Bücher, schnell gelesen: Teil 1.463

Adrian McKinty – Alter Hund Neue Tricks (Suhrkamp Nova, 2020)

Gelesen: 26. – 28.07.2020, netto 358 Seiten

Endlich wieder ein Duffy Buch, das letzte Adrian McKinty Buch war ja eine grauenvolle Episode außerhalb des normalen McKinty Kosmos. Dieser Kosmos ist ja mehr Belfast, mehr Troubles als Amerika. Auch wenn in diesem Buch mit ganz feiner Feder eine amerikanische Geschichte eingewoben wird.

Und dieses Buch kommt um so besser daher, bereits auf der ersten Seite ist es nicht nur street smart sondern auch mit einer coolen Referenz, die bei mir ganz viele Dinge triggered:

(c) Suhrkamp Verlag Berlin 2020

Bang – alles da: Troubles, Musik, Sarkasmus. Wir sind inzwischen in 1992 und DI Sean Duffy, der katholische Bulle bei der eher protestantischen Polizei in Nordirland (Royal Ulster Constabulary), ist mit Freundin und Kind fest nach Schottland gezogen. Als Polizist sitzt er als Teilzeit Cop einen Schreibtischjob ab damit er 20 Dienstjahre voll bekommt und in Pension gehen kann.

Leider ist der einzige Detektiv der RUC in Carrickfergus zur Zeit in Sommerurlaub, also wird DI Duffy zu einem einfachen Fall beordert: Einem Kunstmaler wurde sein Jaguar geklaut, die Autodiebe haben den Maler erschossen. Carjacking. Case closed.

Nicht jedoch für Duffy, der riecht sofort das hier mehr dahintersteckt. Und geht diesem auch nach. Und legt sich mal wieder mit allen an. Mit der RUC. Mit der Garda Síochána in Irland. Mit der IRA in Irland. Mit der Special Branch. Und mit den lokalen Skinheads:

(c) Suhrkamp Verlag Berlin 2020

Adrian McKinty at it’s best. Jovial lustig, gewalttätig und mit der richtigen Musikreferenz. Das kann kaum einer besser als er. Glaubst du nicht? Dann noch eine Referenz – denk daran wir schreiben 1992 im Buch:

(c) Suhrkamp Verlag Berlin 2020

Ich musste sofort an Uli Rehberg (Unterm Durchschnitt) denken, der dieses Verhalten als Plattenfachverkäufer auch perfektioniert hatte.

Ja, dieses Buch ist das reinste Leservergnügen. Aber nicht nur wegen der Musikrefenzen sondern eben auch weil DI Sean Duffy einfach nur stur seine Arbeit macht – Morde gehören aufgeklärt. Und drauf geschissen wie vielen wichtigen Personen er dabei auf die Zehen treten muss. Und das kann Duffy wie kein anderer – sich mit Leuten anlegen. Sich verhauen lassen. Wieder aufstehen. Und nochmal.

Aus dem Mord werden zwei, aus der Spur wird eine IRA Geschichte. Und aus der IRA Geschichte wird eine CIA Geschichte. Und dabei schlägt McKinty einen genialen Bogen zu seinen ersten Büchern: Der lange verschollene Michael Forsythe taucht wieder auf. Supercool.

Am Ende landet Duffy ungewollt in der Weltpolitik und schaft es gerade noch so sich zu verpissen, denn wenn er dort Stress macht wird man ihn leise beseitigen. Ach ja, für den arroganten Arsch der Special Branch hinterlässt er auch noch einen potentiellen Cliffhänger der bösen Art.

Großartig. Lange nicht mehr ein Buch mit soviel Grinsen verschlungen. Ein Teil kommt noch, oder?

Eager. Very Eager!

Soundtrack dazu: The Boys – Kamikaze, was sonst?

PS: Das englische Original hat natürlich den besseren Titel (eine eigene Musikreferenz): Hang on St. Christoper. Warum? Weil es ein Titel von Tom Waits ist, mit dem folgenden Text:

Hang on St. Christopher with the hammer to the floor
Put a highball in the crank case, nail a crow to the door 
Get a bottle for the jockey gimme a two-ninety-four 
There's a seven-fifty Norton bustin' down January's door

Listen up youth:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.424

Adrian McKinty - The Chain (Knaur, 2019)
Adrian McKinty – The Chain (Knaur, 2019)

Gelesen: 25. – 29.11.2019, netto 338 Seiten.

We must never break the chain“ (Stevie Nicks, „The Chain“ Demo 1976)

So Kacke wie Fleetwood Mac (ist dieses Buch), so klasse wir Stevie Nicks in den frühen 70er (ist Adrian McKinty in seinen anderen Büchern).

Geht hier jemand den Weg eines Don Winslow und produziert Dutzendware für den amerikanischen Markt (wobei das Buch noch vor erscheinen als Drehbuch nach Hollywood verkauft wird)?

Von den ersten Sätzen an ist das nix, die Storyline klingt wie ein Film den ich schon gesehen habe und das ganze ist sowas von panne (ohne dabei Pfiff zu haben). Die Heldin Rachel Klein ist völlig unrealistisch und der Gegenpart ist vorhersehrbar … Psychowahn. Boah. Wasnscheiss.

Ich habe mich durchgequält ohne glücklich zu werden. Zum Glück kommen demnächst noch zwei Sean Duffy Bücher…

Finger weg!

Soundtrack dazu: Slaugher & The Dogs – You’re A Bore, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.399

Adrian McKinty - Cold Water (Suhrkamp Nova, 2019)
Adrian McKinty – Cold Water (Suhrkamp Nova, 2019)

Gelesen: 14. – 16.07.2019, netto 367 Seiten

Das 7te Buch in der großartigen Sean Duffy Serie und vorgeblich das letzte (wobei ich irgendwo gelesen habe das Adrian McKinty noch zwei Bände dranhängen will).

Sean Duffy hat keinen Bock mehr auf Belfast, die RUC und das tägliche Elend. Und da er jetzt sehr verliebt und mit einer Frau und einer Tochter gesegnet ist folgt er seiner liebsten nach Schottland.

Aber vorher hat er noch ein paar wenige Tage um ein verschwundenes Mädchen bzw. ihre Leiche zu finden. Und seinen Nachfolger einzuweisen. Und seinen Spitzel bei der IRA am Leben zu halten. Und und und …

Wie alle Duffy Bücher einfach ein Hau. Die Troubles und der in Nordirland ganz normal Wahnsinn hautnah, direkt und ohne Zuckerguss. Jeder, inklusive Duffy, hat Dreck am Stecken. Wer das nicht hat, sieht zu das er aus Belfast wegkommt.

Am Ende bleiben 3 Männer über, die Katrina McAtammney umgebracht und ihre Leiche im Atlantik entsorgt haben könnten. Und Duffy wäre nicht Duffy, wenn er nicht alle drei ohne Ansehen ihrer Funktion bis auf die Knochen sezieren würde. Am Ende bleiben jede Menge Überraschungen und die Erkenntnis das ihm die Gewalt nach Schottland folgt. Aber anders als er gedacht hat.

Einfach ein echtes page turner, mit ordentlich Gewalt, viel Realität und perfektem schwarzen Humor. 

Soundtrack dazu: Relfex Action – Spies, was sonst?

PS: Warum der englische Titel „The Detective Up Late“ in der Deutschen Fassung als „Cold Water“ daherkommt wird für mich ein Rätsel bleiben. Was soll sowas?