Jason Lamb – No Means No (From Obscurity To Oblivion) (PM Press, 2024)
Gelesen: 20. – 22.09.2024 (netto 311 Seiten)
Noch nicht auf Deutsch erschienen (wird es wohl auch ehr nicht).
Hach, Canaduh.
Hach, No Means No.
Hach, Hanson Brothers.
Einfach nur: Hach.
Eine Oral History zu einer der besten Bands aus Canada, eine die bereits gegen Ende der 1980er in Europa wohl mehr erfolgreich war als in den US of A oder in Canaduh.
Jason Lamb hat dazu O-Töne aller Bandmitglieder, von Wegbegleitern, Fans und Freunden zusammengestellt und zeichnet damit strukturiert den Weg nach.
Aufstieg aus den hintersten Winkelns von Victoria, früher Erfolg in Europa, DIY Circuit, Alternative Tentacles und natürlich das Überdrehen – trotz ausreichend Seitenprojekten. Auch das persönliche Zerbrechen klingt an, wenn auch nicht wirklich tief in privates eingestiegen wird.
Was NoMeansNo auszeichnete war das sie anders waren. Und das sie laut waren.
Ross Thomas – Die Narren Sind An Unser Seite (Alexander Verlag, 2024)
Gelesen: 12. – 20.09.2024 (netto 573 Seiten)
Aus dem Amerikanischen von Gisbert und Julian Haefs.
Mit jedem Buch in der Ross Thomas Reihe setzt der Alexander Verlag noch einen drauf. Klasse!
Zuerst 1972 in Deutschland als “Unsere Stadt muss sauber werden” arg gekürzt auf 144 Seiten in der Ullstein Taschenbuch Reihe erschienen, ist diese Ausgabe nicht nur vollständig sondern auch vollständig neu übersetzt.
Und das Panoptikum das uns Ross Thomas hier vorsetzt ist so lustig wie auch aktuell:
Gentrifizierung, Verödung der Innenstädte, Rassismus und Bestechlichkeit haben ein „Klima der Apathie“ erzeugt – ideale Voraussetzungen, um Menschen und Wahlkämpfe zu korrumpieren.
Klingelt da was?
Dazu abkassierende lokale Politiker und Würdenträger, auf allen Seiten. Die Cops arbeiten mit dem organisierten Verbrechen zusammen, um sich zu bereichern.
Keine Seite ist besser als die andere.
Auftritt Lucifer Dye, ex-Geheimdienstler und gerade mehr oder weniger Ehrenhaft aus Hong Kong freigekauft und … in die US of A freigelassen. Von einem windigen Politikmacher (mit dem coolen Namen Victor Orcutt) angeheuert um in Swankerton (Texas) – irgendwo zwischen Mobile, Alabama und Galveston – den anstehenden örtlichen Wahlkampf zu beeinflussen.
Den andere wollen an die Futtertröge.
Und da wird es spannend: Wer hat es erfunden? Das Original in den US of A kam 1970 raus, im gleichen Jahr in dem René Goscinny Tullius Destructivus auf die tapferen Gallier loslässt.
Und nichts anderes machen Lucififer Dye und Victor Orcutt in Swankerton: Zwietracht sähen und die bestehenden Mächte in Swankerton gegeneinander ausspielen. Und das mit ordentlich Humor und Gewalt.
Anders als in den anderen Ross Thomas Büchern gibt es hier aber noch einen breiten Hintergrund zu Lucifer Dye: Mit ihm hat sich der Geheimdienst ein Waisenkind geschnappt, das die japanische Bombenangriffe auf Shanghai 1937 wie auch den Vormarsch der Japaner in Asien vor Ort miterlebt hat.
Und seitdem komplett amoralisch.
Ein perfekt orchestrierter vielschichtiger und hochinteressanter Politthriller. Und verdammt nochmal aktuell wie nichts!
Aus dem Englischen von der wunderbaren Conny Lösch (ein Qualitätsmerkmal).
Das 24te Buch von Don Winslow das ich hier verewige und das letzte Buch das Don – nach seiner Aussage – geschrieben hat.
Und das staubige Ende der Danny Ryan Trilogie (denn Don Winslow führt Danny nicht durch sondern in die Wüste).
Es begann in Rhode Island, als der junge Danny mit ansehen musste, wie der Mob-Krieg zwischen den irischen und italienischen Familien eskalierte (City on Fire).
Nach seiner Flucht aus Rhode Island nach Kalifornien gerät Danny zunächst in Kontakt mit einer zwielichtigen Gestalt aus den Geheimdiensten der US of A und landet dann in Hollywood (City Of Dreams).
Jetzt hat er in der Glücksspielbranche in Las Vegas Fuß gefasst und sein Glück gefunden. Eine Branche mit traditionellen Mafiaverbindungen, die aber inzwischen tief im Hintergrund sind. Eine Branche, die mit aller Kraft versucht, ihre schmutzigen Verbindungen zur organisierten Kriminalität zu lösen – ein Damoklesschwert, das Danny während seines gesamten Aufstiegs in der Branche belastet.
Ganz zu schweigen von den schmutzigen kleinen Geheimnissen der meisten Vermögen, die auf dem Strip gemacht wurden. Wo kam eigentlich das Geld von Danny her?
Don Winslow erzählt drei parallele Geschichten: Dannys in Vegas, Chris Palumbos versteckt im Mittleren Westen und dann zurück in Rhode Island sowie die eines Mafia-Mordprozesses in Rhode Island. Die drei Handlungsstränge sind miteinander verbunden, aber Don Winslow bringt sie nicht wirklich zusammen – wer die anderen Bücher nicht im Kopf hat, dem fehlt hier was.
Das Buch hat Tempo, das Buch hat ausreichend Brutalität und das Buch ist sogar realistischer als der Vorgänger – das Ende aber ist, na, “almost lackluster“. Schade, hätte mir eine Überraschung, ein Big-Bang – ein Killer Moment gewünscht. Aber – es ist ein allzu menschliches Ende, wenigstens.
So bleibt eine Trilogie, die sicher nicht zum Besten von Don Winslow gehört. Eine Trilogie, die James Ellroy in ein Buch verpackt hätte.