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  • Bücher, schnell gelesen: 1.819

    Bücher, schnell gelesen: 1.819

    Jo Nesbø – Minnesota (Ullstein, 2025)

    Gelesen: 28.02. – 07.03.2026 (netto 400 Seiten)

    Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob.

    Jo kehrt sowohl Harry Hole als auch den Brüdern Opgard den Rücken und legt seine neue Figur in Minnesota an. Der Staat in den US of A der zu über 50% Deutsche, Norwegische oder Schwedische Wurzeln hat.

    Sein neuer Antiheld Bob Oss (oder kurz Oz) ist ebenso elegant wie Harry Hole: ein Einzelgänger, aggressiv, trinkend im Dienst, emotional verwahrlost, ein Mann, der Frauen nur für One-Night-Stands duldet. Ein offensichtliches Wrack und gerade deshalb perfekt.

    Oz ist voller Wut und deshalb meist ohne Waffe unterwegs – er kann nicht garantieren das er nicht durchdreht. Einfacher Grund: Seine kleine Tochter hat sich beim Spielen mit seiner Dienstwaffe selbst erschossen.

    Seine Frau hat sich daraufhin von ihm getrennt – erst emotional, dann physisch. Im Morddezernat darf er noch zuarbeiten, einen Fall bekommt er nicht mehr.

    Aber durch Zufall fällt ihm eine solcher Fall in die Hände, ohne eigentlich Auftrag ermittelt er neben den anderen Kollegen weiter. Und erkennt Muster, die diese nicht sehen (da er seine Erkenntnisse nicht teilt).

    Im Verlauf gibt es kaltblütige Morde, korrupte Polizisten und einen Kartellkiller, der wie ein Geist verschwinden kann. Und Oz, der einfach nur eine Lösung (und Erlösung) erhofft.

    Und immer wieder in die Patsche tappt:

    ( (c) Ullstein Verlag, 2025)

    Die Story ist eine kurzweilige Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Trauer, vorangetrieben von einer raffinierten Handlung und ziemlich leckeren Schockmomenten.

    Skinwalker anyone?

    Jo Nesbø überrascht mich mit diesem Buch tatsächlich, es hat mehr Speed als die Harry Hole Bücher. Ohne Tiefgang und Heftigkeit zu verlieren.

    Warum allerdings eine Norwegische Klammer drum gepackt wird (Anfang, Ende) verstehe ich nicht wirklich. Aber vielleicht wird das ja noch aufgelöst.

    Gerne mehr, von Jo sowieso immer.

    Soundtrack dazu: Man or Atstro-man – Taxidermist Surf, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.818

    Bücher, schnell gelesen: 1.818

    Mick Herron – Bad Actors (Diogenes, 2026)

    Gelesen: 19. – 27.02.2026 (netto 448 Seiten)

    Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer.

    Mick Herron in einem Interview:

    I don’t want to write a big, plotted, evil-mastermind spy novel; I’m interested in incompetence, things going wrong, badly motivated stuff, and that’s essentially our political reality now.

    Band 8 der Slow Horses Serie ist wieder ein richtiger Knaller. Geschrieben 2022, als Boris Johnson und seine halbseidene Gang an der Macht waren. Und die nimmt er schön auseinander. Im gleichen Interview beschrieb er die Motivation:

    We have a prime minister who acts with the worst possible intentions because he’s only interested in himself. As a citizen, I deplore it; as a writer, I’m rubbing my hands.

    Sparrow, Handlanger und Macher des Premiers, ist ein Disruptor. Immer Angriff. Immer alternative Fakten. Die alten Modelle der Gewaltenteilung zerschlagen um die Macht beim Premier (und damit ihm selbst) zu vereinen.

    Nebenbei aktiv bei Ackerkämpfen von Hooligans, die er als Privatarmee hält. Und mit einer Supervorhersagerin, die ihm der KGB ins Nest gesetzt hat, da die Russen das Model Putin auch gerne woanders sehen.

    Jackson Lamb, Chef der abgehalterten und verbannten, hat aber einen Russen-Riecher (aus alten Spionagezeiten) und ahnt das was fieses passiert. Und als Sparrow die Chefin des MI5 mit einer Intrige abzuservieren versucht greift Jackson mit seinen Slow Horses ein.

    Neben wirklich spannenden Intrigen und ganz wunderbaren Beschreibungen der Politik im UK kommt auch der Londoner Alltag nicht zu kurz.

    Und ganz wunderbar Choreografierte Hauereien:

    ( (c) Diogenes Verlag 2026)

    Auch wenn die Reihe zwischendrin mal flacher war, das ganze ist extrem unterhaltsam, extrem lustig und einfach eine perfekte Sicht auf das Vereinigte Königreich und London.

    Ja, ich mag das.

    Soundtrack dazu: Crown Court – Hooligans on “E”, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.817

    Bücher, schnell gelesen: 1.817

    Dana Stabenow – Unter der Erde Alaskas (Kampa, 2025)

    Gelesen: 13. – 18.02.2026 (netto 259 Seiten)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Barbara Schnell.

    Und nochmal taucht Dana Stabenow in ihre Vergangenheit ab, diesmal in Sachen Ölförderung. Anders als in Vor der Küste Alaskas ist es aber diesmal ein echter whodunit, sehr lange bleibt das Ziel der Ermittlungen von Kate Shugak im Dunklen.

    Sie wird vom Ölkonzern Royal Pegtroleum Company angeheuert, der sich sorgen um die Arbeiter in ihrem Feld in Prudhoe Bay macht. Naja, um die Arbeiter ehr nicht sondern darum das Drogen für Unruhe und auch Tote sorgen. Und wie diese in das streng gesicherte und nicht einfach zu erreichende Bohrfeld kommen, das würde der Chef gerne wissen.

    Und vertraut seiner eigenen Security ehr nicht.

    Kate steigt mal wieder Undercover ein, trifft alte Bekannte die auch gutes Geld verdienen wollen und darum dort angeheuert haben. Und sieht auch die Schattenseiten des Ölreichtums.

    Das Buch nimmt einen langen Anlauf, ohne dabei auf eine Lösung hinzudeuten (und, kleiner Nachteil, ohne viel Spannung aufzubauen). Aber am Ende fühlt sich genau dieser Umstand als ziemlich clever an – den die Lösung bricht (sprichwörtlich) mit aller Gewalt über Kate herein.

    Und nur knapp kommt sie mit dem Leben davon und rettet sich zurück in die Ruhe ihres Nationalparks.

    Ziemlich kluge Story und im vorbeigehen gibt es noch eine kleine Lehreinheit über den Einfluss der Ölförderung auf die indigenen Völker Alaskas.

    Ich mag diese Geschichten, im Original von 1994 und heute irgendwie aus der Zeit gefallen.

    Soundtrack dazu: The Mighty Mighty BossTones – Royal Oil, was sonst?

    PS: Prudhoe Bay 1975 … Dana Stabenow hat damals dort gearbeitet.