Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.639

    Bücher, schnell gelesen: 1.639

    Carl Nixon – Rocking Horse Road (Weidle Verlag, 2012)

    Gelesen: 19. –22.05.2023 (netto 223 Seiten).

    Aus dem Englischen von Stefan Weidle.

    Offensichtlich ein Liebhaber, der Verleger und Übersetzer. Das Original ist von 2007, die Deutsche Fassung von 2012 und das ganze ist tatsächlich ein kleines, feines und ziemlich gelungen gestaltetes Buch.

    Die Geschichte ist vordergründig ein Krimi, immerhin geht es um den Mord an der 17jährigen Lucy, dem heimlichen Schwarm aller 15jährigen Jungs in der Rocking Horse Road (auf The Spits).

    Ihr Tod ist für die Jungs ebenso eine traumatische Erfahrung wie die Tatsache, das die Springboks 1981 Tour durch New Zealand nicht nur als Ereignis im Nationalsport Rugby gesehen wurde, sondern laute und vielfältige Proteste wegen des Apartheit-Regimes in Suid-Afrika hervorrufte.

    Das Buch begleitet die Jungs sowohl durch das Jahr 1981 als auch die weiteren Jahre, in denen sie als Amateur-Detektive versuchen den Mörder zu finden. Dabei wachsen sie nicht nur auf sondern finden mehr heraus als die Polizei, verrennen sich aber auch und versuchen dabei auch schlichtweg den falschen zu lynchen.

    Detailliert, spannend und immer aus der Perspektive der Jungen geschrieben.

    Am Ende kein Krimi und auch kein Happy End – schlicht das Echte Leben!

    Soundtrack dazu: Flesh D-Vice – Death Museum, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.638

    Bücher, schnell gelesen: 1.638

    Joe R. Lansdale – Moon Lake (Festa Verlag, 2022)

    Gelesen: 15. –18.05.2023 (netto 450 Seiten).

    Aus dem Amerikanischen von Patrick Baumann.

    Ein Stand-alone Lansdale, irgendwo zwischen Mystery und Crime angesiedelt. Das sollte mich eigentlich abschrecken, aber Joe ist so ein großartiger Erzähler … da glückt ihm auch so eine Mischung.

    Tief unten in Ost-Texas liegt New Long Lincoln an den Ufern des Moon Lake. Der Moon Lake ist dabei das nasse Grab von Long Lincoln, bei Niedrigwasser kann man die Häuser und Straßen erahnen.

    Daniel, 13 Jahre jung, ist mit seinem Vater unterwegs. Pleite. Verlassen von der Ehefrau und Mutter.

    ( (c) Festa Verlag 2022)

    Der Vater will dem ganzen ein Ende machen und fährt ihre Schrottkare von einer alten Brücke in den Moon Lake. Daniel überlebt und wird bei einer farbigen Familie geparkt, bis seine Tante von einer Europareise zurückkommt.

    Als junger Autor kommt Daniel zurück nach New Long Lincoln, vor allem auch weil der Wagen seines Vaters dank einer lang anhaltenden Dürre auf dem Seegrund gefunden wurde. Und mehr als er will, wird er in die Geheimnisse von New Long Lincoln hineingezogen.

    Ist die Leiche im Kofferraum seine Mutter? Woher kommen die anderen Leichen in den vielen anderen Autos auf dem Seegrund? Wer ist Flashlight Boy? Kann er eine normale Beziehung mit seinem Jugendschwarm Ronnie haben (die hat nämlich die falsche Hautfarbe)?

    Lansdale säht ordentlich Spannung und baut eine typische humorvolle aber auch gewalttätige Story auf: Ein ewig regierender Stadtrat mit endloser Macht über die Bürger. Funken der Hoffnung. Verrat. Und ein cooler Showdown in alten und vergessenen Gängen aus der Prohibitionszeit.

    Ein flottes Lesevergnügen ohne zuviel Tiefgang. Aber mit eine klaren Message: Tief unten in Ost-Texas gehen die Uhren anders, glauben die Menschen noch an die Macht der Mächtigen und die Trennung von Schwarz und Weiß.

    Besonders schön: Lansdale deutet immer wieder an das übernatürliche Kräfte ihre Finger im Spiel haben, nicht umsonst wird Daniel von dem “Geist” seines Vater gequält. Aber am Ende ist alles übernatürliche schlicht und einfach Menschengemacht und es reicht den Popanz vom Tisch zu wischen (und ein paar Leute um die Ecke zu bringen).

    Soundtrack dazu: Badtown Boys – Johnny Useless, was sonst?

    PS: Und Joe R. Lansdale … ließt selbst:

  • Bücher, schnell gelesen: 1.637

    Bücher, schnell gelesen: 1.637

    J. Todd Scott – Weisse Sonne (Polar Verlag, 2023)

    Gelesen: 06. –14.05.2023 (netto 479 Seiten).

    Aus dem Amerikanischen von Harriet Fricke.

    Wenn man nach dem Lesen eines Buches erstmal auf der Website des Autors checkt ob die Story weitergeht, dann war das Buch schlicht und einfach fesselnd.

    Und genau das ist mir mit dem 2ten Teil von J. Todd Scotts Western Serie geschehen. Die Gute Nachricht: Es folgt mit “This Side Of The Night” noch ein dritter Teil!

    Der erste Teil, “Die Weite Leere” war ein unfassbar guter Western aus dem hier-und-jetzt. Die Planetenkollision hat ein neues Sonnensystem hinterlassen, in dem sich – sprichwörtlich – eine Weisse Sonne breitgemacht hat.

    Kleiner Exkurs:

    Ein Weißer Zwerg ist ein kleiner, sehr kompakter alter Stern. Er besteht im Normalfall aus einem Kern aus heißer entarteter Materie von extrem hoher Dichte, umgeben von einer dünnen, leuchtenden Photosphäre.

    Der entartete Weiße Zwerg ist John Wesley Earl, ein Schwergewicht der ABT (Aryan Brotherhood Of Texas), der sich im Big Bend breit gemacht hat. Er und seine Familie samt Anhängern träumen im mehr oder weniger verlassenen Dorf “Killings” vom Nukleus eines rein weißen Staates.

    Solche Helden sind das:

    ( (c) Polar Verlag 2023)

    Der ehemalige Deputy Chris Cherry ist inzwischen Sheriff und gerät zwangsläufig mit ihnen aneinander. Allerdings wird es weniger eine ideologische Auseinandersetzung sondern … eine Geschichte bei der die Gummibänder, die Familien zusammenhalten, nacheinander auseinanderknallen. Bei den Nazis. Bei Earls Familie. Bei Deputy America Reynose und bei Sheriff Chris Cherry selbst.

    Und trotzdem geht es um Liebe und wie Menschen ihre Liebsten beschützen bzw. glauben beschützen zu müssen. Oder eben auch nicht. Ach ja, Rache ist da auch ein Mittel. Fragt Danny!

    Große Geschichte in einer großartigen Landschaft.

    Wer überlebt? Diejenigen, die das Geld sausen lassen. Die Anstifter. Die Narco Bosse südlich der Grenze. Die Strippenzieher in den konkurrierenden Sicherheitsbehörden.

    Wer stirbt? Die Unschuldigen, die Einsamen und die Unbedarften.

    Ein ganz wunderbarer Roman, kundig verfasst von einem ex-DEA Agenten. Dem man anmerkt das er den “War On Drugs” da unten ander Grenze eigentlich für einen ganz großen Quark hät.

    Absolut großartiges Kopfkino. Hart und Brutal, ohne Abstriche. Wann kommt “This Side Of The Night“?

    Soundtrack dazu: Crime Wave – Death And Texas, was sonst?

    Oder gleich die ganze Nazi Sex EP:

    PS: J. Todd Scott so?