Ups, das ging jetzt schnell. Und das bei einem Buch das alles andere als ein Krimi, eine Slasher oder eine Pulp/Noir Story ist.
Der Autor ist Isländer und das Buch spielt in Island. Und beginnt ehr so als Isländisches Märchen, als Mystery mit übernatürlichen Anklängen.
Wenn man sich aber auf die Story einlässt und den Anti-Helden Sölvi mit offenen Ohren begleitet … dann kommt man drauf das am Ende dieser Story ein Kriminalfall liegt. Und es eigentlich ein Rückwärts erzähltes Buch ist, das dazu noch mit zwei Zeitebenen (1997, 2007) spielt.
Durch das gesamte Buch zieht sich dabei “Das Böse”, das entweder in Jungsform, Raubtierkapitalismusform oder als Dunkelheit (aka Wetter) erscheint. Und erst am Ende entdeckt Sölvi wie das Böse ihn damals und heute quält (ein paar Logikfehler inklusive).
Nicht schlecht gemacht und sehr … Isländisch. Passt schon und an einem Abend weggelesen. Aber Obacht – nicht wirklich eine Krimi.
Besser. Aber irgendwie fehlt bei dem großartigen Sprachwitz eine spannende Story. Eine überraschende Story. Ein echter Plot, der es mit dem wirklich urkomischem Sprachwitz aufnehmen kann.
Joe Country, Agentensprache für das Einsatzgebiet, ist das düstere und verschneite Wales und tatsächlich sind die Slow Horses im Außeneinsatz. Um den Sohn eines im Einsatz ums Leben gekommenen Slow Horses zu retten.
Den der ist ins Fadenkreuz der Oberklasse geraten, hat er doch bei einem Kellnerjob eine Verfehlung eines Royals beobachtet. Und will diese zu Geld machen. Daneben gibt es noch einen “BND spioniert MI5 spioniert BND aus” Plot, der ein neues Slow Horse nach Slough House katapultiert. Mit unappetitlichen Beigaben.
Und es gibt die neue Chefin des MI5, die ihre Intrigen jetzt ganz oben und mit der Chefin der Dogs spielt. Diese allerdings sagt wunderbar unhöflich Fuck Off!
( (c) Diogenes Verlag AG, 2023)
Und wird überraschend kein Slow Horse sondern hilft den Slow Horses bei der Rettung des Jungen. Und dieser Rettungsplot in Wales ist spannend und geschrieben wie für eine rasante Verfilmung (jede Menge Cuts, jede Menge Cliffhänger).
Am Ende macht die ganze Story nicht wirklich Sinn, ist aber wunderbar zynisch im Bezug auf Royals, Politik und Geheimdienste.
Irgendwie komm ich davon nicht los. Wahrscheinlich weil Jackson Lamb so ein wiederliches Arschloch ist.
Gelesen: 24.01. – 29.01. plus 02.02.2024 (netto 466 Seiten)
Aus dem australischen Englisch von Andrea O’Brien.
Ich muss gestehen das ich das Buch eine ganze Zeit lang links liegen gelassen habe, bevor es in meinem Leserückstand Einzug gehalten hat. Der Grund war das Cover samt Titel, das kommt irgendwie langweilig daher.
Im Original ist der Titel “Fire With Fire” und der passt 100% genau auf die Story. Schade, da haben die Buchgestalter was verpasst.
Das letzte Buch von Candice Fox war eine coole Pulp Story rund um einen Gefängnisausbruch, dieses Buch ist eine ebenso coole Story um das Thema “nimm das Recht in die eigene Hand“.
Und diese Story ist nicht platt sondern clever (und lustig): Die Eltern eines verschwunden Mädchens nehmen die Untätigkeit des LAPD nicht mehr hin. Und um Druck zu erzeugen den Fall zu klären … nehmen sie Beweise für andere ungeklärte Fälle als Geisel. In der Forensik. Und vernichten jede Stunde eine Probe.
Gegen sie steht das LAPD, aber das traut sich nicht einzugreifen – die Eltern haben Geiseln und eine Bombe. Und während das LAPD und das FBI die Geiselnahme verwalten macht sich ein gerade aufgeflogener Undercover Polizist auf die Such nach der verschwunden Tochter.
Denn die Forensik hat auch wichtige Beweise in seinem Fall (und seine 5 Jahre Undercover bei einer Biker-Gang sollen nicht umsonst gewesen sein). An seiner Seite (der einzige “geformte” Zufall im Buch) ein LAPD Frischling, der es geschafft hat am ersten Tag beim LAPD rauszufliegen (und der Grund ist herrlich komisch konstruiert … und zwar so, das er 100% real klingt).
Cleveres Setting und der Auftakt zu einem wahren Parforce-Ritt von Detective Charlie Hoskins und ex-Polizistin-für-einen-Tag Lynette Lamb. Das perfekte dysfunktionale Ermittler-Duo.
Und während die Verwaltung der Geiselnahme läuft … folgen Charlie und Lynette schlicht und einfach den alten Brotkrummen aus dem Fall. Und da Lynette keine Polizistin mehr ist und Charlie zuletzt auch ehr Biker als Detective war, überschreiten sie jede Menge Grenzen.
Ziemlich spannend, viel Slapstick Humor (das LAPD als Chaos-Polizei) und trotzdem eine ordentliche Portion Gewalt, Blut und Tot. Irgendwie schade das ich das nicht in einem Rutsch durchlesen konnte.