Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.636

    Bücher, schnell gelesen: 1.636

    Kotaro Isaka – Suzukis Rache (Hoffmann und Campe, 2023)

    Gelesen: 01. –05.05.2023 (netto 297 Seiten).

    Ein echt untypischer Krimi aus Japan, vor allem weil die Geschichte mit sehr viel Humor daherkommt. Das Buch ist im Original von 2004 (!) und wurde wohl erst durch die erfolgreiche Verfilmung von Bullet Train (das Buch schrieb Isaka 2010) für den deutschen Markt interessant.

    Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren aus Japan setzt Isaka klar auf Tempo und auf sehr realen Irrsinn. Und das macht die Story extrem unterhaltsam.

    Im Grunde ist es ein “Ein Man sieht Rot” Muster: Der ehemalige Mathematikprofessor Suzuki will den Tod seiner Frau rächen. Als Schuldigen hat er den Sohn eines Unterweltbosses ausgemacht. Und an den versucht er ranzukommen, u.a. dadurch das er in seiner Organisation anheuert.

    Und dabei kreuzen sich seine Wege mit denen von 3 Profikillern: Der Pusher, der Leute killt in dem er sie vor Autos schubst. Der Wal, der Leute in den Selbstmord labern kann. Und die Zikade, ein zwanghaft schwatzhafter Messermörder, der jeden Auftrag übernimmt.

    Die Geschichte wird dabei aus allen 4 Blickwinkeln erzählt: Suzuki stolpert dabei ehr ungewollt seinem Ziel entgegen und die Killer machen das was sie können (auch wenn sie nicht alle überleben). Vor allem die Charaktere der Profikiller sind mit viel Liebe für das Schräge herausgearbeitet, ihre Dialoge bzw. Arbeitsweise sorgen immer wieder für Heiterkeit.

    Und mittendrin (aber irgendwie dann doch nicht so aktiv dabei) der aufrechte Suzuki.

    Tempo, Irrwitz und einige coole Wendungen. Perfekte Unterhaltung!

    Soundtrack dazu: Rocky & The Sweden – No Win Situation, was sonst?

    PS: In Japan wurde das Buch 2015 verfilmt…

    https://www.youtube.com/watch?v=i301EFFUU0M
  • Bücher, schnell gelesen: 1.635

    Bücher, schnell gelesen: 1.635

    Melissa Ginsburg – Sunset City (Polar Verlag, 2023)

    Gelesen: 27. –30.04.2023 (netto 196 Seiten).

    Aus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt.

    Wow, ein Krimi der im Gewand einer Alltagsgeschichte daherkommt. Charlotte hatte ihre beste Freundin Danielle an Drogen und das Gefängnis verloren – nur um sie danach wieder zu treffen und ihre Freundschaft von 0 auf 100 wieder zu beleben.

    Aber dann klingelt es bei Charlotte an der Tür und ein Detektiv befragt sie zum brutalen Tod von Danielle.

    Aus der Bahn geworfen fängt sie an Danielle nachzuspüren und findet Drogen, Pornos und Gewalt. Und in diese Welt steigt sie ein und spürt ihrer besten Freundin nach, immer mit einem Glimmer – entweder durch Drogen oder durch Alkohol. Weil sie sich Danielle ganz nah fühlen will.

    Und während die Cops den ersten Verdächtigen, der dankbarer Weise auch noch Tot in seiner Wohnung liegt, als Täter ausmachen lässt Charlotte sich weitertreiben. Und geht eine Affäre mit Danielles Porno-Partnerin ein. Und geht Danielle Mutter auf den Sack. Und spült lange versteckte Wahrheiten raus.

    Und, so ganz nebenbei und im Rausch, löst sie den Fall. Und bekommt ein Date mit dem Detektive.

    Eine wirklich ganz wunderbare kleine Geschichte, clever erzählt und kenntnisreich in Szene gesetzt. Realität pur, ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger.

    Perfekt.

    Soundtrack dazu: Really Red – Personal Hell, was sonst?

    PS: Und Melissa so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.634

    Bücher, schnell gelesen: 1.634

    Adam LeBor – District VIII (Polar Verlag, 2023)

    Gelesen: 19. – 26.04.2023 (netto 381 Seiten).

    Aus dem Englischen von Jürgen Bürger.

    Adam Lebor ist ein englischer Journalist der seit 1991 als Auslandskorrespondent in Budapest lebt und schreibt: Für Zeitungen aber auch Bücher. Beim Lesen des Buches merkt man ziemlich schnell das er sowohl die Ungarische Politik (und deren Machtzentren) als auch die Stadt und ihre Bewohner im Detail kennt und in Szene setzen kann.

    Das Setting ist 2015, zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise, als Ungarn versuchte … ja was eigentlich? Die westlichen EU Länder zu erpressen? Die Syrischen Flüchtlinge zu instrumentalisieren? Europa vor den Flüchtlingshorden zu schützen?

    Ne, ganz bestimmt nicht. Ungarn dachte zuerst an sich selbst und das in der Form einer korrupten Regierungskaste. Alte Linien, bis zurück zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. in den zweiten Weltkrieg.

    Die Hauptfigur ist wie die Flüchtlinge ein Aussenseiter: Balthazar Kovác, Kommissar bei der Mordkommission, ist Rom. Gypsy. Zigeuner. Aus Sicht des gemeinen Ungarns ein mit hoher Wahrscheinlichkeit Krimineller (was tatsächlich für seinen Bruder zutrifft). Über einen toten Syrer stolpert er in eine sehr banale Geschichte, die aber immer höher geht und am Ende ein System aufdeckt bei dem die Mächtigen so richtig absahnen.

    Mit relativ wenig Tempo geht die Geschichte voran, unter anderem auch weil Adam Lebor sehr viel Wert darauf legt die Stadt, ihre Bewohner, die Historie und die Minderheiten (Roma, Juden, Flüchtlinge aus dem Balkankrieg) zu beschrieben.

    Zum Ende hin nimmt die Geschichte Tempo auf und bekommt auch ein wenig mehr Härte: Eine Ministerin, die einen Killer mit dem Absatz ihrer Stilettos um die Ecke bringt ist schon eine echte Show. Obendrauf kommt dann sogar noch etwas von einem internationalem Spionagethriller.

    Spannend, interessant im Blick auf Budapest und Ungarn – das manchmal mangelnde Tempo ist zu verschmerzen.

    Soundtrack dazu: Stiletto Boys – Throw Me To The Wolves, was sonst?

    PS: Das war Budapest 2015…

    PPS: Unrealistischer Killer Plot? Nope!