Bücher, schnell gelesen: Teil 1.492

Melissa Scrivner Love – Capitana (Suhrkamp Nova. 2020)

Gelesen: 03. – 06.12.2020, netto 323 Seiten

Das erste Buch rund um Lola Vasquez machte schon Bock auf mehr – eine ganz wunderbare Story aus der Welt des Drogenhandels in LA.

Lola hat sich durchgesetzt und ist jetzt eine „Capitana“, ihre Gang hat das Recht auf ihrem Gebiet exklusiv Drogen zu verkaufen. Und das nach ihren Regeln: Niemals an junge und reiche Weiße: Denn die werden, sobald sie erwischt werden, umfallen und aussagen (und in eine teure Rehabklinik kommen) während Lola und ihre Verkaufsteam Druck von den Cops bekommen.

Von daher kann sie sich auf die angenehmen Dinge des Lebens konzentrieren – ihrer Tochter eine gute Bildung zu verschaffen und den Familien um sie herum beizustehen. Als gütige Landesherrin sozusagen.

Und über diesen Hook landet sie an der falschen Angel: Sie glaubt Gutes zu tun (wenn es denn Gut ist jemanden der im Knast ist umzubringen) und realisiert zu spät das sie ihren im Knast sitzenden Bruder dazu gebracht hat einen Kartellboss zu töten. Und das … gibt Krieg.

Im ersten Buch haben wir sehr viel von Lola kennengelernt, in diesem Buch lernen wir alles (und auch wirklich alles) über ihren Partner kennen. Staatsanwältin Andrea ist hart gegen Männer, die Frauen und Kinder quälen und sehr entspannt in Sachen Drogen – denn sie teilt sich den Gewinn mit Lola.

Aber all das ändert sich: Der Sohn von Andrea nimmt Drogen, Lola kämpft gegen vermeintliche und echte Feinde und Andrea kämpft gegen ein Gespenst aus ihrer Vergangenheit. Und das geht nur mit Verlusten. Auf allen Seiten.

Sehr realistisch und mit hohem Tempo. Hart und Brutal wo notwendig, langsam und soft wo angebracht. Und vor allem: Gewinnen tut wieder nur der Tod!

Davon will ich mehr (aber von Joe Ide auch)!

Soundtrack dazu: All – The World’s On Heroin, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.391

Melissa Scrivner Love - Lola (Suhrkamp, 2019)
Melissa Scrivner Love – Lola (Suhrkamp, 2019)

Gelesen: 31.05. – 01.06.2019, netto 382 Seiten

Als Hanseat der zwar aus der Working Class kommt (aber sicher nicht mehr Working Class ist) und im Punk der späten 70er sozialisiert wurde fällt es mir oft schwer die Begeisterung zu verstehen, mit der hier in Deutschland (und in Hamburg) junge Menschen das Ghetto- und Gangsterleben in Los Angeles (in den US of A) als Vorbild nehmen (Youtube, Instagram und dem Rap geschuldet). 

Voller Machismo, voller Gewalt an Schwächeren und vor allem aus dem gnadenlosen Ausnutzen von Menschen. Von Kindern. Von Jugendlichen. Und das ganze natürlich durch und durch Maskulin.

Vorhang auf für Lola! Vorhang auf für South Central, Los Angeles. In Huntington Park haben die Crenshaw Six (die eigentlich viel weniger sind), an 6 Straßenecken das Recht für das mexikanische Los-Liones Kartell Drogen zu verkaufen. 

Hinter dem Anführer der Crenshaw Six steht Lola, eine typische mexikanische Hausfrau. Entsprechend geht das Buch auch los, seitenlang geht es um den besten Kuchen während die harten Jungs am Grill stehen.

Dann wird aber klar: Lola ist der Boss, denn Lola ist nicht nur cleverer(er) sondern auch härter(erer). Da wird aus einem manierlichen Gespräch mit der Freundin eines Großdealers eine schnelle Exekution und da wird der eigene Bruder, Teil der Gang und immer wieder Vollversager, kurzer Hand der Polizei geopfert.

Und da Lola nach oben will, seziert sie das sie umgebene Netz aus Drogenhandel und greift bei der ersten Laufmasche beherzt zu. Und verliert nicht das Ziel aus den Augen mit ihrer Gang aufzusteigen, egal wie viele Tote es gibt.

Dicht, sehr real und mit ausreichend Humor geschrieben. Blutig und hart wo es sein muss, ausschweifend wenn es darum geht die familiären und gesellschaftlichen Zwänge zu beschreiben. Den außer den Drogen gibt es für die Latinos in Los Angeles keinen anderen Weg nach oben. 

Am Ende leider auch ein bisschen unrealistisch, das Kartell hätte ihr sicher nicht erlaubt in die Nähe eines Bosses zu gelangen. Aber ein schöner Kniff ist auch in das Ende gepackt: Die weißen Drogendealer aus der Oberschicht, ja die die keine Angst vor Verfolgung durch die Justiz haben … die haben auch einen weißen und weiblichen Boss, der es schaft im Hintergrund zu bleiben.

Und die Justiz? Die Polizei? Korrupt, was sonst?

Ein tolles Buch, nach Megacool von Jese Mowry das zweitbeste was ich über Drogen, South Central und Los Angeles gelesen habe. Den zweiten Platz teilt sich Melissa Scrivner Lover aber mit Joe Ide.

Ich freue mich schon jetzt auf 2020: Da erscheint American Heroin, der nächste Band rund um Lola.

Ach ja: Am Gangsterleben in South Central ist nichts cool. Sondern 100% Risiko – und dein früher Tod ist sicher.

Soundtrack dazu: Manic Hispanic – Brown Girl, was sonst?

PS: Herausgegeben von Thomas Wörtche, ein Qualitätskriterium!

Und Huntington Park?

Und auch mit einem schönen Punk Bezug:

… und das führt uns zu einer extrem coolen Szene: