigen, dass Handlungen immer Konsequenzen haben…

    Soundtrack dazu: W.O.R.M. – He Came Across The Universe, was sonst?

    PS: Der Originaltitel ist The Big Chill und passt deutlich besser zur Geschichte (siehe Referenz oben). Der Deutsche Titel und Umschlag passt dagegen besser in die Polar Serie (“Eingeäschert”, “Eingefroren”, … – das dritte Buch ist noch nicht einmal geschrieben). Puh, schwere Entscheidung…

    PPS: Und Doug Johnstone so? Cooler Typ, ctd.