Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.811

    Bücher, schnell gelesen: 1.811

    Lavie Tidhar – Adama (Suhrkamp, 2025)

    Gelesen: 19. – 26.01.2026 (netto 416 Seiten)

    Aus dem Englischen von der wunderbaren Conny Lösch (ein Qualitätsmerkmal).

    Nach dem ersten Buch von Lavie Tidhar bat ich um mehr – hier ist “mehr”. Und, tja, die Qualität von Maror hat das nicht. Leider.

    Das Buch beginnt mit dem Tod (dem Ende) und endet mit dem … Anfang. Dazwischen gibt es ein hin und her zwischen den Jahren und die Familiengeschichte von Ruth. Von 1945 bis 2009. Von Israel nach Amerika.

    Vom Kampf gegen die Briten, vom Kampf gegen die Araber und vom Kampf darum, den Kibbuz aufzubauen und zu erhalten.

    Eine Geschichte, die den Frauen nachspürt und ihnen eine Rolle im werden des modernen Israels gibt. Und dieses moderne Israel ist durchaus unter dem Druck von Gewalt, Korruption und, ja, Verbrechen entstanden. Und tapfere Frauen (Ruth ist vor den Nazis aus Ungarn nach Palestina geflüchtet) haben es mitgeformt.

    Im Gegensatz zu Maror gibt es weniger Gewalt, aber wenn – dann ist sie brutal. Sei es die Gewalt von Gangstern oder die Gewalt der Israelischen Armee. Oder des Wiederstandes gegen die Briten.

    Tatsächlich scheint der Antrieb immer wieder “alles für den Kibbuz” zu sein und dabei gehen die Kibbuzim auch mal eben über Gesetze hinweg. Oder killen.

    So richtig gefesselt hat mich das Buch aber leider nicht, ich glaube das lag hauptsächlich an der fehlenden Chronologie.

    Beide Bücher zusammen sind aber schon ein Brett, ich glaube es gibt da auch noch einen dritten Band. Ich werde ihn auf jeden Fall auch lesen.

    Soundtrack dazu: Proton Packs – Mission For The Earth, was sonst?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.810

    Bücher, schnell gelesen: 1.810

    Jake Hinkson – Die Tochter Des Predigers (Polar Verlag, 2025)

    Gelesen: 15. – 18.01.2026 (netto 325 Seiten)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Bürger.

    So früh im Jahr und ich muss schon meine interne Shortlist für das beste Buch des Jahres aufmachen. Danke, Polar Verlag!

    Es ist ein Buch voller Kontraste und es fängt ganz wunderbar blutig an. Und in diesen Anfang hat Jake Hinkson auch schon einen ganzen wunderbaren Kniff eingebaut (den ich natürlich nicht verrate).

    Und schwenkt dann auf Lily, einem jungen Mädchen aus einer archaischen Kirche: Sie ist Mitglied bei den Oneness Pentecostals, eine Strömung innerhalb der Pfingstbewegung. Für die gibt es keine Dreifaltigkeit sondern ein ungeteiltes Wesen, das sich in verschiedenen Formen offenbart und Jesus ist.

    Und, klar, die haben einen Hau: Keine Handys, keine Fernseher, kein Make-Up, die Frauen schneiden ihre Haare nicht und … die Gemeinde spricht bei ihren Gottesdiensten in Zungen.

    Lily ist 18, schwanger und ihre Freund Peter ist verschwunden. Helfen will ihr keiner, weder die Polizei noch die Familie. Noch Peters Familie. Alle sind ehr damit beschäftigt, die Schande der Schwangerschaft zu bespielen.

    Die Kirchengemeinde ist klein und hält zusammen, nach sehr archaischen Vorstellungen. Im Laufe des Buches kostet das Lilys Vater auch den Job als Pastor der Gemeinde.

    Lily aber ist mit dem einfachen aber klaren Kompass der Kirche aufgewachsen und folgt diesem: Sie kann nicht glauben, das Peter sie und sein Kind verlassen hat. Und stellt Fragen. Und folgt Spuren.

    Und trifft auf einen Onkel, der eine Persona non-grata in der Familie ist: Eigentlich der Bruder ihrer Mutter, aber entstanden aus eine Affäre ihrer Großmutter. Ein Berg von einem Mann. Schwul. Atheist. Aber er hat mit Peter in einem Hotel zusammengearbeitet.

    Die absolute Unschuld von Lily bringt sie natürlich in Gefahr, denn das Hotel wird auch benutzt um Geld aus Zwangsprostitution zu schlagen. Und da Lily einfach nicht locker läßt und die Gefahr nicht kennt auf die sie zusteuert, hilft ihr Onkel ihr.

    Am Ende finden sie Peter, aber der Kniff vom Anfang des Buches kommt quer. Und statt eines Happy Ends gibt es ein Blutbad und eine Lily, die sich die Haare abschneidet.

    Denn Jesus hat ihr am Ende auf ihre Fragen nicht geantwortet. Und die Kirchgänger entpuppen sich nicht nur als brave Irre.

    Wow, was für ein klasse Buch und was für eine coole Noir-Story. Das Setting im ländlichen Arkansas und im Dunstkreis einer aus meiner Sicht durchgeknallten Kirchengemeinde ist nahezu perfekt.

    Das beste aber ist, das Lily ihrem Kompass folgt. Der ist einfach, aber das ist das einzige was sie hat. Und der führt sie mit Hilfe ihres Onkels durch das ländliche Arkansas, heruntergekommene Motels, zu Kleinkriminellen und plötzlicher, brutaler Gewalt.

    Ähnlich wie S.A. Cosbys „Die Rache Der Väter“ zwingt er zwei gebrochene Menschen, Fragen zu ihrem eigenen Leben zu stellen. Nur das es hier bei den Fragen bleibt. Das Blut, das bekommen die anderen schon hin.

    Großartig. Einzige Kritik: Der Originaltitel ist “Find Him” und spiegelt die Quintessenz des Buches viel besser wieder. Das ist nämlich der Ansporn für Lily, der nie versiegt.

    Soundtrack dazu: Off With Their Heads – Come Find Me, was sonst?

    PS: Bereits 2021 erschien Verdorrtes Land von Jake Hinkson bei Polar. Und irgendwie ist mir das durchgerutscht, obwohl ich immer alles vom Polar Verlag blind kaufe. Damn!

    PPS: Und Conway, Arkansas?

  • Bücher, schnell gelesen: 1.809

    Bücher, schnell gelesen: 1.809

    Michael Connelly – Der Inselcop von L.A. (Kampa, 2025)

    Gelesen: 09. – 14.01.2026 (netto 371 Seiten)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb.

    Wenn ich es recht verstanden habe, dann ist dieses Buch der Start einer neuen Reihe mit einer neuen Hauptfigur. Und sein 40tes Buch …

    Willkommen Detective Stilwell (Los Angeles County Sheriff Department). In Ungnade gefallen nach einem Streit mit einem Kollegen in der Mordkomission. Aus dieser dann Strafversetzt nach Catalina Island (ca. 50 KM vor Huntington Beach, LA).

    Dort werden gerne Problemfälle zum Abklingen geparkt. Entweder bis zur Rehabilitation oder bis zur Entlassung. N’ büschen so wie Mick Herrons Slough House. Die Bewohner der Insel sind das schon gewohnt und bauen daher nicht wirklich eine Beziehung zu den Cops aus der Stadt auf.

    Und die haben eh nur in der Touristen-Saison wirklich was zu tun (Drunk’n’Disorderly rules) oder wenn jemand im Naturschutzgebiet etwas verbotenes macht.

    Aber Michael Connelly führt ja eine neue Serie ein, das Zentrum des Buches ist ein strafversetzter Cops aus der Mordkomission … also gibt es eine Leiche auf Catalina. Ein Mord.

    Und Stilwell (dessen Vornamen wir im ganzen Buch nicht erfahren, cooler Kniff) bekommt es natürlich mit dem Kollegen zu tun, wegen dem er in Catalina gelandet ist. Und der Captain sagt klar, das der den Mordfall ermittelt und Stilwell nicht. Finger weg!

    Daran hält er sich natürlich nicht und nutzt andere Fälle auf der Insel (ein Diebstahl, eine Wilderei, ein tätlicher Angriff auf einen Polizisten) um am Rande weiter zu ermitteln.

    Und erkennt ein Muster. Und bekommt vom Captain das ok im Mordfall mitzuarbeiten. Und, klar, löst diesen dann auch.

    Irgendwie kommt Stilwell sehr eindimensional rüber, zumindest in großen Teilen des Anfangs im Buch. Dazu viel detaillierte Polizeiarbeit (wie in allen Büchern von Connelly) … das wirkt schnell dröge.

    Aber im letzten Drittel, wo sich viele lose Enden verknüpfen und einige Überraschungen warten, nimmt das ganze Fahrt auf und der Leser erkennt deutlich mehr Facetten von Stilwell.

    Und um seine Freundin zu retten, killt er und manipuliert den Tatort. Damit ist zumindest für den weiteren Verlauf der Serie mal ein Statement gesetzt.

    Ich bin gespannt wie das weitergeht, den Vergleich zu Bosch & Rene Ballard muss ich mir echt wegdenken. Der Vergleich, der mir tatsächlich kam, ist ehr die Constable Hirschhausen Reihe von Garry Disher … Catalina ist sowas wie der Outback von LA.

    Kann was werden, kann aber auch in die Hose gehen.

    Soundtrack dazu: Descendents – Catalina, was sonst. Und das ist eines meiner absoluten Lieblingslieder auf meiner absoluten Lieblingsplatte von meiner absoluten Lieblingsband.

    Und im Nachgang: ALL – Explorador!

    PS: Und Michael Connelly so?

    PPS: Und Catalina?