1988 hat mich “Die schwarze Dahlie” von James Ellroy dazu gebracht eigentlich nur noch Krimis zu lesen. Es ist ein ganz wunderbares Buch, das bei mir das volle Kopfkino gezündet hat. Seit dem ist James Ellroy definitiv einer meiner Lieblingsautoren (und hiermit jedem ans Herz gelegt).
Ich hab eine Zeit lang auch jede Menge Comics gelauft und gelesen, das allerdings habe ich irgendwann aufgegeben da ich gegen die Flut nicht ankam. Platten und Bücher reichen mir jetzt um glücklich zu sein.
Dennoch bin ich über diese Comic-Adaption der Black Dahlia gestolpert und als alter Ellroy Fan habe ich sie mitgenommen. Die Geschichte selbst ist ja bekannt, die Frage ist ob sie mit Hilfe von Bildern und wenig Text auch so gut rüberkommt. Und, quelle surprise, es funktioniert tatsächlich.
Die Illustrationen von Miles Hyman sind sehr schön LA Noir, fast wie auf einem alten und leicht unscharfen Farbfilm. Dazu haben Matz (Alexis Nolent) und David Fincher das ganze auf die wesentlichen Punkte und Texte reduziert. Wie auch bei einer Verfilmung hilft es natürlich wenn man das Buch gelesen hat.
Aidan Truhen – Fuck You Very Much (Suhrkamp, 2018)
Gelesen: 16. – 23.07.2018, netto 341 Seiten
Das beste verrate ich zuerst: Die wohl lustigste Art jemanden zu Töten ist ihm mit einen übergroßen Kürbiskanone den abgeschnittenen Kopf seines Kumpels in den Oberleib zu ballern.
Und letztendlich darum geht es in diesem Buch: Launig, lustig und eloquent Rache zu nehmen. Die klassische One Man Army Geschichte ist es aber nicht, dazu ist der dauerlabernde Ich-Erzähler zu großkotzig. Eigentlich müssten seine Gegner ob des ganzen Gelabers Selbstmord begehen.
Jack Price ist Drogenhändler und hat sein ganzes Imperium an die New Economy crowdgesourced. Beim ihm gibts Kokain bester Qualität über eine völlig anonyme, App-gesteuerte Lieferkette. Aber dann will ihn jemand umbringen. Und benutzt dafür die fieseste Killertruppe auf Erden.
Aber Jack ist nicht nur großspurig, großmäulig sondern einfach auch viel cleverer als die gedungenen Killer. Einen nach dem anderen macht er kalt. Immer lustig, immer sportlich.
Das Lesen ist manchmal anstrengend und der Dauerquatscher geht einem manchmal auf dem Geist aber es bleibt einfach eine launige blutige Angelegenheit. Und das war schon immer ein Qualitätsmerkmal.
Howie Abrams, James Lathos – Finding Joseph, I (Lesser Gods, 2017)
Gelesen: 15.07.2018 17:30 – 20:00, netto 262 Seiten (in Englisch, eine deutsche Übersetzung gibt es noch nicht)
Bad Brains und ihr Sänger H.R. waren immer eine Band voller Geschichten und Gerüchte. Ich hatte das Glück sie 1983 in Bremen im Schlachthof zu sehen (die legendäre “Bremen vs. Hamburg Schlacht“) und tatsächlich waren sie – zu der Zeit – live ein Knaller.
Das Buch gehört zu einem Film bzw. der Autor Howie Abrams hatte von dem Filmprojekt gehört und sich dann mit dem Filmemacher zusammengetan um die Geschichte von H.R. (nicht von den Bad Brains) nicht nur im Film sonder auch als Buch zu erzählen. Die Oral History kommt dabei von H.R. selbst und von Wegbegleitern.
Musikalisch möchte ich sie in ihrer Frühphase, dann kam zuviel Reggae, dann war ein wenig zuviel Metal drin und irgendwann hab ich sie ignoriert. Das hinter den Kulissen eine endlose Abfolge von Problemen stattfand ahnte ich nicht einmal. Das H.R. nicht der Problemlöser sondern ehr der Problemverursacher war konnte mann schon ahnen, der Reggae und Rasta kram war schon schräg bzw. wurden von ihm ehr schräg begleitet, dazu andere Begleiterscheinungen wie Homophobie (wurde auch in den 80er schon thematisiert) – aber erst jetzt versteh ich das.
Das Buch ist fast schon eine endlose Abfolge von “H.R. macht einen (weiteren) großartigen Plattendeal für die Bad Brains kaputt“, “H.R. verärgert beste Freunde” und “H.R. hat gefühlt 10 Kinder von 10 Frauen” und muss sich für seine Bandkollegen (und engen Freunde) sehr schmerzhaft lesen. Und für H.R. sowieso. Der war zwischenzeitlich total “durch” und auch Obdachlos. Im wahrsten Sinne des Wortes weggetreten.
Die Quintessenz kommt am Ende: Er trifft eine neue Freundin (und heiratet sie), dieser gelingt es zu ihm durchzudringen und zu erkennen das er ernstlich krank ist: “In 2016, H.R.’s wife, Lori, revealed that H.R. suffers from SUNCT syndrome, a rare neurological disorder which causes sporadic, excruciating headaches. He also suffers from schizophrenia. (Quelle: Wikipedia) “. Ab da bekommt er Behandlung und Medikamente, diese helfen.
In Summe eine lohnendes Buch: Der Autor (und die sprechenden Personen) behalten eine gesunde Distanz zu H.R. und was er so alles verursacht hat. Auch HR scheint deutlich reflektierter über alles was passiert ist zu reden.
Dabei wird mehr als einmal klar das sowohl DC Hardcore als auch NYC Hardcore wohl ohne die Bad Brains anders ausgesehen hätte oder aber überhaupt nicht gezündet hätte.
Klasse Buch! Gönnt es euch.
PS: Mein Lieblingsmomente? H.R. hatte keinen Bock auf lange Konzerte also packte er eine Passage in den Vertrag mit den Veranstaltern das, wenn diese das Publikum nicht im Griff hatten, das Konzert abgebrochen wird. H.R. provozierte das Publikum, der Veranstalter hatte das Publikum nicht im Griff und mit 25 Minuten Bühnenzeit gab es volles Geld. Clever.
Und die andere gute Idee?
( (c) Lesser Gods 2017)
Da bin ich bei Anthony (Bad Brains Manager von 1982 bis 2013): Wenn sie mit der Quickness LP als Vorband der U2 The Joshua Tree Tour an den Start gegangen wären, dann wären sie in den US mit Sicherheit durch die Decke gegangen. Zwar nicht so sehr im Punk Sektor aber im Stadion Rock. Aber eben kommerziell sehr erfolgreich.
Soundtrack dazu: Natürlich keiner (du ziehst ja auch nicht das T-Shirt der Band an die auf der Bühne spielt), aber die folgenden Filme helfen…
H.R, über Buch und Film:
Trailer über das Buch:
Und dann noch H.R. über die Band Brains Dokumentation “A band in DC”:
Und die Dokumentation:
PS: Für alle Hamburger die 1983 mit in Bremen waren hier nochmal das Audio-Dokument (wo der ganze HB vs. HH kram nicht wirklich rüberkommt):