Bücher, schnell gelesen: Teil 1.455

JJ Amaword Wilson – Damnificados (Edition Nautilus, 2020)

Gelesen: 08. – 13.06.2020, netto 310 Seiten

Ich mag ja nicht nur Krimis, Thriller oder Noir – nein, ich mag auch Bücher in denen die Realität ganz leicht verschoben wird.

Damnificados (ein großartiges Wortspiel) ist so ein Buch. Inspiriert durch den real existierenden Torre de David in Caracas wird die Geschichte der Besetzung durch Slum-Bewohner mit einem Schuss Fiktion zu einer Fabel – letztendlich aber eine sehr aktuelle Geschichte über erzwungene Migration: Landbesitzer gegen Landbesetzer, Stadt gegen Land, Arm gegen Reich, Gewinner gegen Verlierer.

JJ Wilson hat sich dabei eng an der Wahrheit orientiert: Auch in der Realität wurden die Besetzer des Turm von einer Räte-Regierung geleitet, auf jedem Stockwerk gab es einen Stockwerk-Rat, alle 5 Stockwerke einen Gruppenführer.

Der Rest – der ewige Kampf der Bewohner ums überleben – ist mit viel Fantasie als Fabel angelegt: Doppelköpfige Wölfe, müllfressende Riesenkrokodile und biblische Sinfluten. Und immer wieder der Kampf der Bewohner, die innere Ordnung zu halten und ihrem Führer zu trauen.

JJ Amaword Wilson – Damnificados ( (c) Edition Nautilus 2020)

Wenn dein Kopf frei ist für viel Fantasie und die literarische Abstraktion echter Probleme in einer Welt weit weg von Deutschland – dann gönn dir das Buch.

Soundtrack dazu: Diego Torres – No Tan Distintos, was sonst?

PS: Übersetzt von der wunderbaren Conny Lösch, ein Qualitätsmerkmal!

PPS: Und so war das real …