Bücher, schnell gelesen: Teil 1.452

Lars Lenth – Schräge Vögel Singen Nicht (Limes Verlag, 2019)

Gelesen: 30. – 31.05.2020, netto 281 Seiten

In diesem Buch gibt es nur Helden:

Leo Vangen, der Rechtsreferendar (weil zu entspannt um Anwalt zu werden), ist der Detektiv und Anti-Held der alles durcheinanderbringt.

Terje Klavens, der fiese Immobilienentwickler, der jeden entweder ausnimmt oder mit seinem großen Gemächt fickt.

Reno, der Monster Skinhead, der gewalttätig aber grundehrlich ist. Nils, der durchgeknallte Kleinkriminelle, der Blut geleckt hat. Und mehr Blut will.

Trond Bast, Angler der nie was fängt, und hier sowohl den coolen Einstieg als auch einen filmreifen Cliffhänger gibt.

Ich mag sie alle. Lars Lenth benutzt sie um eine weitere norwegische Unart en detail auseinander zunehmen: Im ersten Buch war es die Lachszucht, im zweiten ist es das reiche Norwegen und seine Gier noch reicher zu werden.

Die Story hat ihre Schwächen (weil die Rollen so vorhersehbar verteilt sind) ist aber schön detailliert und persönlich: Wir erfahren mehr über Leo, wir erfahren mehr darüber warum er nicht zu den Gewinnern zählen will und wir erfahren das Leo sich verlieben kann. Und gewinnen kann.

Im Grunde eine wunderbar bitterböse Geschichte über die norwegische Gesellschaft, in der Reno und Nils die Highlights setzen. Sie wollen als Gangster in Oslo ernst genommen werden und sind deswegen ein wenig härter … ein wenig durchgeknallter … einfach besser.

Am Ende gewinnt die Ehrlichkeit und die Liebe, so wie es sein soll. Eine schöne kleine Geschichte, flüssig zu lesen und irgendwie zündet sogar das Kopfkino und macht daraus einen bitterböse schwarze Komödie mit ordentlich Splatter.

Lars Lenth ( (c) Limes Verlag, 2019)

Soundtrack dazu: Joy Division – Atrocity Exhibition, was sonst?

PS: Das norwegische Original ist mir Den Norske Patitenten einfach viel smarter betitelt, zumal dieses auch im Buch an entscheidender Stelle referenziert ist. Der Vogel Bezug ist zwar auch um Buch aber eben nicht so passend.

Was saht Lars dazu?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.329

Lars Lenth - Der Lärm der Fische beim Fliegen (Limes, 2018)
Lars Lenth – Der Lärm der Fische beim Fliegen (Limes, 2018)

Gelesen: 27.06. – 03.07.2018, netto 282 Seiten

Das ist irgendwie kein Krimi sondern ehr ein Buch , das einem den Genuss von norwegischem Fjordlachs aber sowas von vermiest. Aber sowas von.

Der Held Leo ist ein Anti-Held, lebt zurückgezogen in einem reichen Vorort von Oslo und lebt von seinem Erbe, seinen Schallplatten und von der Einnahme von Valium. Ein echter Hänger. Aber ein Freund, der Lachskönig Axel, braucht seine Hilfe und überredet ihn bei seinen Fjordlachs-Farmen nach dem rechten zu sehen – sie werden nämlich von Umweltschützern sabotiert.

Und vor diesem Hintergrund breitet Lars Lenth (in Norwegen ein TV bekannter Fischer) eine kleine Kriminalgeschichte aus. Und ein noch größeres Lehrstück über die Umweltschänden, die die Lachsfarmen in Norwegen verursachen. Da ist keine Romantik sondern nur knallharte Gewinnmaximierung auf Kosten der Umwelt und der Verbraucher.

Wenn das alles wäre, dann wäre das Buch langweilig. Aber zum Glück heißt es im Original Brødrene Vega und genau die Brüder Vega machen das Buch lesenswert: Zu Geld gekommene Hinterwäldler, die für den Lachskönig vor Ort die Farmen betreuen. Und dabei vor Mord und anderen Dingen nicht zurückschrecken. Und damit durchkommen, weil einer der drei Brüder der Polizeikommandant im Fjord ist.

So läuft es am Ende doch auf eine einigermaßen spannende Geschichte mit ordentlich Gewalt hinaus. Und das dabei die norwegische Lachsindustrie runtergemacht wird passt gut (und dürfte der Wahrheit entsprechen).

Soundtrack dazu: Shipwrecked, was sonst?

PS: Und wieder einmal ist das original Cover um längen besser – warum nur wird ein neues gemacht?

Lars Lenth - Brøderne Vega (Kagge Forlag, 2015)
Lars Lenth – Brøderne Vega (Kagge Forlag, 2015)

Und was macht Lars Lenth sonst so? Fischen und reden: