Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: 1.793

    Bücher, schnell gelesen: 1.793

    Gerhard Paul – Das absurde Ende des “Dritten Reiches” (Verlag Herder, 2025)

    Gelesen: 28. – 31.10.2025 (netto 310 Seiten)

    Mal kein Crime sondern … Geschichte. Mit einem Hauch von Operette.

    Das Ende des zweiten Weltkrieges mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Streitkräfte am 08. Mai 1945 gilt für viele als Ende des 3. Reiches und der Nazi-Herrschaft.

    Allerdings gab es da noch eine kleine aber feine Genauigkeit: Mit dem Selbstmord von Hitler am 30.04.1945 galt sowas wie sein politisches Testament, in dem Hitler an allen (auch im 3ten Reich geltenden) Gesetzen vorbei Großadmiral Karl von Dönitz zum Reichspräsidenten machte.

    Der stellte dann auch in der Holsteinischen Schweiz (wohin viele Reichsregierungsstellen aus dem brennenden Berlin ausgelagert worden sind) auch eine Geschäftsführende Reichsregierung zusammen, die am Ende über ein paar Quadratkilometer Marineschule Mürwik (in Flensburg) bestimmte.

    Weil Schleswig-Holstein eben noch nicht von den Engländern besetzt worden war. Vor dort aus entsandte Dönitz dann auch Keitel, Stumpff und von Friedeburg nach Berlin-Karlshorst wo die Kapitulationsurkunde pressefreundlich am 08. Mai nochmal gegenüber allen Alliierten unterzeichnet wurde.

    Was Dönitz und Co. sonst so machten, dem spürt der Historiker Gerhard Paul nach und das ganze ist tatsächlich mit einem gewissen Schmunzeln zu lesen. Wenn nicht Dönitz und seine Knallchargen weiterhin 3te Reich gespielt hätten.

    Wo im Rest von Deutschland bereits Hakenkreuz und Waffen verboten waren, gab es diese in Mürwitz noch … inkl. Standurteile gegen Defätisten, Fahnenflüchtlinge etc.

    Und Heinrich Himmler, der samt der SS Führung dort auch aufschlug, sorgte für den mehr oder weniger erfolgreichen Umstieg in die Nachkriegszeit: Ordentlich falsche Papiere wurden ausgestellt.

    Erst am 23. Mai 1945 setzten die Engländer dem ganzen ein Ende und verhafteten die ganze Bagage. Dafür reichte dann ein Zug britischer Soldaten.

    Detention Card für Karl Dönitz

    Spannend, unterhaltsam und immer mit dem Finger in der Wunde. Denn Paul stellt an jedes Kapitelende ein “Übrigens” und zeigt auf das z.B. Nazigeneräle eine Ehrentafel bekamen aber KZ-Gefangene, die irgendwie nach Flensburg verschleppt wurden, nicht. Dito einfache Soldaten, die noch nach der Kapitulation zum Tode verurteil wurden.

    Und nach dem Krieg jede Menge Politiker, Bürgermeister etc. die an nichts erinnern wollen.

    Geschichte, die erzählt werden muss. Geschichte, die gekannt werden muss. Geschichte, die verdammt nochmal kein Fliegenschiss ist.

    Soundtrack dazu: No Hope For The Kids – Das Reich, was sonst?

    PS: Topografie des Terrors!

  • Bücher, schnell gelesen: 1.792

    Bücher, schnell gelesen: 1.792

    Michael Connelly – Götter Der Schuld (Kampa, 2025)

    Gelesen: 15. – 27.10.2025 (netto 479 Seiten)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb.

    Tja, da ich die Lincoln Lawyer Serie im TV gesehen habe und die dritte Staffel (erschienen 2024) auf exakt diesem Buch beruht bin ich dann doch in die Bredouille gekommen: Das durchgehende Gefühl das ich genau weiß wie es weiter geht.

    Als TV Serie wird dieses Buch in 10 Folgen per ca. 50 Minuten gepackt, also ein büschen mehr als 8 Stunden. Und natürlich nutzt die Serie die verschiedenen twists’n’turns des Buches als Cliffhänger der Einzelfolgen.

    Als ganzes und als Buch funktioniert es aber natürlich auch. Michael Connelly schafft es einfach perfekt eine eigentlich lineare Geschichte (Verteidigung eines des Mordes angeklagten Klienten) nicht nur in spannende Handlungsstränge zu zerlegen sondern diese sowohl was das Prozessgeschehen als die Ermittlungsarbeit angeht relevant und echt zu halten.

    Seine Stärke diese Prozesse klar zu beschreiben zieht sich ja durch alle seine Bücher, hier gibt es das von A bis Z.

    Und es ist ein Fall wo der Michael Haller nicht nur gewinnt sondern auch Opfer bringen muss. Seine Ermittlungsarbeit kostet einem Mitarbeiter das Leben. Bringt einen ex-Polizisten dazu sich umzubringen. Rettet en passant einen Bösewicht des Kartells und dieser bedankt sich in dem er einen DEA Bösewicht erledigt.

    Klingt wild, fügt sich aber logisch zusammen.

    Spannend, rund und … vieleicht ein wenig zu gefällig? Egal, ich mag dieses Zeug.

    Soundtrack dazu: The Muffs – Guilty, was sonst?

    PS: Und Michael so?

    Der Trailer…

  • Bücher, schnell gelesen: 1.791

    Bücher, schnell gelesen: 1.791

    Michael Connelly – Die Spur Der Toten Mädchen (Kampa, 2025)

    Gelesen: 29.09. – 14.10.2025 (netto 482 Seiten, Krankheitsbedingt mit Unterbrechungen)

    Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb.

    Smooth, hand-in-glove! Das fällt mir zu dieser Story ein, vor allem wie Michael Connelly hier die Bosch Reihe und die Lincoln Lawyer Reihe zusammenführt und ein einem Buch, einem Fall, vereint.

    Das ganze beginnt mit Seitenwechseln: Mickey Haller wird vom LA District Attorney als Staatsanwalt angeheuert um einen alten Fall, denn ein Berufungsgericht hat eine 24 Jahre alte Verurteilung aufgehoben. Der Hauptbeweis (Sperma auf einem Kleid) stellte sich nach einem DNA Test als Entlastungsbeweis heraus.

    Der Staat (aka “das Volk”) braucht nun einen unverbrauchten Ankläger für den neuen Prozess. Und die (somit erstmalige) Verurteilung von Jason Jessup.

    Dazu holt Haller nicht nur seine ex-Frau ins Team sondern auch seinen Halbbruder Harry Bosch als Ermittler des Staatsanwaltes.

    Im Ergebnis muss Haller einen offensichtlich Schuldigen verknackt bekommen, wo er doch sonst offensichtlich Schuldige versucht freizubekommen. Der Vorteil ist natürlich, das er alle Tricks einer guten Verteidigung kennt.

    Im Gegensatz zu einem reinen Bosch Fall ist hier weniger detailierte Ermittlung zu erleben sondern eben mehr von Haller, der als witziger Zyniker, Veteran unzähliger Gerichtsschlachten und knallharter Taktiker glänzt.

    Connelly trifft dabei die Details von Hallers Welt ebenso präzise wie die von Bosch, er schildert einen zermürbenden Prozessablauf, die emotionalen Höhen und Tiefen der beteiligten Anwälte, die Verdrießlichkeit des Richters und die Kleinlichkeit der Geschworenen und etwaiger Störenfriede mit bemerkenswerter Präzision.

    Alles in diesem Buch fühlt sich dabei (oder dadurch?) sehr Real an, so dass der Leser nicht einmal daran zweifelt, dass die Öffentlichkeit den nach 24 Jahren entlasteten Jessup, der zufällig auch ein verurteilter Kindermörder ist, als Volkshelden feiert oder dass es in der Staatsanwaltschaft von Los Angeles jemals so etwas wie einen „unabhängigen Staatsanwalt“ gab.

    Und bei allen zynischen Blicken auf die Justiz, allen zynischen Handlungen der Beteiligten bleibt ein klarer Blick auf die Opfer: Das Opfer selbst und die zerstörte Familie.

    Das bisher stärkste Buch der Lincoln Lawyer Reihe und am Ende wartet eine große Überraschung: Bosch killt nicht einen Bösewicht!

    Soundtrack dazu: Second Wind – Trial and Errors, was sonst?

    PS: Und Michael Connelly so?