Schräger Vogel, das! In heutiger Zeit schwer zu lesen und mit wenig “Drive”, aber die Welt ist ja auch immer schneller geworden, und der Autor schrieb die Kurzgeschichten in diesem Buch in den 1930er Jahren für eine englische Tageszeitung.
Die Geschichten sind irgendwie so wie wir uns “spleenige Engländer” vorstellen und nicht wirklich Krimi oder “Suspense”. Was Chesterton allerdings wirklich gut kann, das sind Gedankensprüngen oder vermeindlich Zusammenhangloses – um diese dann am Ende echt gelungen zusammenzuführen.
Kann ich lese, aber nicht zu oft…
Soundtrack dazu: The Members – was sonst?
PS: Book Collectors are pretentious assholes – #0893 der nummerierten Erstausgabe!
Marcus Hernig – Eine Himmelsreise (Die Andere Bibliothek, 2012)
Gelesen: 24.12.2012 – 03.01.2013 (Zeit nicht genommen), netto 393 Seiten.
Reiseführer? Kochbuch? Kulturhistorische Anthologie? Ich hab keine Ahnung was dieses Buch letztendlich ist, aber es ist ein großartiger Schmöker!
Ein deutscher, der schon lange in China lebt, erklärt uns mal so eben im vorbeigehen warum in China das Essen das wichtigste war, ist aber nicht bleiben wird. Das ganze verpackt als kundiger Streifzug durch das China von heute (incl. Taiwan) und garniert mit den besten Rezepten zum Nachkochen. Manche einfach, andere krude. Aber so ist das mit dem Essen in China.
Aber, nicht ganz unerwartet, hat der lange Marsch von China in die Spitze der Weltwirtschaft nicht nur eine Aussenwirkung sondern auch eine ziemlich deutliche Auswirkung auf die Essgewohnheiten der Massen – und hier bringt Marcus Hernig dann auch elegant Kritik und andere Hinweise unter. Schönes Buch, elegant gestaltet und für jeden der Essen und Historie liebt und neugierig ist eine gute Option!
Soundtrack dazu: Gum Bleed, was sonst?
PS: Book Collectors are pretentious assholes – #1214 der nummerierten Erstausgabe!
Friedrich Sieburg – Die Lust am Untergang (Die Andere Bibliothek, 2010)
Gelesen: 30.08. – 02.09.2012 (Zeit nicht genommen), netto 408 Seiten
Das ist schräg und ehr ungewöhnlich in meiner Sammlung. Aber ich mag durchaus, die Vergangenheit aus den Augen von damals zu sehen.
Ich nehm mal ein paar Zitate:
“…Sein Schaffen verstand sich vorrangig als Beitrag zur nationalen Identitätsstiftung. Es stellt den Versuch dar, mit literarischen Essays und kritischen Rezensionen eine geistige Nationalgeschichte zu entwerfen, Befindlichkeiten auszuloten und auf diese Weise Zeitkritik zu betreiben” ( (c) Wikipedia)
“In Wirklichkeit aber zappelt die Menschheit, soweit sie an der Zivilisation teilnimmt, im Netz des Absatzterrors, vor dem selbst die staatlichen Mächte sich zu beugen beginnen” ((c) Eichborn AG, 2010)
“Was unsere modernen Knigges mit so unnachahmlicher Anmut den ‘Benimm’ nennen, sind lauter Kindereien, sobald die höhere Spähre dessen, was ‘man’ trägt oder ‘man’ tut in Frage steht. Das Entscheidende ist vielmehr, dass den wenigen Menschen, die aus irgendeinem Grund das Bedürfnis fühlen, gute Manieren an den Tag zu legen oder sich höheren Genüssen hinzugeben, daraus kein Strick gedreht werde.” ((c) Eichborn AG, 2010)
Schwer zu lesen und immer mit dem Blick “ist von 1954” zu verstehen. Aber putzig, diesem einsamen Streiter zu folgen. Bestärkt mich darin, keine Lyrik oder das Feuilleton einer Tageszeitung zu lesen.
Soundtrack dazu: VA – Soundtrack zum Untergang, was sonst?
n.b.: Band 2.821 der nummerierten Erstausgabe. Book Collectors Are Pretentious Assholes!