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  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.574

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.574

    Nellie Bly – Around The World In 72 Days (Aviva, 2019)

    Gelesen: 07.03. – 08.03.2022 (netto 271 Seiten plus 35 Seiten Vor- und Nachwort)

    Pünktlich zum Internationalen Frauentag ein klein wenig Historie. Ich mag ja Reiseberichte aus Zeiten als noch alles … anders war. Dieser Reisebericht ist insofern besonders als sowohl die Idee ziemlich abstrus war (“Schneller sein als Phileas Fogg”) als auch die handelnde Person … eine Frau war. Und Journalistin. Die alleine reisen will.

    1889 in den US of A, Nellie Bly ist 35 und hatte zwei Jahre vorher einen echten Erfolg: Undercover lässt sie sich für 10 Tage in ein “Asyl für Nervenkranke Frauen” einweisen … daraus entsteht eine Serie (und ein Buch) mit dem coolem Namen “Ten Days In A Mad-House“.

    Ihr nächster Coup ist dann die Solo-Weltreise mit dem Ziel die von Jules Verne vorgegebene Zeit von 80 Tagen zu schlagen. Da sie sich auf inzwischen bessere abgestimmte Dampfschiffverbindungen verlässt schafft sie das locker:

    ( (c) AvivA Verlag, 2013)

    36 KM pro Stunde über 72 Tage. Nicht so schlecht für eine Zeit, die noch nicht so hoch getaktet war.

    Die Geschichte ist launig, muss aber durch die Augen einer ehr privilegierten Person gelesen werden: Reise in der Ersten Klasse mit Empfehlungsschreiben für die jeweiligen Kapitäne der Dampfschiffe und ein definitiv Herrischer Blick auf die die meisten nicht-Weißen die sie in den Häfen der Welt so erlebt (als Kulis, als Rikscha Fahrer, als Servicekraft in westlichen Hotels etc). Aber dadurch eben auch eine realistischer Blick wie damals die Leute reisten, die es sich leisten konnten.

    Eine spannende Story, ich mag sowas. Zumal Nellie mein Credo beherzt – immer nur Handgepäck!

    Soundtrack dazu: Smalltown – Go Around The World, was sonst?

    PS: Ein paar Bilder (Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C. 20540 USA)

    Nellie Bly & Ihr Reiseoutfit mit Gepäck
    Nellie bei ihrer Rückkehr nach NY
    Nellies Reise zum Nachspielen, Tag für Tag
  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.573

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.573

    Mike Nicol – Das Schlupfloch (btb, 2021)

    Gelesen: 20.02. – 06.03.2022 (netto 505 Seiten)

    Unter normalen Umständen wäre dieses Buch ein schnelles Lesevergnügen gewesen, da ich aber bei der Arbeit auch von dem Krieg gegen die Ukraine betroffen bin und damit viele Sorgen bei meinen Kollegen in der Ukraine sind, bin ich langsamer als sonst durch diese Vicky Kahn / Fish Pescado Geschichte gekommen.

    Mike Nicol konzentriert sich ja auf die realen Abgründe der Südafrikanischen Gesellschaft – Mord, Korruption und der ganze Rest. In diesem Buch bekommt er vor allem einen ruhigen, fast sanften, Aufbau der Geschichte hin.

    Gleich mehrere Stränge kommen erst nicht so richtig voran, die Überschneidungen scheinen zufällig … aber dann nimmt das große Bild Fahrt auf um eine ganz wunderbare Geschichte über einen Deal in Sachen “Privatisierung der Müllentsorgung” zu erzählen:

    Privatisiert werden sollen hier vor allem Gewinne, am besten bevor überhaupt echte Arbeit passiert. Alle wollen ihren Anteil an dem Deal, inklusive der CIA (die alte Verbindungen hatte und diese kappen musste, hier hilft es das vorherige Buch gelesen zu haben), und am besten “vorab Prozente”.

    Und so wird aus einer Korruptionsgeschichte im letzten Fünftel eine blutige Angelegenheit als Liebe, Hass und Geschäft miteinander kollidieren. Und da wird das Buch nahezu perfekt, da nur ein kleines Teil des Puzzles aus dem Rahmen fällt und damit Gleichgewicht der Macht zerstört. Blutig zerstört.

    Ich mag die Welt die Mike Nicol da in seiner Kapstadt-Reihe zaubert: Geheimagenten, Polizei, Detektive und immer die Suche nach Geschäften, die Geld abwerfen. Und mittendrin … die Verlierer. Die kommen in diesem Buch eigentlich garnicht vor, das ist vieleicht die einzige Schwäche.

    Der Cliffhänger ist übrigens auch blutig, da kommt noch mehr…

    Soundtrack dazu: Mad Professor – Riot In Capetown, was sonst?

    PS: Food for thought….

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.572

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.572

    Denise Mina – Totstück (Ariadne, 2021)

    Gelesen: 10. – 19.02.2022, netto 308 Seiten

    Es sind “nur” 308 Seiten zu lesen aber dieses Buch ist schwer wie Blei und gefühlt sind es 500 Seiten. Und das liegt in erste Linie daran, das die Story Gewicht hat.

    Und das nicht nur weil sie geschickt mit Klassenunterschieden spielt sondernm weil es – stark destiliert – eine weibliche hard-boiled Story ist.

    Margo ist Ärztin in Glasgow, hat viel gesehen und erlebt. Aber irgendwas fehlt und dafür such sie ihre leiblichen Eltern. Und stolpert in eine schmutzige Geschichte und einen Serienmörder. Und lernt so ihre Familie kennen.

    Und ab da biegt Denise Mina aber sowas von elegant vom vorhersehbaren Krimi ab: Margo entpuppt sich als weniger stark als sie dachte, ihre Mutter entpuppt sich als Teenie-Junkie Hure, die abgeschlachtet wurde und ihre Tante als Ex-Junkie, der Rache will. Und das alles vor dem Hintergrund einer festgefügten männlichen Sicht von Öffentlichkeit, Polizei und Presse auf tote Nutten (die niemanden interessierten – so lange sie aus der Gosse kamen).

    Glasgow in den 80ern, mal wieder ganz unten: Heroin, Mord – das volle Programme.

    Margo versucht über Wasser zu bleiben, versucht das richtige nach den gültigen Verhaltensweisen zu machen, nur um immer wieder zu verlieren. Dem Rollenbild entsprechend. In quasi Echtzeit rast die Geschichte auf ihr Ende zu …

    … um dieses dann mit einem schönen hard-boiled Knall zu setzen.

    Eine großartige Geschichte, schwer und mit viel Spannung – vor allem wegen dem fast dauerhaften Scheitern von Margo.

    Soundtrack dazu: Panic – Her Family’s On Drugs, was sonst?

    PS: Und Denise Mina so?

    Und Glasgow in den 80ern?

    https://www.youtube.com/watch?v=QDQWz2WYqJM