Category: Bücher

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.350

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.350

    Gümter Märtens- Die Graupensuppe (Punktum Bücker, 2017)
    Günter Märtens- Die Graupensuppe (Punktum Bücker, 2017)

    Gelesen: 22. – 24.10.2018, netto 282 Seiten

    Es freut mich immer wieder wenn Freunde mich auf mein Blog ansprechen, es freut mich aber noch mehr wenn diese mir dann ein Buch schenken, das ihnen selbst sehr gefallen hat.

    Ich hätte dieses Buch in der Fachbuchhandlung meines Vertrauen wohl ehr nicht gefunden bzw. hätte es anhand des Titels und des Covers ehr nicht in die Hand genommen. Ein Fehler – aber das hätte ich nicht ahnen können.

    Günter Märtens ist aus Hamburg, geboren 1958, und hat früh in die Musik-Szene der Stadt geschnuppert.  Heute ist der Musiker (u.a. bei Ulrich Tukur) und Schauspieler. Ende der 70er und Anfang der 80er war er vor allem Junkie und zwar Hauptberuflich.

    Es ist irgendwie schon komisch: Heute ist Heroin eine Elendsdroge aber dank Drogenberatungen und Drogenhilfe sterben immer weniger am Goldenen Schuss (2016 in Hamburg nur ein Junkie). Damals war Heroin mehr Lifestyle Droge und weit über 100 Junkies hauten sich jährlich mit einem finalen Druck über den Jordan.

    Günter Märtens kam über die Musik zu Drogen und über harte Jobs (u.a. für James Last) zu harten Drogen. Und ab da wird sein Leben sehr einseitig: Drogen bestimmen den Alltag, obwohl er nebenbei immer versucht zu arbeiten. Aber wenn er Geld hat, dann haut er das für Drogen raus.

    Das ganze Buch durchzieht eine fast lustige Stimmung, aber das ist nur der Lack. Unter dem Lack ist das Elend: Der Spaß an den Drogen und die Einsicht das einen das für immer in der Drogenszene festhält. Der Tod von Freunden und das abziehen von Freunden und Familie, um Drogen zu besorgen. Und wenn die Drogenversorgung gesichert ist, dann auch eine vorsichtiges Klopfen an dem Leben, in das er gerne zurück möchte.

    Am Ende und kurz davor vollständig abzustürzen schafft er den Absprung. Und bekommt sein Leben zurück.

    Als Anti-Drogen Buch denkbar ungeeignet, dazu ist es zu smart und nicht Elend genug.  Für mich aber, der auch in meiner kleinen Musik-Szene genug Elend mit Gift gesehen hat ist es aber dennoch ein schönes Buch und zwar weil es wahr ist. So ist das Leben wenn Musik und Drogen jung zusammenkommen.

    Und dazu ist Günter auch noch ein smarter Erzähler.

    Und ein lustiger Kerl!

    Schönes Buch, Danke Stefan!

    Soundtrack dazu: The Gun Club – She is like Heroin to me, was sonst?

    Und ansonsten fällt mir dabei immer nur der alte Descendents Klassiker “Catalina” ein, eines der besten Lieder zum Thema:

    Shoot it in your arm, you can't hurt me
    I'm on my way to Catalina
    I'm not going to read your books
    My tank's full of squid
    And it's getting light
    
    Whores, you can't make me want
    I got all the fish I need
    On the deck of my boat
    
    You can't take my heart when I'm here
    Cause it's a long swim home
    For your short, little arms
    
  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.349

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.349

    Joe R. Lansdale - Hap & Leonard - Die Storys (Golkonda Verlag, 2018)
    Joe R. Lansdale – Hap & Leonard – Die Storys (Golkonda Verlag, 2018)

    Gelesen: 16. – 21.10.2018, netto 263 Seiten

    Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die Hauptsächlich die Jugend von Hap & Leonard beschreiben. Vor allem “Keiner von uns“beschreibt dabei das erste Treffen von unseren beiden Helden.

    Die Geschichten sind dabei von unterschiedlicher Qualität und so richtig zünden tun sie nur zum Teil. Als Abrundung des großartigen Hap & Leonard Cosmos sind sie jedoch Pflicht.

    Am Ende plaudert Joe R. Lansdale dann noch ein wenig aus dem Nähkästchen – einmal in einem fiktiven Interview mit Hap und Leonard und dann erzählt er noch ein bischen wie die verschiedenen Bücher mit seinen verschiedenen Lebens- und Schaffensphasen korrelieren.

    Für Sammler ein muß, zum Kennenlernen des Hap & Leonard Universums aber sicher die falsche Wahl (aber das sollte niemanden davon abhalten die Welt von Joe R. Lansdale und von Hap & Leonard zu entdecken!)

    Soundtrack dazu: toyGuitar – Human Hyenas, was sonst?

     

     

  • Bücher, schnell gelesen: Teil 1.348

    Bücher, schnell gelesen: Teil 1.348

    Alice Bag - Violence Girl (Feral House, 2011)
    Alice Bag – Violence Girl (Feral House, 2011)

    Gelesen: 08. – 15.10.2018, netto 372 Seiten

    Einfach nur zu schön – Punk History, eine Sängerin und jemand der tatsächlich relevante Dinge zu erzählen hat.

    Alice Bag war nicht nur die Sängerin der Bags (L.A. Punk 1977 – 1981) sondern auch ein Teil der Szene von Anfang an. Das Buch konzentriert sich aber absolut genial auf das gesamte Aufwachsen als Latino Kind in East-L.A. und das Leben insgesamt. Mit allen Höhen (Musik) und Tiefen (Familie, Musik).

    Aufgewachsen in tiefster Armut und mit vielen Problemen in der Familie (gewalttätiger Vater) zeichnet sich vor allem eins ab: Zielstrebigkeit. Erst als Rock Groupie, dann als Punk Fan und sofort auch als Musiker. Und dann über Punk hinaus als Mutter und Lehrerin.

    Das Buch ist einfach großartig, vor allem weil Alice über alles spricht. Unter anderem spricht sie auch aus was viele nicht sehen wollten bzw. wollen: Darby Crash war ein selbstverliebtes Arschloch, dem sie zurecht einen Tritt verpasste.

    Wer die Geschichte des L.A. Punk sucht ist hier falsch, wer allerdings lesen will wie sich eine kleines Latino-Mädchen in L.A. behauptet hat und in die “Szene” gewachsen ist – der ist hier richtig!

    Kaufen!

    PS: Alice betreut heute auch das großartige Women in L.A. Punk Archiv, der Besuch lohnt sich!

    Soundtrack dazu: entfällt, hört ihr selbst zu!

    The Bags mit ihrem Signature-Song live (February 5th, 1978, The Troubadour, West Hollywood, CA):

    Und “77” hat für Alice noch eine andere Bedeutung – ihre Hymne an Equal Pay:

    Und einmal der ganze Rest: