Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.855

    Bücher, schnell gelesen: 1.855

    Derek Raymond – Roter Nebel (Pulp Master, 1995)

    Gelesen: 31.08. – 01.09.2026 (netto 302 Seiten. Nachauflage (2. Auflage) 2026 mit Vorwort von Frank Nowatzki)

    Übersetzt aus dem Englischen von Angelika Müller.

    Pulp Master 1, dank einer Nachauflage endlich mein. Alle anderen mir noch fehlenden Bände dieser wunderbaren Reihe muss ich mir jetzt aber auch nach-und-nach noch zusammenkaufen.

    Das Buch ist ein perfekter Ken Bruen Roman aus dem Inspektor Brant und Chief Inspector James Roberts Panoptikum.

    Oder aber Ken Bruen hat perfekt bei Derek Raymond abgekupfert.

    In beiden Ecken gibt es wenig Hoffnung, viel gnadenlose Gewalt, sympathische Gangster und korrupte Cops. Und umgekehrt.

    In Roter Nebel begleiten wir Gust, beinharter Gangster und Anfang der 1990er nach 10 Jahren im Knast wieder draußen, bei seinem letzten Gig. Eine einfache Sache, ein paar Blankopässe klauen und Cash kassieren. Und dann weg vom Fenster. Ruhestand.

    Pustekuchen, er hat die Rechnung ohne die eigentlichen Auftraggeber gemacht:

    ( (c) Pulp Master, Berlin)

    Diese spielen das Motto voll aus, lassen sowohl Cops als auch Gust (und noch ne ganze Menge anderer Gestalten) im Regen stehen.

    Denn die Pässe, die hatten einen ganz anderen Zweck: Sie dienten eigentlich dazu ein paar ex-Militärs aus der UdSSR zu locken, die auf dem Weltmarkt Waffen und ggf. auch Atomwaffen vermarkten wollen.

    Und damit ist Gus ein einer Sache drin, in der er weder sein wollte noch aus der er sich je retten kann. Und das macht das Buch so ungemein spannend, den Gus – beinharter Junge – geht seinen Weg als Sieger bis zum bitteren Ende.

    Auf ihn angesetzte Killer: Bringt er nonchalant um die Ecke (Cocktailspieß ins Ohr anyone?). Die Mörder seiner großen Liebe? Erwischt er. Der, der ihm den Pass-Deal verkauft hat? Überlebt es nicht.

    Zwangsläufig allerdings steht er damit am Ende alleine da, auf einem Hochspannungsmast.

    ( (c) Pulp Master, Berlin)

    Until the red fog rises” ist dann auch der unfassbar gut passende Originaltitel.

    Geiler Scheiß, ordentlich lakonische Gewalt, Blut und fast ohne Ausnahme Menschen, die anderen Menschen … nichts gönnen.

    Mehr davon, immer mehr!

    Soundtrack dazu: Arial Salad – Leave me alone, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.854

    Bücher, schnell gelesen: 1.854

    Jo Nesbø – Insel der Ratten (Ullstein, 2026)

    Gelesen: 30.08.2026 (netto 197 Seiten)

    Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob.

    Hui, ein kleines Extra von Jo Nesbø. Im Original 2021 erschienen als Teil einer Kurzgeschichtensammlung, in Deutsch als Einzelbuch im Taschenbuchtformart (mit Hardcover).

    Die Story hat nichts mit seinen Krimis zu tun sondern ist mehr eine Reflektion auf die Corona-Zeit: Jo lässt den Virus in den US of A freidrehen, die Gesellschaft zerstören und zeichnet ein durch und durch dystopisches Weltende auf – aber ein sehr realistisches.

    Denn die die Geld haben, retten sich. Die anderen versuchen zu überleben, auf Kosten derer die sich ein wenig weniger wehren können.

    Und aus einer unerfüllten Teenagerliebe wird eine brutale Entführung. Und aus einer Rettung, wird eine brutale Verteidigung.

    Und Solidarität gibt es nicht mehr.

    Genauso wenig wie Gerechtigkeit.

    Wer wie ich aus dem Jo Nesbø Kosmos kommt und diesen liebt, der findet die ganze Story wohl ehr so lala: Hat seine guten Seiten aber ist nicht noir oder pulp genug.

    Als Mahnung an eine Alternative, die an uns vorbeigegangen ist passt es aber schon. Das hätte der Preis der Corona-Leugner sein können!

    Aus meiner Sicht nur was für Sammler (der ich bin).

    Soundtrack dazu: The Hallingtons – Rathead, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.853

    Bücher, schnell gelesen: 1.853

    Mick Herron – Down Cemetery Road (Diogenes, 2026)

    Gelesen: 20. – 29.08.2026 (netto 543 Seiten)

    Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer.

    Mick Herron hat sich mit der Slow Horses (aka Slough House) Serie (2010 – bis heute) ja so ziemlich in mein Lesevergnügen geschrieben, jetzt kommt bei Diogenes auch seine erste Krimi Reihe (2003 – 2009) in die Übersetzung:

    Auftritt Privatermittlerin Zoë Boehm. Aus Oxford.

    Und wie die Slow Horses Serie bei Apple TV verfilmt. Mit Starbesetzung. Sagt der Verlag. Hilft beim Lesen aber nicht so wirklich, also ehr ein nutzloser Hinweis. Vor allem weil ich kein Apple TV habe oder jemals haben möchte.

    Selten passte der Titel so gut, ich denke darum wurde der auch nicht eingedeutscht: Die Friedhofsstraße entlang ist eine perfekte Beschreibung dieses Buches, Leichen pflastern ihren Weg wäre auch gegangen.

    Wobei “ihren” so ziemlich überraschend nicht Zoë Boehm beschreibt sondern Sarah Tucker. Einfache Hausfrau aus dem Süden Oxfords (der räudige Teil der Universitätsstadt). Sarah kämpft mir ihrer Rolle, ihrer Arbeitslosigkeit und mit ihre Ehe. Und den nervig reichen Kunden ihres Mannes.

    Und greift zum nächst besten Strohhalm, damit sie was zu tun hat: Bei eine Explosion in der Nachbarschaft verschwindet irgendwie ein kleines Mädchen, aber niemand sucht nach ihr. Obwohl ihre Eltern tot sind.

    Und damit stolpert Sarah in einen Plot, der ungefähr 10 Nummern zu groß ist (und in dem der erfahrene Leser mit viel Vergnügen das bemerkt, was Mick Herron später bei den Slow Horses so verfeinert hat) und in dem der Geheimdienst seiner Majestät die Fäden zieht.

    Der Plot ist spannend, die Häme mit der Mick Herron das Leben der Menschen seziert ist perfekt und Zoë bleibt 2/3 des Buches einfach … weg. Zuerst hilft Zoës Ehegatte und Partner Joe auf der Suche nach dem vermissten Mädchen, als dieser ums Leben kommt (und der Tod Sarah als Mord angehängt wird) tritt Zoë erst so richtig in Erscheinung.

    Und hilft Sarah das ganze aufzuklären und im wahrsten Sinne des Wortes zum Abschluss zu bringen.

    Bauernschlau, Hemdsärmelig und voller weiblicher Urkraft nimmt es Sarah dabei mit hauptberuflichen Killern auf. Und, keine Frage, kommt am Ende mit Zoës Hilfe am Ziel an. Und rettet Dinah.

    Ordentlich was zu lesen, ordentlich was zu schmunzeln.

    Passt!

    Soundtrack dazu: Grade 2 – Graveyard Island, was sonst?

    PS: Emma Thompson, …. hach!