Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.864

    Bücher, schnell gelesen: 1.864

    Leye Adenle – Spur des Geldes (InterKontinental, 2025)

    Gelesen: 30.09. – 07.10.2026 (netto 360 Seiten)

    Aus dem Englischen von Yasemin Dinçer.

    Im ersten Band der Trilogy stand Guy Collins im Mittelpunkt – ein britischer Journalist, der Lagos besucht und dort in gefährliche Ereignisse verwickelt wird.

    In der (direkten) Fortsetzung tritt Guy nur im Hintergrund auf, diesmal geht die Geschichte voll fokussiert auf Amaka Mbadiwe weiter.

    Amanka ist eine unerschütterliche, bis zur Kühnheit mutige Aktivistin und ein selbsternannter Schutzengel der Sexarbeiterinnen von Lagos. Und von Frauen insgesamt.

    In der drückenden Hitze des überfüllten Oshodi-Marktes wird Amaka nicht nur Zeugin einer verstörenden Gewalttat (und verliert ein wichtiges Beweismittel an einen flinken Dieb), sondern gerät auch in einen großen politischen Skandal.

    Backdrop ist eine Wahl, der Spitzenkandidat kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Sein Nachfolger, Chief Ojo, hat jedoch einiges zu verbergen – darunter Besuche in einem exclusivem Sex Club (geführt von Amankas Nemesis Malik).

    Ojo möchte seine sexuellen Vorlieben vor seinem Schwiegervater, dem manipulativen „Königsmacher“ Otunba, geheim halten. Otunba will sicherstellen, dass die politischen Rivalen nichts Kompromittierendes über den neuen Kandidaten in Erfahrung bringen.

    Doch Amaka weiß Bescheid, hat respektive hatte Beweise und die Folge ist, dass alle Jagd auf sie machen, um sie zum Schweigen zu bringen.

    Jede Menge politische Machenschaften, Drama, Korruption und der zynischen Geist, der offensichtlich für nigerianische Wahlen seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 1999 oft charakteristisch ist. Der Gegenkandidat für das Amt des Gouverneurs von Lagos zB kommt aus den USA, zunächst versucht er ein Mann mit Prinzipien zu bleiben. Er erkennt jedoch bald, dass er sich die Hände schmutzig machen muss, wenn er eine Chance auf den Sieg haben will.

    Im Grunde ein realistisches, wenn auch deprimierendes Bild des heutigen Nigeria.

    Die Story wird in rasantem Tempo und aus einer Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven weitererzählt. Schnelle Szenenwechsel befeuern wunderbar und zuverlässig das Kopfkino.

    Und am Ende rettet sich Amaka in den Flieger nach London, zu Guy. Und das legt die Spannung für Band 3 hoch!

    Soundtrack dazu: Jughead’s Revenge – My Troubled Sleep, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.863

    Bücher, schnell gelesen: 1.863

    Leye Adenle – Zügel der Macht (InterKontinental, 2025)

    Gelesen: 22. – 29.09.2026 (netto 349 Seiten)

    Aus dem Englischen von Yasemin Dinçer.

    Perfekt, endlich mal wieder was aus Afrika. Zumindest eine kleine Krimi-Serie (3 Bände, dieser ist der erste), die in Lagos, Nigeria, spielt.

    Am Anfang ist es die Geschichte von Guy Collins, einem britischen Journalisten, der nach Lagos entsandt wird um über die bevorstehenden Wahlen zu berichten. Seine Ex-Freundin und Kollegen, die die Stadt bereits besucht hatten, hatten ihm ein lebhaftes Lagos versprochen, in dem er die Zeit seines Lebens verbringen würde.

    In Echt sieht das ganze ganz schön viel mieser aus: Nach seinem ersten Barbesuch, garniert mit einer verstümmelte Leiche, folgt eine Begegnung mit der ehr korrupten nigerianischen Polizei sowie ein Abenteuer mit Amaka, die eine NGO organisiert, die sich um die Sicherheit von Prostituierten kümmert.

    Und damit gleitet die Story mehr und mehr auf Amaka über, die quasi auf einem permanentem Rachefeldzug ist. Und Lagos als ein Ort, der von Verbrechen und illegalen Machenschaften der dortigen Führungselite geprägt ist. Politik, Geschäftsleute, Polizei – you name it.

    Die Leiche, wegen der Guy in Haft (und dann auch wieder nicht in Haft) gelandet ist, sorgt in den Kreisen der Elite von Lagos für große Unruhe. Auf Polizeiinspektor Ibrahim (der Guy “verhaftet” hat) wird Druck ausgeübt, den Fall zu lösen und die Wohlhabenden vor dem drohenden Chaos zu schützen.

    Offensichtlich steht vieles steht auf dem Spiel, doch niemand weiß so recht, was hinter den Kulissen vor sich geht. Irgendwie scheint ein “Malik” die Fäden zu ziehen, vor dem hat auch Amaka Angst. Werden Frauen wegen Hexerei oder für den illegalen Organhandel ermordet?

    Ziemlich spannender Einstieg, mit viel realer Brutalität und Gewalt wird ein sehr reales Bild von Lagos und den Herrschenden aufgezogen. Die Spannung hält auch hoch, das Leye Adenle Kapitel für Kapitel jeweils einen Einstieg und eine Ende setzt, egal wie kurz das Kapitel ist.

    Irgendwie schräg ist aber, das die Story konsequent in der Ich-Perspektive von Guy läuft. Im Grunde ist es ein „Amaka-Thriller“ und da hätte ich erwartet, dass – falls die Ich-Perspektive überhaupt zum Einsatz kommt – Leye sie für Amaka verwenden würde.

    Da ich aber schon tief im 2ten Band bin, kann ich verstehen warum das erste Buch in dieser Perspektive zuende gebracht wurde.

    Cool, spannend, real. Das Kopfkino zündet. Jetzt kommt Band 2 und dann Band 3.

    Soundtrack dazu: Accidente – Las victorias más bellas, was sonst?

    PS: Das Buch ist im Original nach diesem Song benannt…

    PPS: Und Leye über Prostitution in Lagos

  • Bücher, schnell gelesen: 1.862

    Bücher, schnell gelesen: 1.862

    Kevin Barry – Das Herz im Winter (Liebeskind, 2026)

    Gelesen: 20. – 21.09.2026 (netto 206 Seiten)

    Aus dem Englischen von Thomas Überhoff.

    Von Kevin Barry hatte ich schonmal ein schlankes Buch, mehr Lustig als Krimi und toll zu lesen. Und jetzt nimmt er uns mit in den nicht-mehr-ganz-so-wilden Westen (Butte, Montana, 1890er Jahre) und erzählt uns eine Liebesgeschichte.

    Mit Schmakes.

    Sag hallo zu Tom, ein Ire auf seinem einsamen Weg (gen Westen, was sonst). Er ist in Butte hängengeblieben und ist Teil des Lokalkolorits:

    Was macht man schon, man geht aus, na ja, nur auf ein einziges Glas, gefolgt von einem Absacker, und schon zieht er los, um in den Bars von Butte zu trinken und sich zu prügeln. Vollgepumpt mit Opiaten und Alkohol, verdient er sich ein paar Münzen, indem er Briefe für Einsame schreibt, geht den Frauen aus den Bordellhütten sowie all jenen, denen er Geld schuldet, aus dem Weg – bis er um vier Uhr morgens aus irgendeiner Spelunke hinausbefördert wird und vor den Hufen eines Pferdes landet.

    Einem Palomino. Tom stellt sich ihm vor. Das Pferd verharrt völlig regungslos und fixierte ihn mit seinem langen, eindringlichen Blick. Tom ist vollkommen verzaubert.

    Wir lernen: Wenn Tom fällt, dann fällt er tief. Zum Beispiel in Sachen Liebe.

    Auftritt Polly, eine frisch eingetroffene Katalogbraut, die gemeinsam mit ihrem von Gott besessenen Ehemann das Fotostudio betritt in dem Tom aus Aushilfe ein wenig Geld verdient. Während sie fotografiert wird, zuckt ihre Nasenspitze, ihre Augen treffen auf Toms und Tom fällt erneut. Tief.

    Tom macht ihr den Hof wenn ihre Mann weg ist, beide erkunden die Nacht von Butte und haben schnell einen Plan: Weg, gen Westen. Tom klaut Geld und den Palomino und schon sind beide auf dem Weg … durch den Winter von Montana.

    Der Ehemann schickt Headhunter hinterher, sie treffen schräge Vögel, überleben hier und …

    … am Ende kommt nur einer in San Francisco an.

    Und der andere wird Legende, in Butte. Im Westen.

    Kevin Barry schenkt uns eine Liebesgeschichte, die niemals unecht oder billig wirkt, sowie ein Abenteuer, in dem die Gewalt nie genüsslich zelebriert oder abgestumpft dargestellt wird. Sie gehört zum Leben, zur Liebe.

    Cormac McCarthy als durch und durch irischer Western, eine als Farce verfasste Tragödie. Ein Buch das mit jedem Ereignis, jedem Einfall und jedem Satz Freude bereitet.

    Denn das ist die Stärke von Kevin Barry: Er erreicht mit einem einzigen Wort, einem einzigen Satz mehr als manche Autoren auf 100 Seiten.

    Kommt direkt auf die Liste “Buch des Jahres: So schön, so liebenswert und so unterhaltsam.

    Soundtrack dazu: The Copyrights – Stuck in the winter, was sonst?

    PS: Und Kevin Barry so?

    PPS: Titel und Cover tip-top!