Bücher, schnell gelesen: Teil 1.235

Ryan Gattis - In den Strassen die Wut (Rowohlt Polaris, 2016)
Ryan Gattis – In den Strassen die Wut (Rowohlt Polaris, 2016)

Gelesen: 11. – 18.04.2017 netto 503 Seiten

Ein Roman wie ein Tarantino-Film, ein Gewaltexzess, ein Experiment, ein Buch ohne Vorbild” schreibt der Klappentexter und gehört dafür ordentlich in die Mangel genommen – oder in Watts ausgesetzt. Typischer Marketending Bullshit.

Ryan Gattis nimmt die Rodney King Riots von 1992 als Backdrop und lässt 17 Ich-Erzähler, von denen etliche ihr Leben verlieren, auftreten die einander sowas wie einen Staffelstab übergeben. Der Teil ist als Buch sogar gelungen, im TV oder Kino würde er sogar noch besser passen weil die Übergabe des Staffelstabes natürlich perfekt visualisiert werden könnte.

Das Buch einfach klasse, ungefiltert und ohne Rücksicht auf den Leser geht es um die Anarchie der Gangs und die zerbrechliche Zivilisation in LA – und diese zerbricht nachdem die Polizei Rodney King zum Helden geknüppelt hatte. Und da sich die Polizei von LA in der Folge sehr rar machte konnten die Gangs völlig abdrehen: Alte Rechnungen einlösen, Waffen klauen und überhaupt alles … niederbrennen.

Ein großartiges Buch das ein bildgewaltiges Kopfkino hervorzaubert. Wow!

Soundtrack dazu: Rancid, was sonst?

Und Ryan Gattis? War 1992 erst 14 Jahre alt und nicht in LA – aber hat es hinbekommen das Feeling voll rüberzubringen…

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.216

Jane Harper - The Dry (Rowohlt Polaris, 2016)
Jane Harper – The Dry (Rowohlt Polaris, 2016)

Gelesen: 31.12.2016 – 02.01.2017 netto 372 Seiten

Und endlich mal wieder was aus Australien, wo mir vor allem die Garry Disher Krimis sehr zugesagt haben. Jane Harper hat mit The Dry ein ziemlich guten Erstling hingelegt – vor allem eine einfache aber bildhafte Sprache bleibt hängen.

Der Plot selbst ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Aaron Falk kommt nach 20 Jahren in sein Dorf zurück um an der Beerdigung von seinem Jugendfreund Luke teilzunehmen. Da er in Melbourne Polizist ist bittet ihn die Familie den Tod von Luke (der offensichtlich erst seine Familie und dann sich erschossen hat) mal anzuschauen.

Ab da wird es dann interessant – sein Dorf im nirgendwo ist nicht nur Dürre geplagt sondern auch sonst arg abgewarzt, ebenso die Einwohner. Das ganze gemischt mit einem alten Todesfall in dem Luke und Aaron verwickelt waren wird es sogar ungemütlich. Und es entwickelt sich ein klassischer Krimi: Wer wars vor 20 Jahren? Wer war es heute? Dazu eine alte Liebe und viel lange Jahre gehegter Hass.

Nicht schlecht, aber auch noch nicht da wo ein James Lee Burke oder eben ein Garry Disher ist.

Soundtrack dazu: Cosmic Psychos, was sonst?