Tag: Polar Verlag

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.494

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.494

    Valentine Imhof – Aus Lauter Zorn (Polar Verlag, 2020)

    Gelesen: 13. – 18.12.2020, netto 293 Seiten

    Das wohl beste Buch über Musik und Gewalt. Vieleicht sogar das beste Buch 2020 – in jedem Fall ein sehr beeindruckendes Buch. Von einer Frau. Von einer Französin. Cool.

    Mit einem beeindruckendem Rhythmus, welches andere Buch hatte je eine 4-seitige “Tattooliste” und eine 3-seite Playlist im Anhang?

    Was sagt Valentine dazu?

    Ihr Buch ist zugleich poetisch und hat einen ganz speziellen Rhythmus. Ist das der Sound der Gewalt?
    
    Es ist der Rhythmus der Welt. Ich habe immer schon laute, heftige Musik gehört, Rock und Punk. Das Tempo des Romans passt zu Alex‘ Flucht. Iggy Pops Song „Raw Power“ bringt diese letzten Zuckungen am stärksten zum Ausdruck: Rohheit gepaart mit Verletzlichkeit.
    
    (Quelle) 
    

    Und was ist das real? Die wohl beste Beschreibung eines Konzertes in einem Noir-Buch und die wohl beste Begründung warum es einen in eine Prügelpogo-Meute zeiht. Und das wohl beste Erwachen aus diesem Traum – reality hitting hard!

    ( (c) Valentine Imhof – Polar Verlag 2020)
    ( (c) Valentine Imhof – Polar Verlag 2020)

    Bei allen nordischen Göttern – da fühle ich mich zuhause!

    Alex, die coole Heldin, ist dabei eine Killerin. Warum? Nicht weil sie es kann, sondern weil sie glaubt es muss sein. Zwei Hinterwäldler haben sie vor Jahren im Süden der US of A entführt, tagelang vergewaltigt, verstümmelt und geschwängert. Das Kind: Abgetrieben. Die Hinterwäldler: Der Senior tot, mit abgeschnittenem Schwanz (an seinen Köter verfüttert), der Junior noch am Leben und in ihrem Kopf hinter ihr her.

    Musik hilft ihr über den Tag, Tattoos verdecken ihre Wunden. Und es gibt zwei Sorten Männer: Einmal die, die ihr helfen. Und die, von denen Sie glaubt das sie für Junior Arbeiten. Am Ende sind beide Sorten Männer tot und Alex findet Erlösung.

    Ein durch und durch großartiges Buch, voller stimmender Referenzen und mit gewaltig viel Drive: Laut Valtentine Imhof ist Alex “a hate machine with a heart of gold“, was für mich wie ein perfekter Song klingt.

    Kein anderes Buch hat mich 2020 so zum klingen gebracht!

    Kaufen! Lesen! Staunen!

    Soundtrack dazu: Les Thugs – Paranoia, was sonst?

    Und die Autorin?

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.488

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.488

    Mike Knowles – Tin Men (Polar Verlag, 2020)

    Gelesen: 12. – 16.11.2020, netto 320 Seiten

    Hach, ein weiteres tolles Buch im Polar Verlag und ein weiteres Buch das aus Kanada kommt. Ganz offensichtlich (und das wird im exzellenten Nachwort von Marcus Müntefering klar) kommen daher klasse Krimis. Da muss ich tiefer einsteigen!

    Nicht jeder Cop ist dreckig, aber die guten schon.

    Perfektes Leitwort für dieses Buch, das sowas wie eine Cop Studie ist. 3 Tin Men (also herzlose Wesen aus Der Zauberer von Oz) werden vorgestellt:

    Oz, der gewalttätige Cop der bisher immer davon gekommen ist. Woody, der drogensüchtige Cop (den eine Familientragödie in die Sucht getrieben hat) und Dennis, der fette Einzelgänger Cop mit der exzellenten Aufklärungsquote (der Angst davor hat das seine Sucht nach transsexuellen Prostituierten bekannt wird).

    Alle drei werden aus dem normalen Trott herausgerissen, da eine Kollegin ermordet wurde. Genauer: Ausgeweidet wurde. Noch genauer: Der hochschwangeren Kollegin wurde das lebende Baby herausgeschnitten.

    3 Cops, 3 Ansätze. 2 Teams (Dennis muss alleine ermitteln). Und noch mehr Tote. Udn Geheimnisse: Os ist nämlich der Vater des Kindes. Das ahnen die anderen beiden aber nicht.

    Am Ende gibt es einen toten Cop, eine Cop der wohl in den Knast wandert und einen Cop der den Fall löst. Interessiert nur keinen, da es ja wieder einen toten Cop gibt.

    Ein ganz großartiges Buch über Polizeiarbeit und Polizeirealität, gewalttätig lustig, verängstigend brutal und hochgradig ansteckend. Und ganz wunderbar lakonisch.

    Im Opus von Mike Knowles ein Solitär – mal sehen ob das so bleibt.

    Soundtrack dazu: Kremlin – No Hope For You, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.486

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.486

    Sam Hawken – Vermisst (Polar Verlag, 2020)

    Gelesen: 04. – 08.11.2020, netto 381 Seiten

    Es geht um grenzenlose Ausbeutung. Nicht mehr und nicht weniger.

    In Kojoten begleiten wir eine Migrantin vom Süden in den Norden, da wo illegale Migranten nicht nur das Rückgrat der Agrarwirtschaft sind sondern schlicht und einfach zum wirtschaftlichen System gehören, inklusive Rückschaffung.

    Und wer fies genug denken kann, der versteht das diese Rückschaffung in erster Linie dazu dient die Preise im Norden niedrig zu halten. Das Risiko auf die Migranten zu verlagern.

    Vorhang auf für Jack Searle, der als kleiner Bauunternehmer und Witwer versucht seine Töchter an der Grenze zu Mexiko durchzubringen. Der für seine Jobs immer mexikanische Tagelöhner nimmt, ihnen aber guten Lohn zahlt und sie ordentlich behandelt. Was seinem Tagelöhner passiert (Verhaftung, Strafe Ausweisung) passiert ihm nicht (er bekommt einen erhobenen Zeigefinger), obwohl der Illegale in seinem Truck hochgenommen wurde.

    Systemrelevant? Systemrelevant!

    Das Schicksal ereilt Jack südlich der Grenze, in Nuevo Laredo verschwindet seine Tochter als diese mit einer Verwandten auf ein Konzert geht. Und Jack vertraut sich der Polizei an, die in Nuevo Laredo nicht nur einen schlechten Ruf hat sondern von der Militärpolizei wg. Unfähigkeit und Korruption ersetzt wird (ist in 2011 tatsächlich so passiert – drei Jahre später, als Sam Hawken seinen Roman beendete, war die Polizei immer noch suspendiert und die Stadt ein „kriminelles Irrenhaus“).

    Für Jack und den nunmehr suspendierten Polizisten Gonzalo beginnt damit der Abstieg in die Finsternis. Stur hält Jack Kurs und will seine Tochter finden. Was er jedoch findet ist Elend, Korruption, Gewalt und … Tod.

    Und wieder passt das Bild: Das Risiko liegt bei denen aus dem Süden – nicht nur Gonzales stirbt, sondern auch Verwandte von Jack. Die aus dem Norden, die schaffen es geradeso über die Grenze zurück und kommen, trotz zweier bestialischer Morde an Bestien, ohne Anklage davon.

    Systemrelevant?

    Sam Hawken schreibt das ganze langsam, behäbig und sehr lakonisch. Das es schlussendlich in einer Gewaltorgie ala “Ein Man Sieht Rot” endet passt trotz aller Widersprüche zum Buch. Es ist eben keine Rambo-Buch – es ist eine ehr lakonische Erklärung warum die US of A als Konsument all diesen Elends nicht zur Rechenschaft gezogen wird.

    Eben weil es systemrelevant ist.

    Und was? Die Ausbeutung. Im Norden. Im Süden. Mit oder ohne Grenze. Oder Mauer.

    Klasse Buch!

    Soundtrack dazu: Mexican Cheerleader – Run And Tell Your Friends, was sonst?

    nb: Realities…