Bücher, schnell gelesen: Teil 915

David Simon & Ed Burns - The Corner (Kunstmann, 2012)
David Simon & Ed Burns - The Corner (Kunstmann, 2012)

Gelesen: 30.04. – 04.05.2012 (Zeit nicht genommen), netto 761 Seiten (plus 22 Seiten Nachwort von 1997 und Nachwort von 2009).

Ein Hammer. Nach „Homicide“ noch ein Buch über Baltimore, nochmal von David Simon und nochmal bester „True Crime“ im weitesten Sinne. Diesmal hat sich David Simon mit dem ex-Cop Ed Burns zusammengetan und sie nehmen die Wirklichkeit des Niedergangs von Baltimore’s Schwarzenviertel im Drogenwahnsinn (Handel und Einnahme) unter Beobachtung. Ein ganzes Jahr hängen sie dort ab, wo der „War on Drugs“ genau gar nichts bringt – dort wo jede Hoffnung längst fahren gelassen wurde, weil die Realität des „Land of the Free“ von der ökonomischen Realität der Drogen längst überholt wurde. Es gibt im „Rust Belt“ keine Arbeit mehr, schon gar nicht für Schwarze, und dafür ist als Ersatz die Arbeit in der Branche „Drogen – Handel und Kommerz“ getreten.

Die Erkenntnis trifft uns (die wir in der privilegierten Welt leben) hart und brutal:

(c) Verlag Antje Kunstmann 2012
(c) Verlag Antje Kunstmann 2012

Kaufen. Staunen. Angst haben. Aufatmen, Glück gehabt haben.

Im Nachwort von 2009 kommt dann auch der Hinweis warum die klaren Wahrheiten aus diesem Buch nichts, aber auch gar nichts in den US of A ändern (mal abgesehen davon das es wohl zu wenige lesen): Der jetzige Gouverneur von Maryland und vorherige Bürgermeister von Baltimore nutzte dieses Buch im Wahlkampf vor Ort am „The Corner“ und Versprach den endgültigen Sieg im Krieg gegen Drogen. Als er darauf hingewiesen wurde das dieses Buch sich genau dagegen ausspricht gab er zu, das er es nicht gelesen hatte. QED. Mögen die US of A endlich im Abgrund verschwinden und sich selbst zerstören.

Sonderbonus gibt es wieder für das coole buchbezogene Lesezeichen, well done!

Soundtrack: „Falling“ O.S.T. und Blank Stare.

Bücher, schnell gelesen: Teil 886

David Simon - Homicide (Kunstmann, 2011)
David Simon - Homicide (Kunstmann, 2011)

Gelesen: 03.01. – 25.01.2012 (Zeit nicht genommen), netto 790 Seiten plus 29 Seiten Anhang.

Ein großartiges Buch, schon 1991 erschienen aber erst mit der Neuauflage 2006 offensichtlich für den Deutschen Markt interessant geworden. „True-Crime“ wird das wohl genannt – es ist schlicht und einfach die detaillierte Beobachtung eines Polizeireporters, der ein Jahr in der Mordkommission von Baltimore im wahrsten Sinne des Wortes „gesessen“ hat (heute wird das wohl „embedded“ genannt).

Das Pensum: 234 Morde in einem Jahr. Die Aufklärungsraten so um die 70%. Die Stadt: Am Verfallen. Wer hier aufmerksam mitliest wird a) über die meisten TV-Polizeiserien lachen und b) die harte Realität im die Ohren gehauen bekommen. Realität ist dabei im Baltimore der beginnenden 90er Drogen, Drogenmorde, wirtschaftliche Rassentrennung und eigentlich alles üble was man sich so aus der Ferne vorstellen kann u.a. das die Stadtpolitik eigentlich die Statistik bestimmt.

Mit ruhiger, distanzierter Beobachtung und lakonischer, faktischer Sprache schafft es David Simon ein absolut plastisches Bild der Arbeit der Mordkommission zu schaffen und die Detektives und ihre Bosse mit all ihren Stärken und Schwächen darzustellen. Dazu gibt es – durch die Bank – interessante „Fälle“ bei denen der Leser der Aufklärung beiwohnen kann.

Wie alles, was lakonisch die blutige Realität beschreibt, großartig. Soundtrack dazu: The God Awfulls.