Bücher, schnell gelesen: Teil 892

James Palmer - Der blutige weiße Baron (Die Andere Bibliothek, 2010)
James Palmer – Der blutige weiße Baron (Die Andere Bibliothek, 2010)

Gelesen: 17. – 21.2012 (Zeit nicht genommen), netto 364 Seiten.

„History repeats itself“ haben schon die Big Boys gesungen aber diese Geschichte ist so unglaublich…

Da gab es, zurecht von der Zeit vergessen, einen durchgeknallten Deutsch-Russen (aus verarmten estnischen „Adel“) der nicht nur an den Zaren und die Monarchie glaubte (nein, der nichts anderes kennen wollte) so daß er nach dem ersten Weltkrieg ein „Weißer“ (oder „Konterrevolutionär“) wurde – nein, der Typ hatte dermaßen einen an der Klatsche das er auch noch ein frommer und fanatischer Buddhist wurde. Und wo geht das besser als im „fernen“ Osten, wohin ihn die Nachwehen des Krieges und der Revolution verweht haben.

Was die Sache spannend macht? Naja, der Typ war 1920 für 130 Tage sowas wie der Herrscher über die Mongolei, ein von China und Russland gleichermaßen ignorierter wie als „Puffer“ genutzter Landstrich. Und diese Herrschaft zeichnete sich durch Antisemitismus, Antikommunismus und gnadenloses Morden aus. Dazu legte er, wie jeder russische Offizier (sowohl vor als auch nach der Revolution) überhaupt keinen Wert auf das Leben seiner Soldaten, im Bestrafen von vermeintlichen Vergehen war eine ganz großer! Dann haben ihn die „Roten“ gefangen, abgeurteilt und erschossen. Angst hatten sie dennoch vor ihm. Und in der Mongolei gibt es noch heute Familien die ihn als Gottheit (!) verehren. Wow!

Das ganze von einem englischen Historiker kundig, sorgsam und weitreichend („episch“) vor dem historischen Hintergrund des Post-revolutionären Russlands erzählt ist eine echt feine Geschichte. Total spannend. Soundtrack dazu: Regulations!

PS: Die Andere Bibliothek von Eichborn ist immer wieder gut für handwerklich hervorragende Bücher (d.h. die Gestaltung uns Ausführung) sondern auch für großartige Geschichten! Mein ist #1002 der nummerierten Erstausgabe. Verdammter Sammler!