Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.807

    Bücher, schnell gelesen: 1.807

    Joseph Cox – Dark Wire (Public Affairs Books, 2024)

    Gelesen: 31.12.2025 – 05.01.2026 (netto 319 Seiten, auf Englisch gelesen, bin nicht sicher ob das jeh in Deutsch erscheint)

    Das ist dann wohl True Crime, andersrum.

    Data Privacy, Verschlüsselung etc – alles Dinge die mir am Herzen liegen. Verschlüsselung als Mittel zum Zweck liegt aber auch anderen am Herzen. Und das sind dann Leute denen ich das garnicht gönne: Verbrecher. Mörder. Terroristen.

    Vorhang auf für das Rennen “Verschlüsselte Gangster” vs. Strafverfolger.

    Kriminille haben einen Job, der es in der Regel erfordert keine Spuren zu hinterlassen. Physisch, aber auch digitaler Art. Daher waren sie – nach Geheimdiensten und Politik – die ersten die den Sinn verschlüsselter (und nicht entschlüsselbarer) Kommunikation erkannten. Am besten im Gewand von einen Smartphone.

    Und lästige Dinge wie Kamera und GPS auf dem Motherboard tot gemacht. Reden. Messenger. Und sonst nix.

    Dafür gab es irgendwann Spezialisten, die entweder direkt aus der Kriminiellen Ecke kamen oder aber Privacy Advokaten waren (und es kümmerte sie nicht was mit den Geräten gemacht wurde).

    Eine Zeitlang waren die Strafverfolger blind, dann haben sie sich darauf fokusiert das zu knacken. Und wie bei so vielen Dingen war der erste Ansatz … den Provider zu hacken. Denn die hatten keine Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Und ihre Server in Europa.

    Nach und nach konnten die Strafverfolger vor allem in AUS, SE, NL und den US of A das ganze aufdröseln und dahinterkommen. Und dann hatte jemand vom FBI eine echte Idee:

    Warum nicht ein kriminelles Startup in dem Marktsegment übernehmen, die weiter verschlüsselte Telefone an Gangster vertreiben lassen und … eine Backdoor einbauen. Jedes Telefon kopiert alle Nachrichten an einen Server in … Litauen. Und dort hat ein freundlicher Richter eine Weitergabe-Verfügung an das FBI abgezeichnet.

    Nach einigen Wiederständen kommen sie mit der Idee dann wirklich durch und voila, sie können mitlesen.

    Und je mehr andere Systeme (EncroChat zb) gehackt werden, je mehr wechseln Gangster zum Startup Anom.

    Joseph Cox, ein investigativer Journalist, erzählt die ganze Story mit ordentlich Schwung, fast nur O-Tönen und mit dem notwenigen Fachwissen (allerdings ärgert mich dann schon das ein Frachter in der Nordsee vor der Schwedischen Küste ankert, doh!).

    Am Ende bleibt die Frage: Wenn ich Verschlüsselung, sicher und für alle will, will ich dann auch das die Bösen eine Chance haben?

    Puh, Dilemma!

    Spannend und eine lustige Fußnote der Kriminalgeschichte.

    Soundtrack dazu: Anti-Feds – Failed System, was sonst?

    PS: Nur echt mit Book Trailer!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.806

    Bücher, schnell gelesen: 1.806

    Anne Hillerman – Tony Hillerman’s Landscapes (HarperCollins, 2009)

    Gelesen: 31.12.2025 (netto 182 Seiten)

    Im englischen Original gelesen, wird sicher nie auf Deutsch erscheinen.

    Manchmal ist die naheliegendste Idee auch die Beste.

    Tony Hillerman, dessen großartige Navajo Krimiserie im Unionsverlag erscheint, beschreibt in seinen Büchern absolut plastisch die Landschaft der Dinétah (“Land Of The Diné”), so plastisch das zumindest bei mir das Kopfkino zuverlässig zündet.

    Seine Tochter Anne hat 2009 dieses Vermächtnis kreiert, die Idee entstand noch zusammen mit Tony in 2007, leider ist Tony vor Vollendung 2008 verstorben.

    Ziemlich gut nimmt Anne Szenen aus den Büchern ihres Vaters, der die Gegend im Detail kannte und eben als perfekten Hintergrund benutzte, und stellt sie in den historischen Kontext und liefert großartige Farbfotos der Schauplätze.

    Die Fotos haben bei eine perfekte Distanz, in vielerlei Hinsicht. Vor allem aber, weil es meist Panoramafotos sind. Und die Landschaft ist … Episch!

    Die Idee ist so gut, das ich sowas gerne auch für James Ellroy, Jo Nesbø, James Lee Burke und … Simone Buchholz hätte. Wer machts!

    Perfekter Companion für ein perfektes Lesevergnügen. Und ein mehr als würdige Ehrung für einen großartigen Schriftsteller und Bewahrer von Navajo-Kultur.

    Soundtrack dazu: The Copyrights – Part Of The Landscape, was sonst?

    PS: Und Anne so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.805

    Bücher, schnell gelesen: 1.805

    Felicity McLean – Red (Polar Verlag, 2025)

    Gelesen: 29. – 30.12.2025 (netto 243 Seiten plus ein Nachwort von Nachwort von Günther Grosser)

    Aus dem australischen Englisch von Kathrin Bielfeldt.

    Das Jahr 2025 ist fast um und ich glaube ich habe gerade eines meiner Lieblingsbücher 2025 gelesen.

    Bei Polar ist 2021 bereits Cordie erschienen, ein großartiges Kinderbuch. Ok, ein großartig dunkles Kinderbuch. Nur nicht unbedingt für Kindern.

    Red knüpft an das Kinderbuch-Setting an, aber nicht inhaltlich. Nachweislich des Nachwortes (mir hätte sich das so nicht ergeben) hat Felicity McLean die Ur-Australische Geschichte von Ned Kelly einfach in die 1990er geschoben und als Helden ein 15 Jähriges Mädchen genommen.

    Ned Kelly hat seine Geschichte damals einem Mitglied seiner Bande 1879 in die Feder diktiert, bevor er 1880 dann gefasst und gehängt wurde. Es ist eine beeindruckende Oral History.

    Ruby Sherrin McCoy aka Red erzählt uns ihre Geschichte ins Gesicht. Und die Geschichte ihrer Familie. Aus dem Knast. Dort sitzt sie und wartet auf ein Urteil. Denn sie hat auf einen Polizisten eingestochen.

    Das “warum” ist kompliziert und doch einfach – für die Familie von Red gilt nämlich:

    They fought the law. The law won. Such is life.

    Die Story, die Red erzählt, ist durch und durch mit Tragik behaftet. Der Leser ist irgendwie nicht von ihrem Schicksal überrascht. Ihre väterlichen Bezugspersonen Sid und Chook verkörpern abgebrühte australische Working Class, immer auf der Suche nach einem zwielichtigen Geschäft.

    Ihre (und die ihrer Familie) Nemesis Healy ist der lokale Polizeisergeant, ein typischer Dorf-Sheriff mit quasi unkontrollierter Macht. Piesackt Sid und Red. Nutzt Sid aus. Verarscht ihn und Chook und bringt sie mit einem Trick in den Knast.

    Fast alle von Red erwähnten Personen fühlen sich dabei sowas von real an. Und das liegt auch am Hauptkniff des Buches:

    Die Story wird vollständig aus Reds Perspektive erzählt, in einem hektischen, umgangssprachlichen Stil, gespickt mit vielen „Ja“s und meist ohne Interpunktion. So wie junge und vermeindlich ungebildete Menschen eben sprechen.

    Dieser Trick erfüllt dabei mehr als einen Zweck: Felicity McLean versetzt den Leser direkt in Reds Sichtweise und unterstreicht dabei dass die Wahrheit einer Geschichte davon abhängt, wessen Perspektive wir hören. Und das ist die Verbindung zu Ned Kellys eigenem Manifest, in dem er seine Sicht der Übel in der Australischen Kronkolonie darlegt.

    Ich habs verschlungen. Und mehr als einmal hab ich mich auf die Seite von Red geschlagen. Aber wer Arm ist, muss Arm bleiben. Wer nicht mitspielt, ist draußen. Wer aufmuckt, wird kleingemacht.

    Boah, das ist sowas von heute!

    Soundtrack dazu: Stranglehold – Knock Me Down, was sonst?

    PS: Und Felicity so?