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  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.506

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.506

    Jean Zindel – Chaos Festival 20/10/1984 Orleans (2012)

    Gelesen: 29.01.2021, netto 92 Seiten.

    Chaos En France Volume 1 und Volume 2 waren großartige Sampler, die mir den französischen Streetpunk nahegebracht haben. Eine Zeitlang hab ich daraufhin alles von Sub Kids, Collabos, Trotzkids, Reich Orgasm oder auch Komintern Sect gekauft.

    Nicht nur wegen der Musik, bei der ich die meist französischen Texte Null verstehen konnte, sondern auch wegen der coolen Fotos der Protagonisten.

    Schon 2012 hat ein Fotograph, der damals dabei war, seine Bilder für diese Buchveröffentlichung herausgegeben. Das hab ich wohl verpasst. Als mit das jetzt wieder untergekommen ist habe ich natürlich zugeschlagen.

    90 Seiten großformatige Fotos ohne jeden Kommentar.

    Chaos Festival (Orleans, 20.10.1984 (c) Jean Zindel)

    Mit dabei: Sub Kids (die mag ich!), Kidnap, Les Collabos (die mach ich auch!), Reich Orgasm, Komintern Sect und Camera Silens (Legende!).

    Das Buch wäre perfekt wenn es denn ein paar Worte (ähem, bitte in englisch) der Protagonisten enthalten würde, so gibt es nur ein französisches Vorwort von Carl (Komintern Sect). Aber auch so sind das Klasse Bilder aus einer lange vergangenen Zeit. Merci Jean!

    Soundtrack dazu: Sub Kids – Kids Of Glory, was sonst? Eine EP übrigens von der ich 1984 direkt 10 Stück bei der Band bestellt hatte um diese in HH weiterzuverkaufen. Wer hat eine?

    Bonus:

    https://www.youtube.com/watch?v=kEHyHYJf8JU
  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.505

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.505

    Doug Johnstone – Der Bruch (Polar Verlag, 2020)

    Gelesen: 28. – 30.01.2021, netto 296 Seiten.

    Perfekt. Ein wirklich perfekter Krimi. Da passt alles: Ein Held, der kein Held sein will. Ein Mädchen, die die heimliche Heldin ist. Ein Gangster, der einfach er selbst ist. Eine Polizistin, die das gute versucht weil sie das schlechte selbst erlebt hat. Eine Mutter, die einfach nur ein abgefuckter Junkie ist. Ein Kleinkrimineller, der mit seiner Schwester zusammenlebt.

    Und die gnadenlosen Unterschiede zwischen Arm und Reich, zwischen Zukunft und Verwahrlosung, in der Klassengesellschaft des Vereinigten Königreichs.

    Spielort: Dùn Èideann. Greendykes Tower Blocks.

    Greendykes was ranked as the 4th most deprived area in Scotland
    in the Scottish Index of Multiple Deprivation 2006

    Tylers Mutter ist Junkie, um Geld für Lebensmittel und für seine kleine Schwester Bean zu bekommen muss er seinen Bruder Barry bei Einbrüchen begleiten. Der ist ein durchgeknallter Irrer, der mit harter Hand die Familie regiert. Bei einem guten Fischzug sticht Barry die Besitzerin des Hauses nieder.

    Tyler ahnte schon vorher, das sie sich das falsche Haus ausgesucht hatten – kurz darauf erfährt er es: Sie haben das Haus eines lokalen Gangsters leergeräumt. Einer, der in der Nahrungskette mehrere Kilometer über Barry steht.

    Ab da heißt es für Tyler zu überleben, zusehen das Bean nichts passiert und zusehen das seine Mutter sich nicht ins Nirvana ballert. Und das die Polizei ihn nicht einsackt. Sagte ich schon Überleben?

    Doug Johnstone macht daraus eine Milieustudie ohne erhobenen Zeigefinger. In jedem Fall zeigt er die Zustände in Edinburgh so wie sie sind – elend. Dunkel. Eine abgefuckte Gesellschaft mit abgefuckten Familien. Hoffnung? Nope!

    Das kleine Leuchten das Tyler Hoffnung gibt kommt ausgerechnet aus einem reichen Stadtteil, von einer teuren Privatschule. Die Liebe schleicht sich in sein Leben, wobei Doug Johnstone das ganz dezent hält: Zarteste Bande. Und am Ende muss Tyler …

    … wird nicht verraten, das Ende ist großartig.

    Eine lakonische Studie über Menschen und was für eine Gesellschaft sie formen. Dunkel. Sehr dunkel. Hart. Tödlich. Luuuuv it!

    Soundtrack dazu: W.O.R,M. – Hopeless, was sonst?

    Bonus:

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.504

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.504

    Helge Schreiber – Network Of Friends (Eigenverlag, 2020)

    Gelesen: 26. – 27.01.2021, netto 428 Seiten.

    Ein echter Backstein. Im Eigenverlag. Chapeau!

    Helge Schreiber hatte 2011 eine erste Auflage gemacht, jetzt hat er das ganze aktualisiert und unter Mithilfe von weiteren Zeitgenossen (vor allem Hennig Prochnow in Sachen Satz&Layout) quasi komplett neu gemacht.

    Es gehört in eine Reihe mit den vielen großartigen Oral-History Büchern die wir aus US of A oder auch UK kennen. Helge konzentriert sich dabei auf etwas, das für viele Außenstehende im 45 Years Of Punk Gesamtzusammenhang nicht mehr als ein Blinzeln war. Wenn man allerdings, so wie ich, Ende der 70er auf Punk gestoßen ist, dabeigeblieben ist und nach der ersten Runde so 83/84 nicht weitergezogen ist … dann ist es ein ziemlich relevantes Blinzeln.

    Punk Rock hatte schon immer ein DIY Element, aber am Ende fußte es doch mit beiden Füßen fest in der Musik- und Veranstaltungsindustrie. Aber dann kam Hardcore und junge Menschen, oft angetrieben von Vorbildern aus der US of A DIY H/C Szene, die das Heft des Handelns in eigene Hände nahmen. Und total offen waren für Menschen aus anderen Städten. Aus anderen Ländern.

    Ich habe das in Teilen auch so erlebt, über unser Fanzine, über die Platten die ich herausgebracht habe und natürlich über die persönlichen Kontakte (Danke Berlin, Danke München). Die internationale Zusammenarbeit und die persönlichen Freundschaften, die daraus entstanden, dokumentiert Helge über die Kommentare der Protagonisten.

    Die Aufteilung ist klasse, das durchgängig S/W Layout nebst Fotos/Flyern etc. ist großartig (und soooo 80er DIY) und die Wortmeldungen überwiegend gelungen. Mein Freund Riebe gewinnt dabei den Ehrenpreis für angewandte Prosa (und Grundehrlichkeit – so wie er nun mal ist), schön auch viel von Armin Hoffmann und Flo Helmchen zu lesen.

    Lieblingspart: Die neu hinzugekommene Rubrik Was wurde aus den Leuten, das finde ich immer spannend.

    Pflichtlektüre. Und wenn du Anfang 20 bist – starte deine Band, dein Fanzine, dein Label, veranstalte Konzerte … mach es selbst! Es funktioniert!

    Soundtrack dazu: Wurde direkt mitgeliefert als “Blasts From The Past” LP. Aber für mich Squandered Message – It’s A Scream, was sonst?

    Den Backstein nebst schwarzem Gold gibt es hier!

    #recordcollectorsarepretentiousarseholes
    #bookcollectorsarepretentiousarseholes