Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.208

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.208

    Steve Jones with Ben Thompson - Lonely Boy (Tales from a Sex Pistol) (William Heinemann, 2016)
    Steve Jones with Ben Thompson – Lonely Boy (Tales from a Sex Pistol) (William Heinemann, 2016)

    Gelesen: 29.11. – 04.12.2016 netto 301 Seiten (Englisches Original, auf Deutsch noch nicht erschienen).

    Und wieder eine Überraschung: Dafür das Steve Jones aus der Ferne wie ein Vollidiot erscheint ist diese Biographie schonungslos offen – er kann nicht lesen, er kann nicht schreiben, er hat sein Leben mit Diebstahl finanziert und er war ein Abhängiger: Alkohol, Sex und Drogen. Oder Sex, Alkohol und Drogen. Oder Drogen, Sex und Alkohol. Nevermind.

    Das beste an diesem Buch ist wie schonungslos es uns die Gesellschaft in England am Ende der 60er und Anfang der 70er rüberbringt – der Bodensatz auf dem sowas wie Punk so richtig gut entstehen konnte (gepaart mit der Musikleidenschaft der britischen Jugend). Dazu seine persönlichen Probleme und die Tatsache das er nicht nur all sein Equipment zusammengeklaut hatte sondern auch das er ewig ohne Geld und obdachlos war.

    Schön auch wie er den Mythos Sex Pistols zerlegt und seine abtauchen in den US of A beschreibt: Als Erstes hat er seinen Pass für 80$ verkauft um Heroin zu kaufen und danach war er jahrelang ein Illegal Alien mit einem ernsthaften Drogenproblem.

    Und er war ein Sex-Maniac, der mit jeder Frau (und jeder Freundin eines Freundes) Sex haben musste. Am Ende hat ihn nur die Abstinenz gerettet – weniger Sex, kein Alkohol und keine Drogen. Und Geld, das er dann endlich mit den Sex Pistols (trotz Lydon) verdiente.

    Lesenswert, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt – auch wenn er sich ein wenig zu wichtig nimmt.  Er bleibt halt ein Ingerländer aus der working-class, immer ein wenig großmäulig.

    Soundtrack dazu (not): Steve Jones with Iggy Pop. Loving memories for this.

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.207

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.207

    Joe R. Lansdale - Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick (Tropen, 2016)
    Joe R. Lansdale – Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick (Tropen, 2016)

    Gelesen: 20. – 28.11.2016 netto 464 Seiten.

    Joe R. Lansdale mit einer Story die manch einer vielleicht als “Django Unchained” Version sieht, die aber in Wirklichkeit das Leben von Nat Love relativ frei (und im original Lansdale-Style) erzählt.

    Das ganze ist also ein ehr lustiger Schelmenroman mit einem ernsten Hintergrund: Ein schwarzer Junge im “befreiten” Süden der US of A muss erleben das ein schwarzer immer noch nichts wert ist und gerät in eine Endlosfehde mit dem weißen Mörder seiner Eltern.

    Ausreichend brutal, schön lakonisch immer wieder wunderbar spitzbübisch – und dabei ein ganz kalter Blick auf eine Zeit voller Unrecht und voller Dreck, Elend und Tod. Und einer Zeit in der den Indianern mal so nebenbei der Rest gegeben wurde. Klassisch und eine perfekte Filmvorlage.

    Mehr über Nat Love hier und seine echte Lebensgeschichte, von ihm selbst geschrieben:

    Life and Adventures of Nat Love, Better Known in the Cattle Country as “Deadwood Dick,” by Himself; a True History of Slavery Days, Life on the Great Cattle Ranges and on the Plains of the “Wild and Woolly” West, Based on Facts, and Personal Experiences of the Author

    Soundtrack dazu: Death, was sonst?

    PS: Übersetzt von der wunderbaren Conny Lösch, ein Qualitätsmerkmal!

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.206

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.206

    Michael Dibdin - Vendetta (UT Metro, 2016)
    Michael Dibdin – Vendetta (UT Metro, 2016)

    Gelesen: 12. – 19.11.2016 netto 321 Seiten.

    Eigentlich ein schöner Mord: Ein reicher Bauunternehmer der in einer zur Festung ausgebauten Villa wohnt und das gesamte Areal incl. der Räume permanent auf Video aufzeichnet wird erschossen. Seine Gäste auch. Bei laufender Kamera.

    Ein Fall in dem alles klar ist und ein Fall den Aurelio Zen nur deswegen lösen soll weil er … den offensichtlichen Mörder freibekommen soll. So will es die Politik, so soll es Zen richten. Was als grader Krimi anfängt wird von Kapitel zu Kapitel schräger, “sardischer” und vor allem … unklarer. Wer verscuth hier wen in die Pfanne zu hauen? Wer mauschelt hier mit wem und warum?

    Am Ende eine echte Überraschung und Zen löst den Fall im Sinne der Politik. Oder doch nicht? Cooles Ding, kurz, stringent, knackig und mit einem schönen Spannungsbogen.

    Soundtrack dazu: Circus Dementiae, was sonst?