Bücher, schnell gelesen: Teil 1.360

Larry Brown - Joe (Heyne Hardcore, 2018)
Larry Brown – Joe (Heyne Hardcore, 2018)

Gelesen: 03. – 07.12.2018, netto 338 Seiten

Larry Browns Fay hat mich ja sowas von überzeugt, Joe ist quasi das prequel dazu. Joe entstand 1991 (Fay dagegen erst 2000). Am Anfang von Fay hatte ich mich gefragt wo dieses Mädchen herkommt, in Joe erfahren wir am Rande warum sie vor ihrer Familie resp. ihrem Vater davongelaufen ist. 

Aber nur am Rande, den ihr Bruder Gary ist der Co-Held von Joe. Joe Ransom ist ein Ex-Knackie, der am Arsch der Welt sein Geld mit so großartigen Jobs wie „Rodung durch Gift“ verdient. Dabei läuft ihm Gary über den Weg und er will dem Jungen helfen von seinem gewalttätigen Vater wegzukommen.

Alles was bei Fay langsam dahinzieht erfolgt hier ehr Schlag auf Schlag. Aber genauso wie in Fay geht es um das Elend des Arbeits- und Zukunftslosen White Trash und dem Leben am Arsch der Welt.

Liebe gibt es nicht. Zukunft gibt es nicht. Horizont gibt es nicht. Aber Alkohol, Drogen und die Gier … nach Geld, nach Drogen und nach Macht.

Großartiges Buch, am besten direkt mit dem Nachfolger zusammen lesen.

Soundtrack dazu: Black Market Baby – Joe Nobody, was sonst?

Und verfilmt wurde das Buch mit Nicolas Cage:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.358

James Lee Burke - Dunkler Sommer (Heyne Hardcore, 2018)
James Lee Burke – Dunkler Sommer (Heyne Hardcore, 2018)

Gelesen: 21. – 25.11.2018, netto 547 Seiten

Das ist irgendwie die Komplettierung der Holland-Familien Reihe von James Lee Burke: Aaron Holland Broussard ist der Enkel von Hackberry Holland und Fremdes Land und Vater und Sohn sind die Partner zu Dunkler Sommer – und das alles ist dann eine Trilogie.

Das Buch setzt die Zeitreise entlang der Geschichte der Familie Holland fort, im Houston von 1952 trifft Aaron als 17-jähriger Schüler nicht nur auf die Liebe seines Lebens sondern auch auf eine Gesellschaft voller Spaltung: Die Mafia macht ihre Geschäfte, die Cops machen ihre Geschäfte und die Mexikaner machen ihre Geschäfte. Und wer kann, flieht. Wer zwischen Pest und Cholera nicht wählen kann meldet sich freiwillig für den Korea-Krieg (und stirbt da).

Aaron macht alles richtig, weil er ein guter Junge ist. Aber er ist auch Aufrecht und Stur – das wiederum bringt ihm Ärger mit allen ein: Der Mafia, den Copy und den Mexikanern. Ohne zuerst zu wissen warum geht es für ihn in eine Spirale der Gewalt.

Ein sehr ernstes Buch über eine Zeit die gefühlt ewig her ist – würde mich nicht wundern wenn es in den US of A irgendwie heute nicht anderes ist (Ein Land, tief gespalten).

Liebe, Hoffnung und das durchstehen der unausweichlichen Gewalt: Es gibt wohl nichts besseres für einen jungen Menschen als so eine Sozialisation – oder?

Soundtrack dazu: The Frustrators – West of Texas, was sonst?

Und was sagt James Lee Burke?

 

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.353

James Carlos Blake - Das Böse im Blut (Heyne Hardcore, 2015)
James Carlos Blake – Das Böse im Blut (Heyne Hardcore, 2015)

Gelesen: 03. – 12.11.2018, netto 439 Seiten

Kein Krimi, ehr ein Zwitter: Entweder die Geschichte zweier Brüder, die den Westen erobern wollen und auf zwei Seiten der Geschichte landen. Oder aber ein Geschichtsuntericht, unter welchen Umständen sich die US of A den westlichen Teil von Texas und die heutigen Staaten Arizona, Kalifornien, Nevada, Utah sowie Teile von Colorado, New Mexico und Wyoming unter den Nagel gerissen haben.

Face value haben die US of A dafür damals 15 Mio $ bezahlt, in Wahrheit war es ein endloses Morden, Schlachten und Sterben.

Fun Fact:

Sobald Taylors Armee den Rio Grande erreicht hatte, begannen Soldaten zu desertieren und über den Rio Grande zu fliehen. Dies wird oft auf Ermunterung durch die Mexikaner zurückgeführt, hatte seinen Grund aber eher in der Fluchtmöglichkeit auf feindliches Gebiet. 

Der Dienst in der Armee war beschwerlich, sozial nicht hoch angesehen und schlecht bezahlt. 
Insgesamt verloren die Vereinigten Staaten 12.876 Mann, 11.155 davon durch Krankheiten.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mexikanisch-Amerikanischer_Krieg

Und in dieser Welt landen Edward und John Little auf der Suche nach Land in Texas, nachdem ihre Familie in Florida aufgrund einer durchgeknallten Mutter und einem gewalttätigen Vater implodiert ist. Und geschult durch Gewalt, ziehen sie eine Spur der Gewalt mit sich nach Westen, ehe sie getrennt werden und jeweils noch größerer Gewalt unterliegen.

Alles in diesem Buch ist real, realistisch und verdammt dreckig: Sterben ist dreckig. Töten ist dreckig. Überlegen kostet dich alles. Und du bist bereit den Preis zu bezahlen. Und einen geraden Weg, den gibt es nicht. Nur Zufälle die dich in eine Richtung schubsen.

John wird Soldat der US Armee und zieht gegen Mexiko in den Krieg, nur um bei der ersten Gelegenheit zu desertieren und Teil der mexikanischen Armee zu werden. Edward wird Bandit und überfällt alles in Texas, was sich nicht zu verteidigen weiß. Vor allem aber Indianer, da es für jeden Skalp Geld gibt. Nur um am Ende mit seiner Banditentruppe bei der US Armee zu landen, weil sie sich in der Gegend nun mal besser auskennen und das Morden einfach so nebenbei erledigen.

In einem großen Finale (das entlang echter historischer Ereignisse erzählt wird) treffen beide in einer blutigen Schlacht aufeinander. Am Ende wird der eine Bruder den anderen beerdigen und damit alle Hoffnung fahren lassen.

Eine großartige Geschichte die mit jedem edlen Western Klischee aufräumt. „The Birth of a Nation is a bloody gory exercise“ hat mal jemand gesagt, hier ist der Leser live dabei.

Nichts für zarte Seelen, die an das Gute glauben.

Menschen werden erschossen, erschlagen, erstochen, kastriert, ausgeweidet, gepfählt, lebendig gehäutet, erhängt, skalpiert, gevierteilt, geopfert und in die Luft gesprengt. Die sexuellen Perversionen reichen von Vergewaltigung und Inzest zu Sodomie und Nekrophilie.

Soundtrack dazu: Hola Ghost – Mexico, was sonst?