Bücher, schnell gelesen: Teil 1.371

Colin Dexter - Zuletzt gesehen in Kidlington (UT Metro, 2018)
Colin Dexter – Zuletzt gesehen in Kidlington (UT Metro, 2018)

Gelesen: 08. – 20.02.2019, netto 312 Seiten

Meine Lesegeschwindigkeit ist im Moment ehr so laaangsam, da passen die bedächtigen Romane von Colin Dexter ganz ausgezeichnet.

Inspector Morse ist eine ehr schräge Type, vor allem weil seine Ermittlungen ehr so aus dem Bauch heraus erfolgen und seine Schlüsse aus Ermittlungsergebnissen ehr nach dem Zufallsprinzip (oder nach der Anzahl der Pints in der Mittagspause) gezogen werden.

Er nennt das Intuition, seine Kollegen glauben das ehr mehr so einen an der Klatsche hat.

Ein alter Fall wird ihm zugeteilt, bei dem kurz vor der Aufklärung der ermittelnde Beamte in einem Autounfall verstorben ist. Also lose Enden und viele Befragungen mit Leuten, die schon einmal befragt wurden. Und im Grund wird der Fall so zweimal ermittelt – das ist schon mal ein lustiger Kniff.

Die bildhübsche Schülerin Valerie Taylor ist seit zwei Jahren verschwunden, ohne das es Hinweise gibt. Dann kommt ein Brief bei den Eltern an, der wohl von Valerie stammt. Und Morse nimmt die Spur wie ein Trüffelschwein mit verstopfter Nase auf … immer schön irrational und haarscharf an der Lösung vorbei.

Spannend gemacht und mit guten Cliff-Hängern. Auch die Charaktere sind schön gearbeitet, ein wunderbares Bild aus den 70er in England.

Soundtrack dazu: The Neurotics – The Mind of Valerie, was sonst?

PS: Das Buch hatte ich schon, die erste RoRoRo Fassung aus 1994 ist die in meiner Sammlung. Die Wiederauflage ist besser übersetzt und schöner gestaltet. Bei beiden passt aber die Übersetzung des Titel nicht wirklich, im Original ist das “Last seen wearing

Colin Dexter - ... wurde sie zuletzt gesehen (RoRoRo, 1994)
Colin Dexter – … wurde sie zuletzt gesehen (RoRoRo, 1994)

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.339

Xavier-Marie Bonnot (UT Metro, 2018)
Xavier-Marie Bonnot (UT Metro, 2018)

Gelesen: 27. – 31.08.2018, netto 378 Seiten.

Das Buch schließt an “Die Melodie der Geister” an und lässt sich ebenfalls mit dem Wort gemütlich auf den Punkt bringen. Zur Gemütlichkeit kommt hier aber noch eine ordentlicher Schuss Bösartigkeit und Geschichte – das macht das Ganze zu einem guten Mix.

Leider sind dem Helden Michel de Palma (aka der Baron) in seiner Plattensammlung Clash und Ramones verlorengegangen, jetzt müht er sich durch Klassik-Scheiben (und Bootlegs). Er müht sich auch um die Frauen (bzw. die Frauen bemühen sich um ihn – aber das alles tritt in den Hintergrund wenn die Camargue, ihre Geschichte und ihre Tierwelt geschildert werden.

Und wenn die 3 Dinge aufeinander treffen, das ganze mit Nazi-Fraternisierung und den lokalen Bossen (Politik und Gangster, wer kennt schon den Unterschied?) dosiert gemixt wird – dann kommt eine leidlich spannende und lehrreiche Geschichte dabei raus.

Nicht ganz so hard boiled wie ich es mag aber gutes Lesevergnügen.

Soundtrack dazu: Moms on Meth, was sonst?

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.324

James McClure - Artful Egg (UT Metro, 2018)
James McClure – Artful Egg (UT Metro, 2018)

Gelesen: 04. – 06.06.2018, netto 371 Seiten

Wow – das krönende Ende der Serie um Lieutenant Tromp Kramer und Bantu Sergeant Michael Zondi. Und was für eine großartige Geschichte, was für sensationelle Charakter.

Star des Buches ist Ramjut Pillay, indischer Postbote zweiter Klasse, ein einfacher und nachdenklicher Mensch. Und weil er so viel nachdenkt, sind seine Gedanken ihm oft im Weg. Ausweg findet er daher per Post (sic!), sein mühsam verdientes Geld steckt er in ganz wunderbare Weiterbildungen und entsprechende Zertifikate von ganz wunderlichen Instituten in Übersee.

Oder anders: Er fällt auf alles rein.

Diesmal fällt er nicht rein, sondern stolpert in einen hochpolitischen Mord an einer Apartheid Gegnerin. Und das Intro der Leiche ist mit das beste was ich je gelesen habe:

James McClure - Artful Egg ( (c) Unionsverlag, 2018)
James McClure – Artful Egg ( (c) Unionsverlag, 2018)

Pure Poesie! Kann das bitte jemand verfilmen? In slow-motion? 4K?

Die Tote ist Naomi Stride, eine in Zuid-Afrika verbotene Schriftstellerin von Weltruhm. Daher werden Tromps Bosse extrem nervös und stehen unter dem Druck der Weltpresse. Und mit einem großartigen Kniff macht McClure diesen Druck doppelt: Eine weitere Tote, diesmal die Ehefrau eines Sicherheitspolizisten im Ruhestand. Und dieser war bekannt dafür, das schwarze Gefangene bei ihm regelmäßig aus dem Fenster sprangen. Im 10. Stock. Des Sicherheitspolizei-HQ. Beim Verhör. Selbstmord ohne Spuren, allesamt.

Entsprechend nervös sind Tromp und sein Boss – hat der ex-Polizist seine ewig meckernde Alte ebenso spurlos umgebracht? Was wenn das rauskommt?

Und so entsteht ein Wettlauf, dem der Leser dank Ramjut Pillay immer ein Schritt voraus ist. Ramjut selbst kann wenig dazu beitragen, hat er sich doch mit seinen Schachzügen in die Klapse manövriert. Er bleibt aber der thorn in the side (und die Erinnerung das Apartheid nicht nur eine schwarzes Gesicht hatte).

Die Lösung am Ende ist spannend (aber nicht unvorhersehbar) und dieses Buch krönt die Serie sowas von. Lesen! Aber als letztes!

Mehr über James McClure hier!

Soundtrack dazu: National Wake – Black Punk Rockers, was sonst?