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  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.337

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.337

    Christof Weigold - Der Mann, der nicht mitspielt (Kiepenheuer & Witsch, 2018)
    Christof Weigold – Der Mann, der nicht mitspielt (Kiepenheuer & Witsch, 2018)

    Gelesen: 10. – 19.08.2018, netto 622 Seiten

    Ein Buch direkt aus Kenneth AngersHollywood Babylon” war mein erster Gedanke im Laden, also hab ich genauer hingeguckt.

    Die Story von Roscoe “Fatty” Abuckle und Virgina Rappe war mir aus den Büchern von Anger wohl bekannt, die Idee daraus einen historischen Krimi zu machen klingt smart. Leider bin ich was Crime und L.A. angeht von James Ellroy komplett vertoppt und meine Messlatte hängt daher sehr hoch.

    Christof Weigold scheint ein versierter Theater- und Drehbuchautor zu sein und ist daher in der Lage eine Geschichte gut aufzuschreiben. Trotz der 600+ Seiten kam nur ganz selten ein Gefühl der Länge auf, das Buch hält eine gute Balance von Detail und Beschreibung der Stummfilmzeit, um die Atmosphäre zu erzeugen, auf der einen Seite und Tempo, um die Handlung spannend zu machen.

    Das der Held nun unbedingt ein Deutscher sein muß, tja – ist wohl der Tatsache geschuldet das einige der damaligen Film-Mogule Deutsche waren. Der daraus entstehende Twist kommt allerdings nicht wirklich rüber.

    Das Buch ist OK aber mit der Messlatte James Ellroy kommt es nicht klar: Zu wenig Tempo, zu wenig Gewalt, zu wenig hardboiled. Als Experiment dennoch gelungen, ich hab mich nicht gelangweilt.

    Soundtrack dazu: Mung – The Ballad of Fatty Arbuckle, was sonst?

    PS: So sah das Hotel-Zimmer von Arbuckle nach der Party aus, bei der der Virgina Rappe Fall zur Legende wurde – das war damals natürlich ein Skandal (heute kann das eine drittklassige Rockband):

    Appartamento 1221 del st. francis hotel di s. francisco, 5 settembre 1921

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.336

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.336

    James Lee Burke - Weisses Leuchten (Pendragon, 2017)
    James Lee Burke – Weisses Leuchten (Pendragon, 2017)

    Gelesen: 03. – 09.08.2018, netto 496 Seiten

    Im Original hat James Lee Burke dem Buch eine absolut genialen Titel gegeben: “A stained white radiance“. Das ist wörtlich “ein fleckiger weißer Glanz” und natürlich ein denkbar ungeeigneter Titel in Deutsch. Aber “Weisses Leuchten” ist dann einfach auch viel zu kurz gegriffen, weil es im Buch durchgehend den Hintergrund von White Supremacy gibt und James Lee Burke eben dieses äußerst hässliche Weiß meinte.

    Es ist Band 5 der Dave Robicheaux Serie und Dave ist mal wieder Detektive beim Sheriff des Iberia Parish. Über diesen freundlichen Flecken schreibt Wikipedia folgendes:

    Relations between whites and blacks were troubled after the Civil War, as whites sought to dominate freedmen, by violence and intimidation if necessary. 
    
    The period after the Reconstruction era was one of increasing violence through the early part of the 20th century. 
    
    In this period, Iberia Parish had 26 lynchings of African Americans by whites, part of racial terrorism.
    

    Und in dieser Gesellschaft hat auch Dave Beziehungen, unter anderem auch zur Familie des Öl-Magnaten Weldon. Und ein Anschlag auf die Familie bringt Dave, der mal wieder nicht loslassen kann, in das große Spiel um Geld, Macht und die Spieler hinter den Kulissen: Junge Mafiosi (mit alten Rechten von der Mafia beliehen) und alte KKK-Anhänger (die sich heute im neue  Gewand zeigen). Am Ende bleiben es Arschlöcher aber diese Arschlöcher machen Dave den Job zur Hölle.

    Am Ende bleibt es eine Familiengeschichte, aber da die Familie nicht drüber sprechen will gibt es reichlich Opfer. Und Dave ist das größte Opfer – er nimmt sich (mal wieder) eine Auszeit von der Polizeiarbeit.

    Wie immer bei James Lee Burke eine Runde Sache und insbesondere der beiläufige Blick auf die stainded white radiance macht die Sache so intensiv.

    Soundtrack dazu: Shit Dogs – Don’t hide the Razorblades, was sonst?

    Bonus:

    https://www.youtube.com/watch?v=ghZoiCZkkKI

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.335

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.335

    James Lee Burke - Schmierige Geschäfte (Pendragon, 2017)
    James Lee Burke – Schmierige Geschäfte (Pendragon, 2017)

    Gelesen: 26.07. – 02.08.2018, netto 471 Seiten

    Ein weiteres Buch das ich schon habe: Seit Anfang der 90er steht bei mir die ehr billige Ullstein-Taschenbuch Ausgabe rum (und ist arg zerlesen). Der Pendragon Verlag bringt ja die Dave Robicheaux Krimis neu heraus, also hab ich mir die Neuauflage gegönnt.

    Es ist der logisch 3te Band der Serie und ist für mich ein wunderbar dichtes Meisterwerk. Dave ermittelt abseits der Bayous und in eigener Sache. Ein alter Kumpel hat ihn in was reingezogen und immer noch tief frustriert über den Mord an seiner Frau hat sich beim Versuch seine kleine Idylle zu verteidigen eine Mordanklage eingehandelt.

    Um diese loszuwerden muss er nach Montana und versuchen den einzigen Belastungszeugen (der den Mord wohl selbst verübt hat) zum Reden zu bringen.

    Das ganze ist ein perfekter Hardboiled Krimi, mit einem coolen Setting in Montana: Windige Ölgeschäfte, aufbegehrende Indianer und profitwitternde Mafiosi sind seine Begleiter. Und der eine und andere Knochen wird auch gebrochen.

    Toll ist das Buch immer da wo Dave versucht wieder ein normales Familienleben zu führen … und irgendwie scheitert. Natürlich gibt es am Ende ein Happy End aber eben auch einen weiteren Kratzer auf der Seele von Dave.

    Und das Ding ist wirklich nie verfilmt worden? Unfassbar!

    Soundtrack dazu: The Skoidats – Last Night, was sonst?

    Die 92er Version auf Ullstein hat ein so richtig verkacktes Cover:

    James Lee Burke - Black Cherry Blues (Ullstein, 1992)
    James Lee Burke – Black Cherry Blues (Ullstein, 1992)

    PS: Und in diesem Zusammenhang dann noch eine unappetitliche Fundsache über Wertschätzung und Entlohnung von Übersetzern … dabei sind die so wichtig und entscheiden letztendlich über die Qualität eines Buches. Grrrr….