Tag: Doug Johnstone

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.577

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.577

    Doug Johnstone – Eingeäschert (Polar Verlag, 2022)

    Gelesen: 25.03. – 05.04.2022 (netto 399 Seiten plus ein kleines Nachwort)

    Doug Johnstone hat es drauf. Sein Buch “Der Bruch” war mein #2 Hit in 2021, ich bin mir sicher dieses Buch schafft es auch in diverse Hitlisten – wahrscheinlich auch in meine. Aber was kommt nach einem perfektem Krimi?

    Es kommt ein Buch voller Toter, voller Gewalt … und mit 3 Generationen von Frauen als Helden. Und das beste: Nicht eine Leiche wirkt aufgesetzt, unstimmig … fehl am Platz. Und der Kniff von Doug Johnstone um das zu erreich ist absolut großartig und bietet dazu endlos Platz für schwarzen Humor (nicht umsonst heißt das Original A Dark Matter).

    Sagt Hallo zu Dorothy Skelf, neuerdings Witwe. Hobby: Leichen ausgraben. Sagt Hallo zu Jenny Skelf, neuerdings Mietprellerin. Hobby: Privatdetektiv. Sagt Hallo zu Hannah Skelf, neuerdings Ermittlerin. Hobby: Ihre Freundin.

    Und die Familie Skelf betreibt in Edinburgh ein Bestattungsunternehmen mit einer Detektei als Nebenerwerb. Als Intro in das Buch wird der grad verstorbene Patriarch der Familie Skelf mal eben im Hinterhof verbrannt. Was für ein cooler Start.

    Dannach nimmt sich Doug viel Zeit die einzelnen Geschichten mit Leben (als Kontrast zu all den Toten) zu füllen: Klasse Charaktere und vor allem – unfassbar Glaubhaft. In einem Krimi gibt es das so selten das nicht ein Dialog, nicht eine Handlung einen Hauch von “Konstruiert” hat.

    Ein ganz tolles und durch und durch feministisches Buch mit einem großartigen Kaleidoskop an … Leichen. Toten. Betrug. Geheimnisse. Untreue. Täuschung. Und einer Katze mit dem Namen Schrödinger.

    Unbedingt verfilmen!

    Soundtrack dazu: Penetration – Life Is A Gamble, was sonst?

    PS: Listen to Doug!

    PPS: … die leidige Umschlaggestaltung? Polar hat das clever gelöst, wenn auch auf Kosten des schwarzen Humors. Das englische Original kommt da weniger subtil daher…

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.505

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.505

    Doug Johnstone – Der Bruch (Polar Verlag, 2020)

    Gelesen: 28. – 30.01.2021, netto 296 Seiten.

    Perfekt. Ein wirklich perfekter Krimi. Da passt alles: Ein Held, der kein Held sein will. Ein Mädchen, die die heimliche Heldin ist. Ein Gangster, der einfach er selbst ist. Eine Polizistin, die das gute versucht weil sie das schlechte selbst erlebt hat. Eine Mutter, die einfach nur ein abgefuckter Junkie ist. Ein Kleinkrimineller, der mit seiner Schwester zusammenlebt.

    Und die gnadenlosen Unterschiede zwischen Arm und Reich, zwischen Zukunft und Verwahrlosung, in der Klassengesellschaft des Vereinigten Königreichs.

    Spielort: Dùn Èideann. Greendykes Tower Blocks.

    Greendykes was ranked as the 4th most deprived area in Scotland
    in the Scottish Index of Multiple Deprivation 2006

    Tylers Mutter ist Junkie, um Geld für Lebensmittel und für seine kleine Schwester Bean zu bekommen muss er seinen Bruder Barry bei Einbrüchen begleiten. Der ist ein durchgeknallter Irrer, der mit harter Hand die Familie regiert. Bei einem guten Fischzug sticht Barry die Besitzerin des Hauses nieder.

    Tyler ahnte schon vorher, das sie sich das falsche Haus ausgesucht hatten – kurz darauf erfährt er es: Sie haben das Haus eines lokalen Gangsters leergeräumt. Einer, der in der Nahrungskette mehrere Kilometer über Barry steht.

    Ab da heißt es für Tyler zu überleben, zusehen das Bean nichts passiert und zusehen das seine Mutter sich nicht ins Nirvana ballert. Und das die Polizei ihn nicht einsackt. Sagte ich schon Überleben?

    Doug Johnstone macht daraus eine Milieustudie ohne erhobenen Zeigefinger. In jedem Fall zeigt er die Zustände in Edinburgh so wie sie sind – elend. Dunkel. Eine abgefuckte Gesellschaft mit abgefuckten Familien. Hoffnung? Nope!

    Das kleine Leuchten das Tyler Hoffnung gibt kommt ausgerechnet aus einem reichen Stadtteil, von einer teuren Privatschule. Die Liebe schleicht sich in sein Leben, wobei Doug Johnstone das ganz dezent hält: Zarteste Bande. Und am Ende muss Tyler …

    … wird nicht verraten, das Ende ist großartig.

    Eine lakonische Studie über Menschen und was für eine Gesellschaft sie formen. Dunkel. Sehr dunkel. Hart. Tödlich. Luuuuv it!

    Soundtrack dazu: W.O.R,M. – Hopeless, was sonst?

    Bonus: