Tag: HarperCollins

  • Bücher, schnell gelesen: 1.849

    Bücher, schnell gelesen: 1.849

    Tim O’Brian – America Fantastica (HarperCollins, 2026)

    Gelesen: 15. – 30.07.2026 (netto 518 Seiten)

    Aus dem Amerikanischen von Gregor Hens.

    Ein ziemlich durchgeknallter Roadmovie, vor dem Hintergrund der ersten Präsidentschaft von D.J. Trump und Covid.

    America, land of the fantasts.

    Boyd Halvorson, einst Starjournalist, dann berüchtigter Online-Desinformations-Troll und schließlich JCPenney-Filialleiter hat genug. Um seinem Elend zu entkommen beschließt er am Samstag seine Bank auszurauben. Mit 81k$ und der Kassiererin Angie Bing als Geisel macht er sich auf den Weg Rache zu nehmen.

    Gejagt von seiner eigenen Vergangenheit (sein Leben und sein journalistisches Werk waren mehr Lüge als Wahrheit) und desillusioniert von der Gegenwart (arm und bedeutungslos), verfolgt Boyd ein einziges Ziel, bevor ihn die Behörden einholen: Er will mit dem Mann abrechnen, der sein Leben zerstört hat.

    Bis Montag erreichen die beiden Mexiko; im Winter befinden sie sich in einer Villa am See in Minnesota. Auf ihren Fersen sind Auftragskiller, eifersüchtige Liebhaber, Ex-Häftlinge, eine Erbin, ein milliardenschwerer Reeder, ein Irak-Veteran mit drei Fronteinsätzen sowie die Geister aus Boyds Vergangenheit.

    Alle, so scheint es, außer der Polizei.

    Dafür ist Angie eine dauerquasselnde Nervensäge, ihr mörderischer Exfreund will sie zurück, der einzige Cop auf seinen Fersen arbeitet für die betrügerischen Bankbesitzer und das Geld … das darf der Bank gar nicht fehlen. Denn dann würden die Bücher geprüft. Und das wäre nicht gut für die Besitzer der Bank, die sich mit dem Geld ihrer Kunden ein gutes Leben machen.

    Auch wenn es viel ist, es wird nicht langweilig in diesem Kosmos. Meine Lieblingsfigur ist Randy, ex-Freund von Angie. Strunzdumm. Kriminell. Mörderisch (ordentlich Gore). Einfach. Und so Bauernschlau das er immer wieder davonkommt.

    Dazu eine endlose Schar von Unternehmern, die nichts anderes machen als den gemeinen Amerikaner auszunehmen.

    Perfekter Spiegel für die US of A, wo der Bezug zur Wahrheit auf gefährliche Weise verloren gegangen ist und die Mehrheit nach Illusionen zu dürsten scheint. Und sich willig ausnehmen lässt.

    Soundtrack dazu: Lazy Cowgirls – Frustration, Tragedy And Lies, was sonst?

    PS: Und Tim O’Brian so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.806

    Bücher, schnell gelesen: 1.806

    Anne Hillerman – Tony Hillerman’s Landscapes (HarperCollins, 2009)

    Gelesen: 31.12.2025 (netto 182 Seiten)

    Im englischen Original gelesen, wird sicher nie auf Deutsch erscheinen.

    Manchmal ist die naheliegendste Idee auch die Beste.

    Tony Hillerman, dessen großartige Navajo Krimiserie im Unionsverlag erscheint, beschreibt in seinen Büchern absolut plastisch die Landschaft der Dinétah (“Land Of The Diné”), so plastisch das zumindest bei mir das Kopfkino zuverlässig zündet.

    Seine Tochter Anne hat 2009 dieses Vermächtnis kreiert, die Idee entstand noch zusammen mit Tony in 2007, leider ist Tony vor Vollendung 2008 verstorben.

    Ziemlich gut nimmt Anne Szenen aus den Büchern ihres Vaters, der die Gegend im Detail kannte und eben als perfekten Hintergrund benutzte, und stellt sie in den historischen Kontext und liefert großartige Farbfotos der Schauplätze.

    Die Fotos haben bei eine perfekte Distanz, in vielerlei Hinsicht. Vor allem aber, weil es meist Panoramafotos sind. Und die Landschaft ist … Episch!

    Die Idee ist so gut, das ich sowas gerne auch für James Ellroy, Jo Nesbø, James Lee Burke und … Simone Buchholz hätte. Wer machts!

    Perfekter Companion für ein perfektes Lesevergnügen. Und ein mehr als würdige Ehrung für einen großartigen Schriftsteller und Bewahrer von Navajo-Kultur.

    Soundtrack dazu: The Copyrights – Part Of The Landscape, was sonst?

    PS: Und Anne so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.729

    Bücher, schnell gelesen: 1.729

    Don Winslow – City In Ruins (HarperCollins, 2024)

    Gelesen: 07. – 11.09.2024 (netto 433 Seiten)

    Aus dem Englischen von der wunderbaren Conny Lösch (ein Qualitätsmerkmal). 

    Das 24te Buch von Don Winslow das ich hier verewige und das letzte Buch das Don – nach seiner Aussage – geschrieben hat.

    Und das staubige Ende der Danny Ryan Trilogie (denn Don Winslow führt Danny nicht durch sondern in die Wüste).

    Es begann in Rhode Island, als der junge Danny mit ansehen musste, wie der Mob-Krieg zwischen den irischen und italienischen Familien eskalierte (City on Fire).

    Nach seiner Flucht aus Rhode Island nach Kalifornien gerät Danny zunächst in Kontakt mit einer zwielichtigen Gestalt aus den Geheimdiensten der US of A und landet dann in Hollywood (City Of Dreams).

    Jetzt hat er in der Glücksspielbranche in Las Vegas Fuß gefasst und sein Glück gefunden. Eine Branche mit traditionellen Mafiaverbindungen, die aber inzwischen tief im Hintergrund sind. Eine Branche, die mit aller Kraft versucht, ihre schmutzigen Verbindungen zur organisierten Kriminalität zu lösen – ein Damoklesschwert, das Danny während seines gesamten Aufstiegs in der Branche belastet.

    Ganz zu schweigen von den schmutzigen kleinen Geheimnissen der meisten Vermögen, die auf dem Strip gemacht wurden. Wo kam eigentlich das Geld von Danny her?

    Don Winslow erzählt drei parallele Geschichten: Dannys in Vegas, Chris Palumbos versteckt im Mittleren Westen und dann zurück in Rhode Island sowie die eines Mafia-Mordprozesses in Rhode Island. Die drei Handlungsstränge sind miteinander verbunden, aber Don Winslow bringt sie nicht wirklich zusammen – wer die anderen Bücher nicht im Kopf hat, dem fehlt hier was.

    Das Buch hat Tempo, das Buch hat ausreichend Brutalität und das Buch ist sogar realistischer als der Vorgänger – das Ende aber ist, na, “almost lackluster“. Schade, hätte mir eine Überraschung, ein Big-Bang – ein Killer Moment gewünscht. Aber – es ist ein allzu menschliches Ende, wenigstens.

    So bleibt eine Trilogie, die sicher nicht zum Besten von Don Winslow gehört. Eine Trilogie, die James Ellroy in ein Buch verpackt hätte.

    Dennoch: Danke für viel Lesevergnügen Don!

    Soundtrack dazu: Proton Packs – Ruins Of The Galaxy, was sonst?

    PS: Und Don Winslow so …