Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.403

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.403

    Jim Nisbet - Welt ohne Skrupel (Pulp Master, 2019)
    Jim Nisbet – Welt ohne Skrupel (Pulp Master, 2019)

    Gelesen: 05. – 08.08.2019, 226 Seiten.

    Die Dot.Com Welt? Rücksichtslos. Der abgehängte Rest von San Francisco? Ebenso Rücksichtslos. Das Leben? Glücklos.

    Vor diesem Hintergrund steigen wir in die kleine Welt von Klinger ein: Seine kleinkriminellen Aktivitäten gehen meist schief, doch mit ein wenig Glück kommt er immer um den Knast herum.

    Letztendlich geht es ihm nur um Peanuts: Er braucht zuerst Geld für Drinks, um sich abzuschießen. Und wenn dann noch Geld übrig ist, ja Gott, dann kann er halt mal in einer Absteige schlafen. 

    Phillip dagegen ist ein Dot.Com Sklave, immer auf einem 24h Arbeitstag und immer auf der Jagd nach einem Start-Up, das seine Expertise in Aktien verwandelt.

    Die Bahn von Klinger und Phillip kreuzt sich und zurück bleiben nicht nur Tote sondern auch der Rest an Vertrauen auf die Menschheit. Denn im Hintergrund gibt es immer jemanden, der besser darin ist Leute auszunehmen. Viel besser.

    Ein bitterböse Abgesang auf die Menschlichkeit, die Gesellschaft und menschliche Kommunikation. Und auf so profane Dinge wie die Sucht nach Alkohol. Denn die Sucht nach Apps, die Sucht nach Smartphones und die Gier nach Geld sind stärker. 

    Das Setting im O-Ton:

    Als er am Hawse Hole ankam, war Klinger reif für einen Drink, er war reif dafür, die letzten paar Tage zu vergessen, er war reif für einen Klamottenwechsel – Klinger war reif für alles, ausser für die Zukunft. Oder die Vergangenheit. Oder, wie sich herausstellte, für die Gegenwart. 

    Einfach großartig. Ein Looser als Held der am Ende alles verliert. Lasst alle Hoffnung fahren!

    Soundtrack dazu: Head – No one likes a snitch, was sonst?

    PS: Der original Titel “Snitch World” passt sowas wie!

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.402

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.402

    Derek Raymond - Ich war Dora Suarez (pulp master, 1999)
    Derek Raymond – Ich war Dora Suarez (pulp master, 1999)

    Gelesen: 31.07. – 04.08.2019, 288 Seiten.

    Ja, das ist definitiv ein outlier. Ein Buch wo das Opfer die zentrale Figur ist und das Opfer im Laufe des Buches zur zentralen Heldin wird. Wow.

    Und es ist ein Buch das äußerst brutal ist und zu einem Zeitpunkt spielt, wo das Thatcher Credo “There’s no such thing as society” galt.  Ein namenloser Polizist, kurz vor dem Rauswurf weil er ein Sturkopf ist, wird zu einem brutalen Mord beordert.

    Und da findet er Dora Suarez. Mit einer Axt zerlegt. Und ihre Wirtin. Auch tot. Während wir die Ermordung durch die Augen des Killers sehen konnten, muss der Polizist sich alles erarbeiten.

    Und das macht er voller Liebe zum Opfer: Als Racheengel holt er die Seele von Dora Suarez aus dem Dreck, in dem sie zurückgelassen wurde und in dem sie leben musste. 

    Und die Polizisten in diesem Buch sind nicht zimperlich (sondern lustig):

    (c) pulp master 1999
    (c) pulp master 1999

    Am Ende verblasst der brutale Mord und das ganze wird ein spannender Krimi, immer auf der Suche nach dem Mörder (den der Leser die ganze Zeit im Auge behalten kann).

    Und was macht ein Racheengel? Er nimmt Rache. Und der Leser denkt: Danke.

    Wow! Lesen! Und den Rest von Raymond dazu!

    Soundtrack dazu: Yorkshire Rats – Sea of Souls, was sonst?

    PS: Das Thatcher Zitat im ganzen…

    PPS: Die Jungs von Gallon Drunk haben daraus mit dem Autor sowas wie einen Film als Hörbuch gemacht. Lohnt sich!

     

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.401

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.401

    Jon Doe, Tom DeSavia - More Fun In The New World (Da Capo Press, 2019)
    Jon Doe, Tom DeSavia – More Fun In The New World (Da Capo Press, 2019)

    Gelesen: 22. – 30.07.2019, netto 316 Seiten (in Englisch, gibt es nicht in Deutsch)

    Der zweite Teil der LA Punk Oral History von John Doe, dem Bassisten von X. Der erste Teil beschäftigte sich mit der Zeit von 1976 bis 1981, der Hochzeit der ersten Punk Rock Generation in LA. Der zweite Teil widmet sich dem Niedergang dieser ersten Generation: Ein Teil hat Erfolgt und wird “groß”. Ein Teil hat kein Glück, und stirbt an Alkohol, Drogen oder Schusswaffen. Ein Teil hat Glück, und stirbt nicht an Alkohol, Drogen oder Schusswaffen.

    Und dann kommt Hardcore um die Ecke und macht die “alte Szene” kaputt: Die Beach Punks und ihr Machismo – die Vorwürfe sind so alt wie sinnlos. Was die Musikszene auf dem Sunset Strip wirklich kaputtgemacht hat ist Hair-Metall, da sind sich die meisten Protagonisten einig.

    Da John Doe hauptsächlich mit Freunden spricht bzw. diese überredet hat kleine Essays zu schreiben geht es tatsächlich relative negativ zu, bzw. der Niedergang wird detailliert beschrieben. Die besten Passagen sind wieder von den Mädels der Go-Go’s: Aus Punketten die in Kakerlaken verseuchten Absteigen hausen werden Stadionstars. Und aus niedlichen Deerns Koks- und Alkoholabhängige Monster. Jane Wiedlin und Charlotte Caffey nehmen kein Blatt vor den Mund.

    Highlight ist das Essay von Chip Kinman (The Dils), der quasi am Krankenbett seines Bruder Tony die Geschichte vom Übergang der Dils zu Rank and File  aus deren Sicht zusammenfasst – toll.

    Klasse Buch, jetzt fehlt irgendwie noch ein Buch über den Niedergang von Hair-Metall in LA und über den Aufstieg von Grunge und Punk in den 90ers, also 1988-1993.

    Für den Musik-Historiker ein Muss, der Rest wird es wohl nicht so spannend finden.

    Soundtrack dazu: Motorcycle Boy – I hate the Sunset Strip, was sonst?