Anne Hillerman – Tony Hillerman’s Landscapes (HarperCollins, 2009)
Gelesen: 31.12.2025 (netto 182 Seiten)
Im englischen Original gelesen, wird sicher nie auf Deutsch erscheinen.
Manchmal ist die naheliegendste Idee auch die Beste.
Tony Hillerman, dessen großartige Navajo Krimiserie im Unionsverlag erscheint, beschreibt in seinen Büchern absolut plastisch die Landschaft der Dinétah (“Land Of The Diné”), so plastisch das zumindest bei mir das Kopfkino zuverlässig zündet.
Seine Tochter Anne hat 2009 dieses Vermächtnis kreiert, die Idee entstand noch zusammen mit Tony in 2007, leider ist Tony vor Vollendung 2008 verstorben.
Ziemlich gut nimmt Anne Szenen aus den Büchern ihres Vaters, der die Gegend im Detail kannte und eben als perfekten Hintergrund benutzte, und stellt sie in den historischen Kontext und liefert großartige Farbfotos der Schauplätze.
Die Fotos haben bei eine perfekte Distanz, in vielerlei Hinsicht. Vor allem aber, weil es meist Panoramafotos sind. Und die Landschaft ist … Episch!
Die Idee ist so gut, das ich sowas gerne auch für James Ellroy, Jo Nesbø, James Lee Burke und … Simone Buchholz hätte. Wer machts!
Perfekter Companion für ein perfektes Lesevergnügen. Und ein mehr als würdige Ehrung für einen großartigen Schriftsteller und Bewahrer von Navajo-Kultur.
Aus dem Englischen von der wunderbaren Conny Lösch (ein Qualitätsmerkmal).
Das 24te Buch von Don Winslow das ich hier verewige und das letzte Buch das Don – nach seiner Aussage – geschrieben hat.
Und das staubige Ende der Danny Ryan Trilogie (denn Don Winslow führt Danny nicht durch sondern in die Wüste).
Es begann in Rhode Island, als der junge Danny mit ansehen musste, wie der Mob-Krieg zwischen den irischen und italienischen Familien eskalierte (City on Fire).
Nach seiner Flucht aus Rhode Island nach Kalifornien gerät Danny zunächst in Kontakt mit einer zwielichtigen Gestalt aus den Geheimdiensten der US of A und landet dann in Hollywood (City Of Dreams).
Jetzt hat er in der Glücksspielbranche in Las Vegas Fuß gefasst und sein Glück gefunden. Eine Branche mit traditionellen Mafiaverbindungen, die aber inzwischen tief im Hintergrund sind. Eine Branche, die mit aller Kraft versucht, ihre schmutzigen Verbindungen zur organisierten Kriminalität zu lösen – ein Damoklesschwert, das Danny während seines gesamten Aufstiegs in der Branche belastet.
Ganz zu schweigen von den schmutzigen kleinen Geheimnissen der meisten Vermögen, die auf dem Strip gemacht wurden. Wo kam eigentlich das Geld von Danny her?
Don Winslow erzählt drei parallele Geschichten: Dannys in Vegas, Chris Palumbos versteckt im Mittleren Westen und dann zurück in Rhode Island sowie die eines Mafia-Mordprozesses in Rhode Island. Die drei Handlungsstränge sind miteinander verbunden, aber Don Winslow bringt sie nicht wirklich zusammen – wer die anderen Bücher nicht im Kopf hat, dem fehlt hier was.
Das Buch hat Tempo, das Buch hat ausreichend Brutalität und das Buch ist sogar realistischer als der Vorgänger – das Ende aber ist, na, “almost lackluster“. Schade, hätte mir eine Überraschung, ein Big-Bang – ein Killer Moment gewünscht. Aber – es ist ein allzu menschliches Ende, wenigstens.
So bleibt eine Trilogie, die sicher nicht zum Besten von Don Winslow gehört. Eine Trilogie, die James Ellroy in ein Buch verpackt hätte.
Don Winslow – City Of Dreams (HarperCollins, 2023)
Gelesen: 28.09 – 29.09.2023, 10.10. – 12.10.2023 (netto 352 Seiten). Mit Leseunterbrechnungen wg. RWC2023, großartigem Fußball, Konzerten und anderen Ablenkungen.
Übersetzt von der wunderbaren Conny Lösch, ein Qualitätsmerkmal.
Der zweite Teil der kleinen Mafia-Saga von Don Winslow und damit nur noch ein Buch weg von seinem literarischen Ende.
So eine richtige Saga ist das aber nicht, James Ellroy hätte das in einem Band mit 700+ Seiten verarbeitet. Das wäre dann eine Saga gewesen.
Der erste Band war ganz ok, der zweite Band kackt mir leider einen Continuity Fehler direkt ins Gesicht:
Prolog in City Of Fire:
(c) HarperCollins 2022(c) HarperCollins 2022
Und der Start in City Of Dreams:
(c) HarperCollins 2023(c) HarperCollins 2023
Fällt euch was auf? Wer kann mir das erklären?
Diese Irritation mal beiseite gewischt geht die Geschichte um Danny Ryan tatsächlich spannend weiter. Er und seine kleine Rest-Crew schaffen es weg von der Ostküste, weg von den korrupten Cops (die ihn tot sehen wollen), weg vom FBI (das ihn einfach … Magie! … verschwinden lassen würde) und weg von der Italienischen Familie (die in auch tot sehen wollen).
Kalifornien, Westküste, ist das Ziel. Da kommen sie heil an und Ryan bekommt den Deal seines Lebens hin: Einen Job für die DEA (einen mexikanischen Drogenboss um sein Taschengeld erleichtern, ein Teil der Beute behalten und den Rest als Schwarzgeld an das CIA abgeben). Und dann sind er uns seine Crew frei, mit genug Kohle ums nicht mehr zu arbeiten. Aber bitte unter dem Radar bleiben.
Sie bekommen das hin und spazieren in die Freiheit. Zumindest wird keine Polizei, kein FBI und auch nicht eine andere Behörde mehr nach ihnen suchen. Aber bitte unter dem Radar bleiben.
Hollywood, Las Vegas … unter dem Radar? Nicht wirklich, spätestens als Danny sich in einen veritablen Hollywood Star verliebt und die Paparazzi ihn ablichten ist nix mehr mit “unterm Radar”. Und Hollywood? Gehört einem Nebenzweig der Familie von der Ostküste (und dem Outfit). Und deren Geschäfte stört Danny dann auch mal im vorbeigehen (und dank seiner Geldwäsche über einen Film in dem es … um sein Leben geht).
Ziemlich verrückte Geschichte aber aus jeder Sicht irgendwie völlig denkbar und sehr real. Und natürlich gibt es in der City Of Dreams eine böses Erwachen. Und Tote. Und natürlich ein – überraschend gutes – Ende mit Cliffhänger.
Bin echt gespannt in welche Richtung Don Winslow Danny in seinem letzten Buch ever führt. In erste Linie wohl mal wie Gott Moses durch die Wüste. Aber dann?