Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.521

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.521

    Clinton Walker – Stranded (The Visible Spectrum, 2021)

    Gelesen: 09. – 17.05.2021, netto 415 Seiten (in Englisch, eine deutsche Übersetzung wird wohl kaum erscheinen).

    Das ist einer erweiterte Neuauflage eines Buches, das zuerst 1996 erschienen ist. Clinton Walker hat ziemlich viele Musik-Bücher geschrieben und hat als Journalist die Independent Szene in Australien begleitet.

    Und, das macht ihn dann in meiner musikalischen Welt interessant, vor allem auch weil er früh auf die Saints gestoßen ist. Im Buch ist ein Foto das die Saints live “on stage” auf einer Party in Clintons Haus in 1976 zeigt.

    Das Buch selbst ist halb Journalie, halb Oral-History und ziemlich selbst reflektiert: Ziemlich ehrlich redet er über Bands die er Scheiße findet, ebenso offen redet er darüber das er auch Junkie war (wie so viele aus der Szene).

    Spannend ist wie er sich vor allem zwei Themen annähert: Einmal dem Komplex “The Saints” und “Radio Birdman” sowie ihre Bedeutung für Australien und vor allem für Punk. Auch er ist der Meinung das Punk eigentlich musikalisch in Australien geboren wurde.

    Die Zeitbezüge von beiden Bands würden das auch hergeben, am Ende ist das aber müßig: An mehreren Orten auf der Welt war Mitte der 70er die Sehnsucht nach einfacher neuer Musik groß und entsprechend sind Bands entstanden.

    Ebenso spannend ist die Tatsache das die erste Erwähnung von Grunge 1986 in Australien geschehen ist und das tatsächlich die Väter des Grunge in Seattle eine direkte Verbindung dahin hatten. Da war ich dann doch baff.

    Der Rest ist eine mehr oder weniger vollständige Enzyklopädie von Indie-Bands und Indie Distributoren, ihren Ups (wenige) und Downs (viele). Natürlich sind auch Cover-Boy Nick Cave und die Wirren der Birthday Party Teil der ganzen Geschichte. Nur Hardcore (und zB die Hard-Ons), damit konnte er nicht so viel anfangen.

    Ein gutes Buch, vor allem mit den nun erfolgten Updates (die im Text gut sichtbar sind).

    Wahrscheinlich nur was für Australien Experten aber für mich eine schöner Blick in die Vergangenheit.

    Soundtrack dazu: Natürlich The Saints – (I’m Stranded), was sonst?

    PS: Auch andere glauben an eine Geburt Down Under…

    https://www.punktuationmag.com/did-australia-actually-give-birth-to-punk/

    PPS: Und Clinton in 1997 mit ein paar Originaltönen…

    PPPS: Musik hat er auch gemacht (Danke Rudi):

    https://www.youtube.com/watch?v=1nQ7UzcOTEA
  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.520

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.520

    Mercedes Rosende – Krokodilstränen (UT Metro, 2020)

    Gelesen: 03. – 08.05.2021, netto 212 Seiten

    Und nochmal Südamerika, wobei Mexiko ja mehr so Mittelamerika ist. Uruguay, das kleine Land am nördlichen Rand der Mündung des Rio de la Plata, immer der kleine (kleinste?) Nachbar von Argentinien und Brasilien. Aber immerhin 2x FIFA Fußball Weltmeister.

    Und sonst?

    Uruguay has an high-income economy, and is ranked first in Latin America in democracy, peace, low perception of corruption, e-government, and is first in South America when it comes to press freedom, size of the middle class, and prosperity

    Vor diesem Hintergrund ist Krokodilstränen weniger ein sozialkritischer Gangsterroman sondern eine absolut großartiger Einblick in diese Gesellschaft. Mit wenigen Worten (212 Seiten!) schafft es Mercedes Rosende (eine erfahrene Journalistin) die Perspektiven der Handelnden Gegenblende für Gegenblende darzustellen.

    Und Puzzlestück für Puzzlestück fügt sich das kleine Gangsterstück zusammen, nur um am Ende ein Roman über starke Frauen zu werden. Wow, das habe ich in der kompakten Form noch nie gelesen. Respekt! Und der Rest, der zu einem hard-boiled Buch gehört, kommt auch vor: Gewalt, Betrug, schmieriger Anwalt, Geballer und Tote und und und … alles perfekt lakonisch erzählt. Ach ja, ein Dosis “Irre” kommt auch noch dazu.

    Da wünsche ich mir unbedingt mehr, das ist großes Kopfkino!

    Soundtrack dazu: La Historia Del Punk En Uruguay, was sonst?

    PS: Und Mercedes Rosende so? So (und das Buch hat im Original mal wieder das bessere Cover, wenn auch das UT Metro Cover besser zur Serie im Unionsverlag passt)!

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.519

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.519

    Tim MacGabhann – Der Erste Tote (Suhrkamp, 2020)

    Gelesen: 25.04. – 02.05.2021, netto 251 Seiten (plus ein ausführlicher Anhang von 10 Seiten)

    Der Autor erklärt es im Anhang: In Mexiko gibt es die Tradition der crónica, das ist eine Mischform Reportage, Autobiographie und … Erfindung. Also eine gute Geschichte, die ihre Wurzeln im echten Leben des Erzählers hat und geschickt echte Dinge mit Sachen verknüpft die die Geschichte voranbringen.

    Tim MacGabhann ist Ire und lebt in Mexiko als freier Journalist. Und alles was in diesem Buch vorkommt hat er mehr oder weniger erlebt.

    Worum es geht? Um Rohstoffreserven. Und den Kampf darum, den Kartelle, Drogenbosse, staatliche Sicherheitskräfte (lokale Polizei. Staatspolizei und noch mehr), Politik und amerikanische Wirtschaftsunternehmen gegen die lokale Bevölkerung führen.

    Mittendrin zwei Reporter: Einer Ire, einer Mexikaner. Als sie über eine Leiche stolpern und wie durch ein Wunder von der Polizei laufen gelassen werden geht der eine (klar, der Gringo) zurück nach Mexiko-City, der andere (der Mexikaner) geht zurück um mehr zu Erfahren. Und wird ermordet.

    Es bleibt an Andrew (der Gringo, der aber fast vollständig assimiliert ist) das ganze bis zum bitteren Ende aufzulösen. Und hier wird das ganze dann ein starkes Buch: Es ist nicht nur ein Thriller voller Gewalt sondern auch eine Geschichte über die Verzweiflung einer Liebe und ein Land in Auflösung. Mit anderen Gesetzen. Ungeschriebenen die aber jeder kennt und beachtet.

    Das Ende ist passend, denn am Ende gewinnt immer das Geld und die Macht – nie die Liebe.

    Die Stärke des Buches: Harte Gewalt und Poesie stehen ganz nah beieinander.

    Soundtrack dazu: Candy MX – Painkiller, was sonst?

    PS: Übersetzt von der wunderbaren Conny Lösch, ein Qualitätsmerkmal.