Bücher, schnell gelesen: Teil 1.142

Adrian McKinty - Gun Street Girl (Suhrkamp Nova, 2015)
Adrian McKinty – Gun Street Girl (Suhrkamp Nova, 2015)

Gelesen: 15. – 18.12.2015, netto 367 Seiten.

He fell in love with a Gun Street girl and
now he’s dancing in the Birmingham jail
(Tom Waits, 1985)

Boah, das ist einfach geiler Scheiß! Ich glaube es gibt zur Zeit keinen besseren Kriminalautor der echte Geschichten in seine Geschichten einbaut. Nach einer Reminiszenz an die DeLorean Fabrik in Belfast und der Rettung von fucking Maggie T in Brighton in den vorherigen Büchen haben wir es hier mit Oliver North (Javelins für die Welt) und Gottfried von Bismark (Heroin Tote in Oxford) zu tun. Was für ein grandioser Mix!

Sean Duffy ist weiterhin der in allen Belangen einsame aber auch im positiven Sinne skrupellose Bulle. Das Leben im verkackten Belfast ist Scheiße und seine Beziehungen auch. Musik, Schnaps und Koks helfen da. Das beste Beispiel ist sein „Frühstück für Champions„:

Adrian McKinty ( (c) Suhrkamp Verlag 2015)
Adrian McKinty ( (c) Suhrkamp Verlag 2015)

McKinty hat für mich die perfekte Mischung aus Gewalt, Betrug, Sex, Drugs und guter Musik. Und am Ende nie, aber auch nie, ein Happy End. Diesmal ist der vermeintliche Cliffhänger auch wieder ein Griff ins echte Leben: Seine Zukunft zerschellt am Mull of Kintyre!

Soundtrack dazu: Buzzcocks, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.123

Adrian McKinty - Die verloren Schwestern (Suhrkamp Nova, 2015)
Adrian McKinty – Die verloren Schwestern (Suhrkamp Nova, 2015)

Gelesen: 02. – 04.09.2015, netto 369 Seiten.

Und BÄNG der dritte Teil der Sean Duffy Trilogie (mit Trilogien hat es der Autor). Einfach wieder nur cool. Cooler Nordirland Scheiss!

Gute Autoren bauen kleine déjà-vu in ihre Bücher ein, bei McKinty und Sean Duffy ist es die – aus heutiger Sicht komische aber damals todernste – Kontrolle unter jedem Auto vor der Abfahrt ob eine Bombe plaziert wurde. Sean Duffy ist nämlich ein katholischer Bulle im protestantischen Nordirland und damit eigentlich auf jeder Todesliste.

Diesmal wird der degradierte Duffy (warum degradiert? Lesen!) vom MI5 angeheuert um einen alten Schulfreund (und IRA Terroristen) zu finden. Das ganze ist aber nur der Backdrop (und spannende Schluss) für eine viel spannendere Geschichte: Eine junge Frau wurde in einem verschlossenem Pub tot aufgefunden. Und die Eltern (alter nordirisch-protestantischer Adel) geben sich einfach nicht mit dem polizeilichen Ergebniss (Tod durch Unfall) zufrieden. Und machen einen Deal: IRA Terrorist gegen den Mörder ihrer Tochter.

Und damit sitzt Sean Duffy wieder perfekt zwischen allen Stühlen und kann nur verlieren. Aber das ist seine Welt und er beißt sich durch – mit detaillierter und wenn notwendig brutaler Polizeiarbeit. Und am Ende gewinnt er, allerdings kein Ruhm. Den Sacken andere ein. Und wer braucht schon ein Lob von Maggie Thather, der alten Otze?

Einfach nur klasse! Am besten alle drei Bücher hintereinander weg … lesen!

Bonus-Cameo: Michael Forsythe gibt sich die kurze Ehre!

Soundtrack dazu: Angelic Upstarts – Brighton Bomb, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.069

Adrian McKinty - Die Sirenen von Belfast (Suhrkamp Nova, 2014)
Adrian McKinty – Die Sirenen von Belfast (Suhrkamp Nova, 2014)

Gelesen: 17. – 21.10.2014, netto 378 Seiten.

Ja, das passt. Der zweite Teil der Sean Duffy Trilogie fügt sich nahtlos an das erste Buch an. Jede Menge Referenzen an gute Musik („…New York 1978, als ich für zwei Wochen bei meiner alten Freundin Gresha im West Village wohnte. Tolle Zeiten. Das war das New York der Ramones und des CBGB, von Serpico und Hundstage.„). und jede Menge Details zu den „Troubles“. Und, noch so eine augenzwinkernde Referenz, es gibt in diesem Buch auch ein PAL (Wer hat’s erfunden? Nicht die Schweizer sonder Douglas Adams…ein „Problem anderer Leute“). Da wird mir ganz wohlig ums Herz!

Der Plot ist spannend, der ganze Nordirlandbürgerkriegsmist wird exakt und genau gezeichnet und mittendrin ist ein einsamer Bulle, der als Katholik bei der Royal Ulster Constabulary sowieso an der falschen Stelle ist. Was im ersten Band (Der katholische Bulle) leise im Hintergrund anklingt wird hier ein großer Teil der Geschichte: Sean hat Liebeskummer (seine Freundin heut aus Nordirland ab), seine Frauengeschichten sind nichts halbes und nichts ganzes und Ärger (eigentlich mit jedem) zeiht er an bzw. verursacht er wie ein ganz Großer. Held.

Verwoben ist das ganze dann noch mit der unfassbaren Geschichte des DeLorean DMC-12, der wurde nämlich in Nordirland gebaut, in einer Fabrik die nur entstand weil die Regierung von Nordirland 100 Millionen Pfund dazugebuttert hat um Jobs zu schaffen (die restliche Industrie – vor allem Werften – waren schon lange den Bach runtergegangen). DeLorean ging aus vielen Gründen ebenfalls den Bach runter, einer davon ist die wahre Geschichte das DeLorean (der Besitzer und Namensgeber der Autofirma) wohl versucht hat mit Kokainhandel Geld für die Autoproduktion zu beschaffen. Völlig bizarr, aber ein perfekter Hintergrund für eine vielschichtige Krimigeschichte. Am Ende – ach, lest selbst. Ich will mehr!

Soundtrack dazu: Ruefrex, was sonst?

PS: Ich finde der deutsche Titel ist nicht passend (weil vieldeutig) und das Cover Bild passt daher nicht so richtig gut.

Adrian McKinty - I hear the sirens in the street (Serpent's Tail, 2013)
Adrian McKinty – I hear the sirens in the street (Serpent’s Tail, 2013)