Bücher, schnell gelesen: Teil 1.467

James Anderson – Lullaby Road (Polar Verlag, 2020)

Gelesen: 15. – 19.08.2020, netto 357 Seiten

Nach Desert Moon das zweite Buch von James Anderson im Polar Verlag … mit noch mehr Desert Noir und mit noch mehr … Gewalt.

Der Inhalt ist neu aber die Geschichte im Prinzip nicht: Entlang der State Road 117 in Utah leben Menschen, die sich zurückgezogen haben. Die keinen Bock mehr auf die Welt haben. Und die auf Trucker Ben angewiesen sind, um die Dinge des Lebens vor die Haustür geliefert zu bekommen.

Aber das Leben bleibt gemein, die Welt ist böse. Und die Wüste ist einfach rücksichtslos und verzeiht nichts. Dein bisheriges Leben nicht. Und Fehler schon gar nicht. Aber Ben macht keine Fehler: Trotz Schnee, trotz Eis – trotz Waffen die auf ihn gerichtet werden … er macht das was eigentlich der US Postal Service machen sollte (aber nicht mehr macht), was UPS und Federal Express machen sollten (aber nicht mehr als lohnenswert erachten): Er bringt Dinge von A nach B.

Das ganze ist zwar schon eine Crime Story mit ein wenig Who-dun-it aber im Grunde ist es eine ganz wunderbare Geschichte über eine wunderbare Landschaft mit wunderlichen Menschen. Sagte ich schon wunderbare Landschaft?

James Anderson schaft mit dieser Landschaft eine ganz eigene Geschichte aufzuziehen, weder der verrückte Priester (der wegen seiner Sünden ein Kreuz durch die Wüste schleppt) noch der verstümmelte Arzt (der seine Schmerzen wegtrinkt) sind Fremdkörper – sie passen genauso wie das Böse (das diesmal Jagd auf Kinder macht) in die Landschaft.

Am Ende überlebt Ben nur knapp, hat aber seine Nachbarin und ihr Kind wieder. Und das der State Trooper überlebt hat (wenn auch ohne Ohr), das macht Lust und Laune auf den nächsten Band.

Ganz wunderbar, ganz erdig. Und ganz menschlich in großartiger Natur. Und ja, das Böse ist auch da.

Soundtrack dazu: Meat Puppets – Lost, was sonst?

Sing-a-along:

Lost on the freeway again
Lookin‘ for means to an end
Nobody knows which way it’s gonna bend
Lost on the freeway again

Walkin‘ the breezeways again
Lookin‘ for something my friend
I’ve grown tired of living Nixon’s mess
Walkin‘ the breezeways again

I know there’ll come a day
When you say that you don’t know me
I know there’ll come a time
When there’s nothing anybody owes me anymore

Locked in the attic again
Out of the shallow and into the deep end
I’ve got a wound I know will never mend
Locked in the attic again

I know there’ll come a day
When you say that you don’t know me
I know there’ll come a time
When there’s nothing anybody owes me anymore

PS: Oft mecker ich über das deutsche Cover – hier ist es um Längen besser: Passt perfekt in die Polar Serie und passt atmosphärisch wie Sandkorn in die Wüste.

James Anderson – Lullaby Road (Crow, 2018)

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.466

William Boyle – Eine Wahre Freunding (Polar Verlag, 2020)

Gelesen: 08. – 14.08.2020, netto 351 Seiten

William Boyle ist eine ziemlich guter Autor der seine Bücher mit einem coolen Kniff verbindet: Eine Nebenfigur aus dem letzten Buch wird eine zentrale Figur aus dem nächsten.

Amy aus Gravesend brilliert in Einsame Zeugin. Und Rena Ruggiero, am Ende von Einsame Zeugin um ihren Man „Gentle Vic“ (ein Mafiakiller) gebracht, brilliert in Eine Wahre Freudin.

Ich finde das sehr smart, vor allem weil es den Focus weniger auf einen Serien-Helden als viel mehr auf eine große Geschichte vor einem konistenten Hintergrund legt. Hintergrund ist immer noch NY, die Bronx und die Mafia. Aber mehr als Familie. Mehr auf die Familienmitglieder der Mafia Mitglieder. Und vor allem auf die Frauen.

Frauen sind bei ihm laute stille Helden. Frauen bei denen Talk – Action immer ein negatives Ergebnis ergibt. Hier ist Rena, die irgendwann einfach keine Bock mehr auf die Anmache ein 80-jährigen hat: Sie knallt ihm den Aschenbecher gegen den Kopf und glaubt danach das er Tod ist.

Also klaut sie seinen Impala und landet in einem Roadmovie voller toter Männer und kluger, lustiger und starker Frauen: Großmütter, Mütter, Töchter.

Und dazu packt William Boyle solche Weisheiten:

(c) Polar Verlag 2020

Das ganze hat tatsächlich was von Elmore Leonhard (nur moderner), das würde tatsächlich eine wunderbare Screwball Noir Geschichte als Film. Eigentlich sollten die Frauen schon lange tot sein, aber sie kommen immer wieder raus, davon – weiter. Als Freunde.

Am Ende bleibt die spannende Frage: Wird mit Dennis ein Man der Held im nächsten Buch? Ich bin gespannt, das ist große Literatur mit ausreichend Gewalt, Härte und Tod.

Soundtrack dazu: Avail – Monroe Park, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.450

Nicolas Zeimet – Rückkehr nach Duncan’s Creek (Polar Verlag, 2020)

Gelesen: 26. – 28.05.2020, netto 371 Seiten

Ein Franzose der einen sehr amerikanischen Noir-Roman schreibt. Überraschung. Und netterweise im kundigen Nachwort zum Roman erklärt.

Sam, Jake und Ben waren jung und echte Horror-Fans. Sie lebten am Arsch der Welt, in den Bergen von Utah. Mormonenland. Und gerade als sie sich für eine Halloween Fest als Figuren aus Freiatg der 13. verkleiden kommt der Horror über sie – mitten aus der Familie. Und der Tag endet mit einem Toten. Und dem Versprechen nie wieder darüber zu reden.

Ben bleibt in Duncan’s Creek, Jake geht nach SF um als Schriftsteller Erfolg zu haben (hat er nicht) und sein Comming Out durchzuziehen (hat er). Und Sam, an der der Großteil des Horrors hängenblieb, geht nach LA um mit Drogen (finanziert durch Prostitution) alles zu vergessen.

Sam stibt, ihr letzter Wunsch an Jake ist „Bring mich nach Hause“. Also kutschiert Jake die Urne nach Duncan’s Creek und redet dabei zum ersten mal über den Horror aus der Halloween Nacht.

Ein ungewöhnlicher Road Movie, der den brutalen und gewalttätigen Verlust der jugendlichen Unschuld zum Thema hat. Und klar macht, warum „nie wieder drüber sprechen“ wohl ehr der falsche Ratschlag ist.

Nicht das beste Buch im Polar Verlag aber wunderbar Dunkel und Böse.

Soundtrack dazu: The Last Gang – Murder Creek, was sonst?