Bücher, schnell gelesen: Teil 1.320

Stuart Bailie - Trouble Songs (Bloomfield Press, 2018)
Stuart Bailie – Trouble Songs (Bloomfield Press, 2018)

Gelesen: 08. – 13.05.2018, netto 261 Seiten

Punk Rock auf Nordirland, besser aus Belfast, war durch Zufall immer ganz oben auf meiner Liste. Stiff Little Finger, The Outcasts, Rudi, Protex … und noch viele mehr. Zuerst waren das alle „englische“ Bands, dann irgendwann habe ich verstanden wo die eigentlich herkommen (und habe im Fernsehen immer mal wieder die Bürgerkriegszustände in Nordirland und speziell in Belfast wahrgenommen).

Dennoch blieb das ganze irgendwie im Nebel und weit weit weg. Einzig Songs wie Wasted Life (die wahrscheinlich beste B-Seite einer Single ever) gaben einem ein direktes Gefühl für die Wut, den Frust und die Sorgen der Kids in Belfast. Bis heute kann ich diesen Song mitsingen und die Energie die er ausstrahlt ist einfach gigantisch.

Und genau darum geht es in diesem Buch (über Kickstarter finanziert): Das Aufkommen von Rock Mu-sick im zutiefst christlich geprägten Irland und in Nordirland und der Übergang zu Punk Rock (und später anderen Stilen). Stuart Bailie war selber mittendrin:

ACME MUSIC (front left: Stuart Bailie)
ACME MUSIC (front left: Stuart Bailie)

In seiner kleinen Band hatte er den kleinen Bruder von einem von Rudi mit dabei, aber sie erreichten nie irgendeinen Erfolg. Aber er hat alles direkt miterlebt und die Zeit von 1977 an nimmt dann auch den zentralen Teil des Buches ein.

Ich kenne inzwischen die Troubles (ein grässlicher Euphemismus) ganz gut, da ich die Bücher von Adrian McKinty, Sam Millar (von ihm passt hier „On The Brinks“ perfekt) und anderen verschlinge. Und dort kommt der harte Teil des Lebens in einem Bürgerkrieg ganz gut rüber. Und auch, dass viele der Parteien eigentlich nie ein Interesse hatten ihn zu beenden, da sich damit sehr viel Geld verdienen ließ (und lässt).

Irishtimes on "Trouble Songs"
Irishtimes on „Trouble Songs“

Was Stuart durch viele Details und viel Oral History herausarbeitet ist für einen aufmerksamen Übersetzter der Songs von zB SLF nicht überraschend – aber in seiner Klarheit und Vollständigkeit kommt es hier einfach perfekt rüber:

Musik (erst Rock Musik, dann Punk Rock) erlaubte uns als jugendlichen kleine Fluchten. Für die jungen und älteren Kids in Belfast und Nordirland war es dagegen die große Flucht und der Ansporn sich anders zu entscheiden. Dort war die Musik Überredungskünstler, Agitator und Friedensstifter. Klingt extrem hochtrabend aber stimmt.

Spannend auch, welche Bands eine Rolle spielten: Das Bananarama da auch eine Rolle spielten und diese eine Überschneidung mit SLF hatte – wow, die Welt ist ein Dorf.

Ein klasse Buch, voller Gewalt und voll mit Gründen ihr nicht nachzugeben bzw. nachzugehen. Danke Stuart!

Soundtrack dazu: Stiff Little Fingers – Alternative Ulster, was sonst?

PS: Das Titelfoto zeigt Dr. Feelgood vor einem typischen Pub in Belfast. Sie erinnern sich wie folgt daran:

Dr. Feelgood in Belfast 1978 ( (c) Chalkie Davies)
Dr. Feelgood in Belfast 1978 ( (c) Chalkie Davies)

PPS: Der Author stellt das Buch so vor…

Mehr zum Buch gibt es hier!

PPPS: Greedy Book Collectors are pretentious arseholes …

I put money forward and got a fitting dedication from the author ...
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