Bücher, schnell gelesen: Teil 1.423

Hideo Yokoyama - 2 (Atrium Verlag, 2019)
Hideo Yokoyama – 2 (Atrium Verlag, 2019)

Gelesen: 22. – 25.11.2019, netto 140 Seiten.

Mit „64“ hat Hideo Yokoyama ja einen 753 Seiten schweren Brocken vorgelegt, da kommt jetzt ein kleines Kurzgeschichtenbuch hinterher.

Wie in 64 geben beide Geschichten das innere des japanischen Polizeiapparates preis – vollkommen verstörende Strukturen und vollkommen verstörende Verhaltensweisen für einen westlich geprägten Leser.

Die beiden Geschichten sind kurze aber völlig wahnwitzige (manche schreiben kafkaesk) Geschichten:

Einmal über einen alten Polizeichef, der nach seiner Karriere einen gut bezahlten Wirtschaftsposten bekommen hat (die Art der Wirtschaft „danke“ zu sagen) und diesen nicht räumen will – und damit eine Versetzungsrochade zum erliegen bringt. Ein einsamer Verwaltungsbeamter muss das ganze retten und verheddert sich im Polizeikodex.

Zum anderen eine sehr kurze Skizze über Frauen in der Polizei und das aktive ignorieren  durch ihre männlichen Kollegen.

Nächstes Jahr kommt „50“ – der nächste Brocken, wieder aus dem Innenleben der Polizei in Japan. Cool.

PS: Die Buchgestaltung ist nicht nur 1A sondern Herausragend! Ich habe selten ein haptisch, wie optisch, wie auch vom Schriftbild her so liebevoll und toll gemachtes Buch in den Händen gehabt. 

Soundtrack dazu: Anger Flares – Search For Light, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.389

Chan Ho-Kei - Das Auge von Hongkong (Atrium Verlag, 2018)
Chan Ho-Kei – Das Auge von Hongkong (Atrium Verlag, 2018)

Gelesen: 27. – 30.05.2019, netto 555 Seiten

Was für ein Buch! Vordergründig ein typischer Sherlock Holmes Krimi mit einem allwissenden Ermittler. Aber das ist nur Fassade. 

Dahinter lauert eine großartiges Epos das die Geschichte von Hongkong von 1967 bis 2013 nachzeichnet. Und das Rückwärts. Und das ist ein großartiger Kniff, sowas hab ich so noch nicht erlebt: Rückwärtslaufende Cliff-Hänger!

Sherlock ist hier Superindentent Kwan und Watson ist sein Schüler Sonny. Und sie machen sich über 6 großartige Fälle her:

2013 – Die Wahrheit zwischen Schwarz und Weiß
2003 – Gefangenenehre
1997 – Langer Tag
1989 – Die Waage der Themis
1977 – Geborgter Ort
1967 – Geborgte Zeit

Was von außen ehr langweilig klingt ist in der Detailtiefe einfach nur großartig: Eine perfekte Geschichte der Stadt, der Veränderungen (von der britischen Kolonie zur Wirtschaftszentrale Chinas) und der Menschen (Polizisten, Verbrecher und der Rest). Es hilft allerdings wenn der Leser sich vorher ein wenig einließt in diese Geschichte.

Wow, das ist ganz großes Kino!

Soundtrack dazu: Hongkong Garden, was sonst?

Und dann noch ein paar passende Videos:

1967…

1977…

1989…

1997…

 

2003…

2013…

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.370

Mark Billingham - Die Schande der Lebenden (Atrium Verlag, 2017)
Mark Billingham – Die Schande der Lebenden (Atrium Verlag, 2017)

Gelesen: 27.01 – 07.02.2019, netto 448 Seiten

Ich habe mich lange nicht mehr so durch ein Buch gequält. Zwischendurch hätte ich fast aufgegeben, dann aber linste ein wenig „Crime“ durch die Psychogeschichte.

Das Setting ist einfach: Ein Therapeut und 5 Süchtige. Jeden Montag Therapiestunde. Und irgendwann wird eine Süchtige ermordet. Zuhause.

Die kluge Polizistin, die zuhause auch mit einer süchtigen Frau gestraft ist, erkennt sofort das die Lösung des Falles in der Gruppe liegt.

Die Lösung des Falles ist am Ende überraschend clever gemacht, der Weg dahin aber mit vielen Vor- und Zurückblenden versehen die vielleicht im Film wirken aber im Buch ehr anstrengend sind, vor allem wenn es Pyschospiele zwischen den Personen sind.

Wer auf der Suche nach Crime, Gore, Gewalt und Sex ist findet hier nur Krümmel. Wer ausgiebige Psychoanalysen mag wird fündig.

Soundtrack dazu: Psycho’s – Young, British and White, was sonst?