
Gelesen: 10. – 11.09.2026 (netto 168 Seiten)
Aus dem Japanischen von Katja Busson.
Shindo lebt Anfang der 1980er Jahre allein in Tokio und arbeitet als Fahrerin für ein Blumengeschäft, wo sie Auslieferungen übernimmt.
Sie wuchs bei ihren Großeltern in den Wäldern Hokkaidos auf, dort brachte ihr der Großvater – ein Waldarbeiter – das Kämpfen bei. Und der brachte ihr bei, das Kampftechnik der Tod eines Kämpfers ist. Es gewinnt immer schiere brachiale Gewalt.
Zehn Jahre später ist sie körperlich in Bestform, abgesehen von einer Vorliebe für Gewalt, der sie beim geringsten Anlass mit voller Lust freien Lauf lässt, pflegt sie keine Hobbys.
Und diese Lust bringt sie in die Hände einer Yakuza Gruppe, sie haut zwar einen Großteil der Jungs weg aber wird trotzdem einkassiert.
Und bekommt die Wahl: Gefoltert und getötet werden oder den Beschützer, Chauffeur und Laufburschen (Frauen mit Aufgaben kennen die Yakuza nicht) für die Tochter des Bosses geben.
Ohne Wahl nimmt sie den Job an und …
Bei so einem schmalen Buch werde ich nicht mehr verraten, außer das es auf diesen wenigen Seite mehr Atmosphäre schafft als wie ein Buch von doppeltem Umfang. Eine handwerklich meisterhafte Kurzgeschichte, leicht verlängert.
Akira Otani wagt es, unterhaltsam und bisweilen urkomisch zu sein, ohne dabei an Feingefühl und Mitgefühl einzubüßen. Selbst die schlimmsten Bösewichte sind mehrdimensional gezeichnet: als Menschen verabscheuungswürdig, doch eben Menschen.
Auch wenn das Buch männliche Gewalt, manipulatives Verhalten und sexuelle Übergriffe schonungslos schildert, liegt der Schwerpunkt vor allem darauf, wie solche Grenzüberschreitungen den Opfern ihre Handlungsmacht rauben – und schließlich darauf, was geschieht, wenn sich die Opfer die Macht zurückerobern.
Brutal, lakonisch und großartige Entschuldigungen: Als Entschuldigung für einen Vergewaltigungsversuch an ihr bekommt Shindo 4 abgeschnittene Penisse überreicht.
Wer sagt da schon nein?
Das Ende kommt überraschend und treibt dann doch den Wunsch das die Autorin nochmal ca. 60 Seiten investiert hätte.
Dennoch ein großartiges Buch, kommt auf die Shortlist für das Buch des Jahres.
Soundtrack dazu: Anger Flares – Ultra Violence, was sonst?
PS: Das Original Cover ist natürlich um Längen besser als die Internationale Ausgabe…

(Kawade Shobō Shinsha, 2020)
