Bücher, schnell gelesen: Teil 1.389

Chan Ho-Kei - Das Auge von Hongkong (Atrium Verlag, 2018)
Chan Ho-Kei – Das Auge von Hongkong (Atrium Verlag, 2018)

Gelesen: 27. – 30.05.2019, netto 555 Seiten

Was für ein Buch! Vordergründig ein typischer Sherlock Holmes Krimi mit einem allwissenden Ermittler. Aber das ist nur Fassade. 

Dahinter lauert eine großartiges Epos das die Geschichte von Hongkong von 1967 bis 2013 nachzeichnet. Und das Rückwärts. Und das ist ein großartiger Kniff, sowas hab ich so noch nicht erlebt: Rückwärtslaufende Cliff-Hänger!

Sherlock ist hier Superindentent Kwan und Watson ist sein Schüler Sonny. Und sie machen sich über 6 großartige Fälle her:

2013 – Die Wahrheit zwischen Schwarz und Weiß
2003 – Gefangenenehre
1997 – Langer Tag
1989 – Die Waage der Themis
1977 – Geborgter Ort
1967 – Geborgte Zeit

Was von außen ehr langweilig klingt ist in der Detailtiefe einfach nur großartig: Eine perfekte Geschichte der Stadt, der Veränderungen (von der britischen Kolonie zur Wirtschaftszentrale Chinas) und der Menschen (Polizisten, Verbrecher und der Rest). Es hilft allerdings wenn der Leser sich vorher ein wenig einließt in diese Geschichte.

Wow, das ist ganz großes Kino!

Soundtrack dazu: Hongkong Garden, was sonst?

Und dann noch ein paar passende Videos:

1967…

1977…

1989…

1997…

 

2003…

2013…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.370

Mark Billingham - Die Schande der Lebenden (Atrium Verlag, 2017)
Mark Billingham – Die Schande der Lebenden (Atrium Verlag, 2017)

Gelesen: 27.01 – 07.02.2019, netto 448 Seiten

Ich habe mich lange nicht mehr so durch ein Buch gequält. Zwischendurch hätte ich fast aufgegeben, dann aber linste ein wenig „Crime“ durch die Psychogeschichte.

Das Setting ist einfach: Ein Therapeut und 5 Süchtige. Jeden Montag Therapiestunde. Und irgendwann wird eine Süchtige ermordet. Zuhause.

Die kluge Polizistin, die zuhause auch mit einer süchtigen Frau gestraft ist, erkennt sofort das die Lösung des Falles in der Gruppe liegt.

Die Lösung des Falles ist am Ende überraschend clever gemacht, der Weg dahin aber mit vielen Vor- und Zurückblenden versehen die vielleicht im Film wirken aber im Buch ehr anstrengend sind, vor allem wenn es Pyschospiele zwischen den Personen sind.

Wer auf der Suche nach Crime, Gore, Gewalt und Sex ist findet hier nur Krümmel. Wer ausgiebige Psychoanalysen mag wird fündig.

Soundtrack dazu: Psycho’s – Young, British and White, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.319

Hideo Yokoyama - 64 (Atrium Verlag, 2018)
Hideo Yokoyama – 64 (Atrium Verlag, 2018)

Gelesen: 20.04. – 07.05.2018, netto 753 Seiten

Was für Brocken! Mal ab davon, das dieses Buch alleine wegen seiner Gestaltung ein „Mitnehmer“ ist – es ist auch noch eine kleine und extrem tiefe Geschichte aus dem japanischen Polizeiapparat.

Das ganze ist sicher nicht für Leute die Tempo brauchen. Zwischendurch ging auch mir die Kleinteiligkeit, die Detailriefe und das langsame Tempo durchaus auf den Sack. Aber wenn der Leser sich darauf einlässt und das Kopfkino anschaltet dann ist das eine Geschichte die – trotz der geringen Anzahl der handelnden Person und der geringen Streuung der Geschichte – ganz groß ist.

Und dann bekommt man nicht nur einen gut gemachten Krimi sondern einen ganz tiefen Einblick in die Gesellschaft, in die institutionalisierten Abhängigkeiten und in die ungebrochene Obrigkeitshörigkeit in Japan. Und die alte Weisheit das Gesicht waren vor Wahrheit kommt.

Tolles Buch das aber mit viel Mut gelesen werden muss.

Soundtrack dazu: Gasatsu – OK, was sonst?

PS: Ich bin ja sehr wählerisch bzw. empfindlich was Cover und Gestaltung angeht. Dem Atrium Verlag und den Gestaltern dieses Buch aber ein ehrliches Chapeau! Hier passt alles und es ist ein echter Hingucker von Brocken…

So sehen gut gestaltete Bücher aus!
So sehen gut gestaltete Bücher aus!