Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.834

    Bücher, schnell gelesen: 1.834

    Malin Thunberg Schunke – Tödliche Felder (Polar Verlag, 2026)

    Gelesen: 07. – 20.05.2026 (netto 373 Seiten)

    Aus dem Schwedischen von Stefanie Werner.

    Schon das erste Buch von Malin Thunberg Schunke bei Polar war ein ziemlicher Brocken, für Tödliche Felder gilt das auch. Diesmal gibt es aber weniger Recht & Gesetz sondern tatsächlich sowas wie einen länderübergreifenden Krimi.

    Die Mafia in Italien macht ja so mit allem Geschäft, was ordentlich Geld abwirft. Neben Drogen gibt es auch … Bio Tomaten. Damit kann auch gutes Geld verdient werden, wenn die Saisonarbeiter wie Sklaven behandelt werden, das Ernterisiko mit Chemie begrenzt wird und auch sonst die Regeln die eigenen sind.

    Saisonarbeiter aus Polen und Rumänien sind in Italien verschwunden, eine Ermittlungsgruppe mit Hilfe von Eurojust wird aufgestellt und Fabia Moretti und Esther Edh haben einen neuen Fall.

    Das ganze ist ziemlich nah an der Realität, bezieht sich durchaus auf die Wirklichkeit in Europa, wo verbotene Pestizide immer noch gehandelt werden dürfen (nur nicht eingesetzt). Von Italien zieht sich der Fall auch nach Hamburg, da über den Hafen die Importe der Chemikalien aus China laufen.

    Dazu kommt noch einen Nebenschauplatz in Stockholm, der Freund von Esther ist offensichtlich … ein Cliffhänger.

    Ich komme irgendwie nicht besonders gut mit der wirklich ausführlichen Art von Malin Thunberg Schunke klar und das Lesevergnügen fühlt sich zäh an – die Spannung jedoch, die ist da (kommt halt nur langsamer ins Rollen).

    Am Ende aber ein sattes Stück Europa-Realität, incl. einem von der Mafia entführten Journalisten (der zu nah dran war), armen Italienern, die knallhart ausgenutzt werden (und das doppelt), und Mafia-Gangstern mit BWL Abschluss die einfach mit ihrem Geschäft durchkommen.

    Immer noch anders, immer noch nicht schlecht. Bin gespannt was aus dem Cliffhänger wird!

    Soundtrack dazu: Asedio – Campo de batalla, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.833

    Bücher, schnell gelesen: 1.833

    Ken Jaworowski – What About The Bodies (Pendragon, 2026)

    Gelesen: 29.04. – 06.05.2026 (netto 312 Seiten)

    Aus dem Englischen von Lea Dunkel.

    Willkommen in Locksburg, Pennsylvania. Rust Belt. Small Town.

    Ken Jaworowski schickt 3 Bewohner auf einen Schicksalsweg der ganz wunderbar das Elend von Small Town USA spiegelt: „Glücklich bis ans Lebensende“ erweist sich als ziemlich tödlich.

    Zunächst lernen wir Carla kennen, alleinerziehende Mutter. Ihr Sohn Olly, Student am MIT, hat ihr gerade etwas gestanden, von dem sie ganz sicher nicht will, dass die ganze Welt davon erfährt; nun muss sie ihn beschützen – Koste es was es wolle.

    Als Nächstes tritt Reed auf den Plan – ein fünfzehnjähriger autistischer Junge, dessen Mutter gerade verstorben ist. Sein einziger Beschützer ist nicht mehr da, nun ist er einem Mobbing ausgesetzt, das zehnmal schlimmer ist als alles, was er je zuvor erlebt hat. Doch Reed scheint seiner Mutter etwas versprochen zu haben und begibt sich tapfer auf eine Mission, etwas wiedergutzumachen, das sich ereignet hat, als seine Mutter noch lebte.

    Als drittes Liz, Songwriterin und Musikerin, die gerade ihren Job als ehr erfolglose Barsängerin verloren hat. Zu ihrem Glück erhält sie aus Nashville ein einzigartiges Angebot. Doch ihr Auto hindert sie daran, ihren Traum zu verwirklichen. Ihr Freund Luke macht sie mit einem Mechaniker bekannt, der ein Ex-Sträfling ist. Nachdem das von ihm reparierte Auto in Flammen aufgeht behauptet er, sie stehe bei ihm in der Schuld, und lässt sie die Stadt nicht verlassen, bis sie ihre Schulden beglichen hat.

    Die Erzählperspektive wechselt fortlaufend zwischen den drei Charakteren hin und her, immer aus einer Ich-Perspektive erzählt.

    Die Welt der Drei ist aber eine, in der Gerechtigkeit nicht immer siegt und Glück eine entscheidende Rolle im Leben der Menschen spielt. Small Town USA ist voller Schmerz, Verzweiflung und ohne Hoffnung.

    Ken Jaworowski wirft die Drei ziemlich cool die Treppe runter, als Leser drückt man ihnen irgendwie die Daumen, während diese verzweifelt versuchen, den nächsten Tag zu überstehen.

    Entsprechend endet jedes Kapitel mit einem Cliffhanger.

    Die Spannung, die komplexe Handlung und die kurzen Kapitel geben ein hohes Tempo vor, während Carla, Reed und Liz eine wunderbare down hill Achterbahnfahrt der Nieder-geschlagenheit durchleben.

    ( (c) Pendragon Verlag, 2026)

    Die Geschichten der Drei verlaufen zunächst getrennt voneinander und der Leser fragt sich lange, wie der Autor es hinbekommt die Schicksale zu kreuzen. Der Moment kommt, fällt jedoch weniger schockierend aus, als man es vielleicht erwarten würde.

    Vorher aber ist schon ordentlich Gore dabei, durchgeknallte Kleinstadt-Cops drehen am Rad und das Glück, tja, das hat der, der …

    Perfektes Kleinstadtdrama, gemein und blutig. Ohne Hoffnung. Mit ein wenig Glück.

    Ganz hervorragendes Lesevergnügen!

    Soundtrack dazu: The Pist – Small Town, was sonst?

    PS: Und Ken so?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.832

    Bücher, schnell gelesen: 1.832

    Michael Ehnert – Wache 16 (Junius Verlag, 2026)

    Gelesen: 23. – 28.04.2026 (netto 296 Seiten)

    Das ist eine schöne Hamburgensie… im schnodderigen Tonfall der 70er gibt einen schönen Kiez-Polizei-Luden-Hells-Angels … ja was eigentlich? Ein Krimi ist das nicht, es ist ehr die Geschichte einer Wache, erzählt entlang der Entwicklung eines jungen Polizisten der frisch aus der Ausbildung dahin versetzt wird.

    Michael Ehnert mischt dazu seine eigene Sicht (in extra gekennzeichneten Segmenten) und die Erlebnisse seines Vaters (der war nämlich Polizist an dieser Wache).

    Die Wache 16 ist in der Hamburger Punk Historie vielen ein Begriff, etliche haben Ende der 70er / Anfang der 80er Bekanntschaft mit der längsten Treppe der Welt gemacht (die fielen nämlich überraschend viele Gäste der Wache runter, auf dem Weg in den Zellentrakt).

    Die alte Wache 16 ist inzwischen das Commodore Hotel… (Foto: Netzfund)

    Zusammen mit der Davidwache war diese Wache für den nördlichen Kiez und das heutige Schanzenviertel zuständig. Und dort wurde mit harter Hand das Recht, sowie das Recht des stärkeren durchgesetzt (der Status Quo der Luden zB).

    Die Gesichte spielt in den 70ern und erzählt viel, wie es damals war. Was Frauen durften (und was nicht), was Männer durften (und wie wenig das eingeschränkt wurde), Klassengrenzen und was Frauen in die Prostitution bringt.

    Dazu kommen dann Mitte der 70er die Hells Angels (die dann 1983 in Hamburg verboten wurden) in die Schanze und wollen ihren Anteil am Kuchen Reeperbahn.

    Und die Punker ins Karoviertel (von denen Michael Ehnert einer war).

    You got nicked! (Foto: Netzfund)

    Polizeiliche Erziehungsmaßnahme, my ass!

    Zeitungsausschnitt von 1980 (oldpunks.de -> Riots)

    Ziemlich gelungenes Sittenbild, es zeichnet ein sehr reales und realistisches Bild von “damals”. Und das passt vor allem, weil Sprache und Sprachbilder zu damals passen.

    Soundtrack dazu: Ricco Raw feat. Schiwecko vs. G.A.S. Hausband – Bullenwagen klaun und die Innenstadt demolieren, was sonst?

    PS: Und Michael so?

    PPS: Und wie sah das damals aus? Ziemlich abgewrackt, meine Kamera hat 1983 so ein Bild festgehalten…