Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.712

    Bücher, schnell gelesen: 1.712

    Adam LeBor – Zwischen Den Korridoren (Polar Verlag, 2024)

    Gelesen: 07. – 15.06.2024 (netto 449 Seiten plus Nachwort von Günther Grosser)

    Aus dem Englischen von Jürgen Bürger.

    Der Start ist schonmal klasse – er schließt direkt an das erste Buch aus der Serie an. District VIII endete am 06.09.2015 um 19:00 und Zwischen Den Korridoren startet am 10.09.2015 um 06:00. Und setzt die die Handlung quasi nahtlos fort.

    Und was mir besonders gefallen hat ist das Adam Lebor das Tempo, das erste zum Ende von District VIII angezogen hatte, direkt weiterbehält.

    Der Tag von Balthazar Kovác, Kommissar in der Mordkomission, startet mit einem Toten. Allerdings einem Toten in einem Luxusbordell. Das seinem Bruder gehört. Der wie er selbst Roma ist. Und eigentlich sollte Balthazar den Toten elegant beseitigen, zumindest so das nichts auf das Bordell hindeutet.

    Aber Balthazar kommen Zweifel ob er wirklich an einem durch Koks und Viagra verursachten Herzinfakt gestorben ist. Den er ist Ausländer. Araber. Und die Überwachungskameras wurden manipuliert.

    Aus diesem Fall wird aber was ganz anderes, nämlich ein Staatsstreich der Alten Eliten, die der neuen Ministerpräsidentin (ohne District VIII gelesen zu haben wird das echt schwer in Linie zu bringen) ein Ende bereiten wollen.

    Mit hohem Tempo, einer ziemlich gut eingepassten Familientragödie aus Balthazars Familie und viel Referenzen zum erstem Buch wird das ganze zu einem echten und hochgradig spannendem Politthriller.

    Das sich Adam Lebor immer viel Zeit nimmt Sachen zu erklären hat mich im ersten Buch ein wenig genervt, das hat das Tempo gedrückt. In diesem Buch stört es mich weniger, irgendwie hab ich mich an diese vielen Detailerklärungen gewöhnt.

    Und wie es sich für den Helden eines Krimis gehört, hat Balthazars durchaus eigene Probleme: Seine Ex-Frau zieht mit ihrer Freundin zusammen, braucht aber Balthazars Hilfe bei der Recherche ihrer Doktorarbeit in Geschlechterstudien mit Schwerpunkt auf Ungarns Roma-Gemeinschaft. Seine zarten Bande aus dem ersten Buch gehen den Bach runter.

    Balthasar Kovác als Held ist dabei voller Widersprüche und mit einem Fuß in jeder der beiden Gemeinschaften, die das moderne Ungarn bilden.

    Die Handlung weist alle Wendungen eines hochkarätigen Hollywood-Thrillers auf und irgendwie ist es kein Wunder, dass LeBor seine Serie jetzt auch für das Fernsehen entwickelt.

    Aber was Zwischen Den Korridoren wirklich auszeichnet, ist die Art und Weise, wie LeBor den Thriller mit der ungarischen Geschichte, Politik sowie aktuellen (2015) Ereignissen verknüpft, vom Aufstieg des Populismus bis zur organisierten Kriminalität.

    Und jede einzelne Facette hat dabei irgendwie den Klang der Wahrheit. Könnte genauso gewesen sein.

    Ich finde das wird immer besser. Mehr davon, das ist eine spannende Welt.

    Soundtrack dazu: Roberta Sparrow – Poison … The Air We Breathe, was sonst?

    PS: Und das ist der Platz um den es in dem Buch geht

  • Bücher, schnell gelesen: 1.711

    Bücher, schnell gelesen: 1.711

    Michael Connelly – Cops Und Killer (Kampa Verlag, 2024)

    Gelesen: 03. – 07.06.2024 (netto 302 Seiten plus 27 Seiten mit zwei Nachworten von Michael Carlson und Jochen Stremmel)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb.

    “True Crime” und aus der Zeit als Michael Connelly noch Journalist und Polizei-Reporter war. Zuerst von 1980 bis 1987 in Florida, dann ab 1987 in L.A. und bei der Los Angeles Times.

    Den Job als Journalist gab er erst 1995 auf, da waren die ersten drei Bosch Romane bereits geschrieben. Der Rest ist Erfolg auf der ganzen Spur, sowohl als gedrucktes Buch als auch die Verfilmung(en).

    Die Originalgeschichten sind in diesem Buch eingerahmt von einem Vorwort von Michael Connelly und den beiden Nachworten, sie dienen dabei als Einordnung (Connelly) als auch als Referenz.

    Das Vorwort von Connelly setzt den Leser dabei ein wenig mit Absicht auf eine Spurt – welche Fälle resp. welche Puzzleteile aus echten Fällen hat Connelly in Bosch und den anderen Büchern verbraten.

    Die Fälle selbst sind hier in Europe weitestgehend unbekannt, es hilft den einen oder anderen Namen mal bei Wikipedia zu checken um mehr Kontext zu bekommen. Die Reportagen selbst sind fast schon klinisch klar resp. kalt: Wer – Was – Wann – Wo – Warum – Wie. Aus. Dem. Lehrbuch.

    Interessanter ist da schon in welche Struktur Connelly das ganze verpackt hat:

    1. Die Cops – 2. Die Killer – 3. Die Fälle

    Das ist es was ihn interessiert hat, das ist es was er später als hard-boiled Autor geschrieben hat.

    Ich denke das Buch ist in Wirklichkeit nur für Die-Hard Connelly Fans, sonst ist es ein wenig zu trocken. Eine etwas aufwendigere Aufmachung mit zB Original Zeitungsausschnitten (und Fotos) wäre irgendwie cooler. Und wertiger, für Fan Boys.

    Soundtrack dazu: Crime – Feel The Beat, was sonst?

    PS: Und Connelly so über die Zeit des Übergangs vom Journalisten zum Autor?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.710

    Lavie Tidhar – Maror (Suhrkamp, 2024)

    Gelesen: 29.05. – 02.06.2024 (netto 630 Seiten)

    Aus dem Englischen von der wunderbaren Conny Lösch (ein Qualitätsmerkmal).

    Alter Schwede, was für ein Brocken. James Ellroy brauchte 4 Bände für sein L.A. Quartett, Marlon James immerhin 844 Seiten für sein Jamaica Epos.

    Und dann kommt Lavie Tidhar daher und knallt uns ein ausgedehntes Epos über die Schattenseiten des Aufbaus von Israel um die Ohren. In nur 630 Seiten.

    Dabei macht er sonst SF-Romane und Comics.

    Das Buch fängt 2003 an, springt zurück in die 70er und dann in großen Schritten voran: 1977, wo die Armee anfängt Land im Westjordanland in jüdischen Grundbesitz umzuwandeln. 1982, als Israel Beirut einnehmen will (und in ihrem Dunstkreis Drogengeschäfte gemacht werden), 1987, als exil-Israelis den Kokainhandel in den US of A voranbringen. 1989, als ex-Militärs aus Israel mit erbeuteten Waffen aus dem Libanon die Milizen in Kolumbien trainieren.

    Und durch das ganze führt indirekt ein Master of Ceremonie, Cohen – ein Polizist – ist immer dabei und steuert das Gleichgewicht zwischen Staat, Polizei und den Nutznießern (aka Organisierter Kriminalität).

    Lavie Tidhar entwirft eine amoralische Welt, in der Gier und Kontrolle alle Konfessionellen und Politischen Ideologien überwiegen. Israel ist eben auch nur ein Staat wie jeder andere. Seine besonderen Probleme sind tatsächlich universell.

    Und darüber als hard-boilded Noir zu schreiben führt uns die Ursachen vor: Korruption der Macht und das Chaos, das sie erzeugt. Über die Grenzen hinaus.

    Ein wirklich großartiges Buch. Zu Beginn gibt es eine fast verwirrende Menge an Gewalt und Chaos, was teilweise ein wenig abgedroschen wirkt. Doch dann legt sich der Staub und etwas wirklich Faszinierendes entsteht: Eine coole Saga über viele Jahre und Generationen. Mit unglaublich vielen realen Bezugspunkten (Wikipedia wird dein Freund sein).

    Ich würde da sagen, das hat Don Winslow Qualität (als er sich noch Mühe gab). Unfassbar klar, die handelnden Personen echt und alles könnte tatsächlich so gewesen sein. Oder ist es noch so?

    Ich glaube da kommt noch mehr, her damit!

    Soundtrack dazu: Mofa Ha’arnavot Shel Dr. Kasper – In Red Dress, was sonst?

    PS: Auf jeden Fall auf der “Buch des Jahres” Liste.