Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.593

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.593

    Sybille Ruge – Davenport 160×90 (Suhrkamp, 2022)

    Gelesen: 20. – 25.06.2022 (netto 253 Seiten, aufgrund eines Konzert-Marathons 2 Tage ohne Lesevergnügen)

    Thomas Wörtche ist schon ein Trüffelschwein: Der Erstling von Sybille Ruge ist schon ein veritabler Knaller. Für ein deutsches Buch viel Sprachwitz, hohes Tempo, ausreichend Blut und mit einem trocken Blick auf die Gesellschaft. Weiblich noch dazu.

    Die Heldin, mit dem coolen Namen Sonja Slanski (Hallo Slansky!), hält sich eigentlich wunderbar raus. Aber über ihre Affären stolpert sie in einen echten eigenen Job: Inkasso, auf die andere Art. Und als ihre Schwester in ihrer Wohnung umgebracht wird gibt sie auch noch die Privatdetektivin.

    Drogen? Klar. Sex – geht immer. Rücksicht? Keine. Liebe – gibt es nicht (obwohl sie sich in einen Polizisten vom BKA verguckt). Feinde? Alle da draußen, vor allem die selbstgefälligen Wirtschafts- und Kunstmäzene, ihre Society Damen und die Anwälte.

    Und neben bei legt sie sich auch noch mit Albanischen Drogenhändlern an, ist aber klug genug einen Rückzieher zu machen.

    Ein sehr cleverer Krimi aus einer aggressiven Ich-perspektive, wunderbar Sprunghaft und teilweise Assoziativ in seiner Erzählweise. Ich hab mich ganz wunderbar unterhalten gefühlt und bin gespannt ob da noch mehr kommt. Würde mich freuen!

    Soundtrack dazu: The Offenders – Lucky Enough To Live, was sonst?

    PS: Davenport 160×90, was soll das sein? Das ist ein ganz wunderbarer Kniff, den ihr am besten selbst rausfindet. Ich sage nur “Detektiv, Büro”. Und Zirkelschluss.

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.592

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.592

    Neal Stephenson – Termination Shock (William Morrow, 2021)

    Gelesen: 05. – 19.06.2022 (netto 705 Seiten, inEnglisch gelesen, noch nicht in Deutsch erschienen)

    Ich bin ja ein großer Neal Stephenson Fan und versuche alle seine Bücher direkt nach erscheinen aus den US of A zu bekommen, idealerweise #bookcollectorsarepretentiousarseholes als signed edition.

    Insofern war es ein schlechtes Omen das a) dieses Buch lange geliefert wurde und b) eine signierte Ausgabe außerhalb der US of A einfach nicht zu bestellen war.

    Irgendwas passte hier nicht. Und das sollte sich auch beim Lesen fortsetzen: Das Buch ist weder Fisch noch Fleisch, da es weder eine große und/oder überraschende Geschichte erzählt noch eine technisch spannende Sache durchkaut. Im besten Fall ist es eine leidlich spannende Geschichte, im schlechtesten Fall ist es eine schräge Proklamation nicht auf die Regierungen zu vertrauen wenn es um Global Warming und seine negativen Effekte geht.

    Das Buch spielt in einer nicht mehr so fernen Zukunft wo der Treibhauseffekt bereits voll zugeschlagen hat und in bestimmten Ecken der Erde es zu heiß ist, Stürme die Menschen bedrohen und der Anstieg des Meeresspiegels zum Beispiel die Niederlande extrem bedroht.

    Und hier nimmt ein Cowboy aus Texas, Reich ohne Ende, das Heft einfach in die Hand: Mit einer Schwefelkanone ballert er Schwefel in die Stratosphäre, wo es Sonnenlicht reflektiert und so die Erde abkühlt. Und was manchen hilft (Texas, NL, Venedig u.a.) macht andere wütend – im Punjab bleibt der Monsum aus.

    Ein paar schöne Details (Komantschen und ihre Art Krieg zu führen, Adler als Drohnenjäger, das Royal aus Royal Dutch oder auch Youtube/TikTok Heldentum), ein paar gute Ideen (China zündet eine Tsunami-Bombe vor der Niederländischen Küste um das Land auf Kurs Geoengineering zu bringen) und ein paar Einblicke in die Kunst der internationalen Politik.

    Aber irgendwie macht mein Kopfkino nie Klick. Schade.

    Eines seiner schwächeren Bücher, im Internet (damn Internet, never forgets) habe ich Mutmaßungen gelesen das es eventuell ein Folgebuch gibt. Das muss dann aber irgendwie Gas geben, sonst bleibt das irgendwie halbgar.

    Soundtrack dazu: Giant Eagles – Put One In The Chamber, was sonst?

    PS: An einer Stelle hat Neal sicher recht – wenn wir uns darauf verlassen das die Nationalstaaten dieses Problem lösen dann werden wir uns noch sehr wundern. Der Kampf um Bodenschätze, um Lebensmittel und um Wasser hat bereits begonnen – von denen kümmert sich keiner um den ganzen Planeten. Keiner.

    PPS: Und Neal?

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.591

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.591

    Eryk Pruitt – Das Schnelle Leben (Polar Verlag, 2022)

    Gelesen: 31.05. – 04.06.2022 (netto 360 Seiten plus Nachwort)

    Herrlich – ein weiterer Kandidat für das beste Anti-Drogen Buch für Jungerwachsene. Warum? Weil die Helden der Story ganz unten sind und es schaffen sich immer tiefer in den Drogensumpf zu arbeiten. Profis halt.

    Ihre Namen sind Schall und Rauch, da sie nach jedem Ding, jedem Deal und jedes mal wenn der alte Name verbrannt ist einen neuen annehmen.

    Jack ist eigentlich eine Wurst die nix hinbekommt, aber ausreichend brutal und ziemlich clever. Ein guter Hochstapler. Summer ist das Gegenteil, hauptsächlich dicht (was immer knallt wirft sie ein) aber eine geborene Einschmeichler- und Überrederin.

    Wenn Leute nicht high genug waren, um nach ihrer Pfeife zu tanzen oder sie interessant zu finden, stopfte Summer einfach ein neues Pfeifchen. Drehte einen weiteren Joint. Endlos immer so weiter, bis sie schließlich ihren Willen bekam.

    ( (c) Polar Verlag 2022)

    Die Story entwickelt sich dabei vom Ausgangsort (Jack & Summer haben ein Kilo Koks geklaut und versuchen das in einem texanischen Collegeort an die Kids zu bekommen) genauso erratisch wie die Tage eines Drogenabhängigen. Sie sind selbst ihre besten Kunden und reißen jeden anderen mit in den Abgrund. Und wenn es irgendwann keinen mehr gibt, dann nehmen sie halt sich selbst.

    Eigentlich eine lineare Geschichte, aber Eryk Pruitt nutzt einen kleinen Kniff um dem ganzen die Krone aufzusetzen: Sowie Summer und Jack ihre Namen ändern, wenn sie die Lokation ändern, ändert er auch den Plot. Und von und mit den Drogen kommen wir zur Religion. Und von da zu einer Sekte. Und weiter tief in den Abgrund von Lügen und Abhängigkeiten.

    Leichen? Viele! Die beste? Mit einem Bleistift im Hals verreckt. Humor? Schwarz! Tempo? Hoch! Und das beste: Ebenso wie seine Helden hat Eryk Pruitt offensichtlich keine moralischen Bedenken bei der Entwicklung seiner teilweise ganz wunderbar lakonisch und zynischen Geschichte.

    Ach ja, passend zu den US of A (und Texas inbesondere) gibt es auch noch eine ordentliche Portion Bigotterie. Und mit religiösen Wahrheiten kehren seine Helden auch mal das Blut eines Jüngers auf.

    Ganz großes Kopf-Kino, ich hoffe die anderen beiden Bücher des Autors kommen auch noch in Deutsch. In jedem Fall ein herzliches “Kuck mal, so sieht eine Drogenkarriere aus” Statement.

    Da könnt ihr euch dann entscheiden.

    Soundtrack dazu: DeRita Sisters – School Free Drug Zone, was sonst? OK, evtl. noch DeRita Sisters – Girls On Drugs!

    PS: Und Eryk Pruitt? Dreht auch Kurzfilme mit sich selbst.