Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.572

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.572

    Denise Mina – Totstück (Ariadne, 2021)

    Gelesen: 10. – 19.02.2022, netto 308 Seiten

    Es sind “nur” 308 Seiten zu lesen aber dieses Buch ist schwer wie Blei und gefühlt sind es 500 Seiten. Und das liegt in erste Linie daran, das die Story Gewicht hat.

    Und das nicht nur weil sie geschickt mit Klassenunterschieden spielt sondernm weil es – stark destiliert – eine weibliche hard-boiled Story ist.

    Margo ist Ärztin in Glasgow, hat viel gesehen und erlebt. Aber irgendwas fehlt und dafür such sie ihre leiblichen Eltern. Und stolpert in eine schmutzige Geschichte und einen Serienmörder. Und lernt so ihre Familie kennen.

    Und ab da biegt Denise Mina aber sowas von elegant vom vorhersehbaren Krimi ab: Margo entpuppt sich als weniger stark als sie dachte, ihre Mutter entpuppt sich als Teenie-Junkie Hure, die abgeschlachtet wurde und ihre Tante als Ex-Junkie, der Rache will. Und das alles vor dem Hintergrund einer festgefügten männlichen Sicht von Öffentlichkeit, Polizei und Presse auf tote Nutten (die niemanden interessierten – so lange sie aus der Gosse kamen).

    Glasgow in den 80ern, mal wieder ganz unten: Heroin, Mord – das volle Programme.

    Margo versucht über Wasser zu bleiben, versucht das richtige nach den gültigen Verhaltensweisen zu machen, nur um immer wieder zu verlieren. Dem Rollenbild entsprechend. In quasi Echtzeit rast die Geschichte auf ihr Ende zu …

    … um dieses dann mit einem schönen hard-boiled Knall zu setzen.

    Eine großartige Geschichte, schwer und mit viel Spannung – vor allem wegen dem fast dauerhaften Scheitern von Margo.

    Soundtrack dazu: Panic – Her Family’s On Drugs, was sonst?

    PS: Und Denise Mina so?

    Und Glasgow in den 80ern?

    https://www.youtube.com/watch?v=QDQWz2WYqJM
  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.571

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.571

    Mick Herron – Spook Street (Diogenes, 2021)

    Gelesen: 04. – 09.02.2022, netto 446 Seiten

    Der vierte Teil der Serie um die abgesägten Geheimdienstler. Diesmal geht der Bogen weit zurück in den Kalten Krieg und die Story kommt mit einem enormen Tempo daher. On Top gibt es den Wortwitz und die Situationskomik, die die Bücher von Mick Herron tatsächlich zu einem flottem Lesevergnügen macht.

    Der Kern der Story bleibt dabei ein perfekter Startpunkt: Geheimdienstler die entweder im aktiven Dienst katastrophale Fehlentscheidungen mit katastrophalen Konsequenzen (Zerstörung, Menschenleben) getroffen haben oder aber sich katastrophal in Alkohol, Drogen oder sonstige Abhängigkeiten begeben haben werden nicht einfach freigesetzt, sondern in ein katastrophales Abklingbecken versetzt (das unter einer Führung steht, die ebenfalls als politisch unkorrekte menschliche Katastrophe daherkommt).

    Während Polizei und Geheimdienst noch nach den Terroristen suchen, die einen Flashmob in einem Einkaufzentrum mit einer Selbstmordbombe in eine blutige Masse verwandelt habe stolpern die Versager am Rande der Geschichte rum (und stolpern dabei in die richtige Richtung, was sonst).

    Und klar, die Sympathischen in dem ganzen Chaos sind die Versager. Sind die Abgehalfterten. Jeder wurschtelt zwar für sich selbst dahin aber schon bald ist zu sehen, das sie ein spannendes Stück Kalter Krieg am Wickel haben.

    Schöne Geschichte, mit Witz, Tempo und Leichen. Und jede Figur ist mit viel Liebe und absolut realistisch gezeichnet. Klasse Stoff!

    Soundtrack dazu: Angelic Upstarts – Five Flew Over the Cuckoo’s Nest, was sonst?

    PS; Und Mick Herron so?

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.570

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.570

    Scott Thornley – Der Gute Killer (Suhrkamp, 2022)

    Gelesen: 28.01. – 04.02.2022, netto 391 Seiten

    Für einen Reihefolgeleser ist es schon frustrierend wenn der erste Band eigentlich der 2te ist und der zweite eigentlich der 4te. Nevermind – ein weiteres starkes Buch aus Kanada, ein weiteres Buch um Detective Superintendent MacNeice.

    Auch hier ist die Übersetzung des Titel (im Original Vantage Point) wenig passend (aber vielleicht ja der deutschen Serie geschuldet) und das Cover mit kluger Hand passend zur Story gestaltet.

    MacNeice und sein Team sind extrem fokussiert und eine perfekt abgestimmtes Mordermittlermaschine … wäre da nicht die Zerrissenheit von MacNeice: Zum einen redet er immer noch mit seiner an Krebs verstorbenen Frau, zum anderen bekommt er es nicht hin seine Beziehung zu DI Fiza Azis zu klären. Mitarbeiterin und Kollegin oder eine Frau, die er bewundert?

    Dazu gibt ein Serienkiller den Takt vor, der genauso fokussiert und perfekt abgestimmt seine Leichen in Szene setzt (Vantage Point!), nach außen aber ehr Chaos hinterlässt. Aber MaNeice schafft es sein Team auf die richtige Richtung zu bringen, viel zu schnell kommen sie ihm mit echter Polizeiarbeit auf die Spur, ohne näher zu kommen.

    Der Spannungsbogen um MacNeice (Trauer, Arbeit, Liebesgefühle) und der Spannungsbogen um den Killer (der eigentlich Arschlöcher abräumt) sind die große Stärke des Buches. Um so enttäuschender das am Ende ein Hollywood Action Ende steht statt eines anständigem Blutbades, bei dem auch einige Gute draufgehen. Auf mich wirkt dieses Ende irgendwie wie ein Fremdkörper.

    Trotzdem: Ich werde alle Bücher von Scott Thornley lesen.

    Soundtrack dazu: No Problem – Eyes Of A Killer, was sonst?

    PS: Und Scott Thornley so?