Bücher, schnell gelesen: Teil 1.527

Giancarlo De Cataldo – Alba Nera (Folio Verlag, 2021)

Gelesen: 01. – 02.06.2021, netto 245 Seiten

Giancarlo De Cataldo ist Richter in Rom und schreibt großartige politische Thriller. Alba Nera passt dazu ist aber eine ehr kleine, leise und tiefe Geschichte.

Eine Geschichte über Freundschaft und Aufstieg in den Sicherheitskreisen in Italien: Ein bärbeißiger Bulle von einem Cop, seine FBI gestählte ex-Freundin als “CSI Roma” und der dritte im Bunde, der in einer Behörde ohne Namen gelandet ist.

Alle drei verbindet ein Fall vor 10 Jahren, bei dem der Hauptverdächtige vom Bullen erschossen wurde – ohne wirkliche Not. Das haben die drei Freunde vertuscht, Schwamm drüber.

Aber jetzt taucht wieder eine totes Mädchen auf, wieder gefoltert – gleiche Spurenlage. Und ihre Freundschaft holt sie wieder ein.

Kurz, knapp und extrem spannend erzählt De Cataldo die Geschichte. Lücken werden mit Rückblenden gefüllt, Spannung durch Vorsprünge erzeugt. Was ein einfacher Kriminalfall war wird innerhalb kürzester Zeit zu einer Kampf gegen Windmühlen.

Am Ende hilft nur Verrat der Freundschaft, zu Verrat des Landes reicht es aber nicht.

Zwänge, Freiheiten, Skepsis – und jede Menge Entscheidungen zu treffen. Und durch diese schifft uns De Cataldo mit eine großartig erzählten Geschichte.

Klasse Buch, ganz großer Autor!

Soundtrack dazu: Cospira – 29 Torture, was sonst?

PS: Und De Cataldo so?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.526

Stephen Mack Jones – Der Gekaufte Tod (Tropen, 2021)

Gelesen: 29. – 31.05.2021, netto 351 Seiten

Puh, das ist eine spannende Kombination: Zum einen beschreibt dieses Buch (und ich nehme an die Serie) sehr gut den Untergang von Detroit und wie einzelne in den Stadteilen versuchen den Verfall (sowohl der verlassenen Häuser als auch der Gesellschaft) aufzuhalten.

August Snow, halb Schwarzer, halb Mexikaner, ist so einer. Und er hat das Geld, um was zu verändern. Was nicht hilft ist das er ein Ex-Cop ist, der das Geld (satte 12 Millionen Dollar) durch einen Prozess um Schadensersatz von der Stadt bekommen hat. Durch den Prozess ist er im Police Department eine Pariah, nicht wenige wollen ihn Tod sehen.

Ziemlich lustig und locker kommt Snow daher, immer einen flotten Spruch – immer der Sieger in einer Auseinandersetzung. Und obwohl der weder Cop noch Privat Detektiv ist rutscht er in die Untersuchung des Todes einer reichen Frau herein (deren Vergangenheit sich bereits mit der von Snow kreuzte).

Natürlich war es Mord, Snow ist sich sicher. Der Rest sagt “Selbstmord”. Und ab da hat Snow zwei Aufgaben: Sein Viertel, seine Straße wieder herzurichten und den Bösen, die Eleanore Paget ermordet haben das Handwerk zu legen.

Auch das geht locker flockig mit viel Humor von statten, vor allem weil Snow immer versucht den Chef des ganzen zu finden und zu erledigen. Und am Ende feststellen muss das der auch einen Chef bzw. Kontroller hat.

Entspannter Krimi mit viel schwarzem Humor, für meinen Geschmack zu lustig und zu viele lockere Sprüche. Toll aber wie Jones seine Gegend (Mexicantown) beschreibt. Mal sehen was der nächste Band aus der Serie so bringt.

Soundtrack dazu: Benedict Arnold & The Traitors – Kill The Hostages, was sonst?

PS: Und Stephen Mack Jones so?

PPS: Und Detroit so? Stunning ruins …

Und August Snows Gegend?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.525

Pascal Engman – Rattenkönig (Tropen, 2021)

Gelesen: 28. – 29.05.2021, netto 452 Seiten

Mit dem ersten Band rum um Vanessa Franck hatte mir Pascal Engman das Vertrauen in die Tropen Krimireihe zurückgegeben, ansonsten hätte ich diese Reihe drangegeben.

Vanessa, jetzt bei der Mordkommission, und ihr heimlicher Helfer, der Ex-Elitesoldat Nicholas, stolpern in diesem Fall mitten in eine #metoo und #incel Geschichte. In Stockholm. Im reichen Schweden.

Die Stärke von Pascal Engman ist auf alle Fälle Tempo. Und ein gutes Maß an Realismus. Und so wird aus einem Mord eine Serie. Und aus Puzzelstücken wird ein Bild.

Das Bild passt aber irgendwie nicht. Und wie Vanessa das unpassende zusammenbekommt – das bekommt Pascal Engman gut hin. Und der erfahrene Krimi-Leser bekommt die eine und die andere Überraschung sehr elegant serviert. Nämlich mit ebenso einem “Aha” Effekt – das hätte ich doch vor 50 Seiten sehen sollen!

Was mir immer noch nicht so 100%ig zusagt ist der Focus auf aktuellen Themen (Flüchtlinge im ersten Band, #metoo im zweiten), aber das muss wohl so sein.

Gefällig, mit Tempo und auch mit der notwenigen Härte. Keine Meisterleistung aber ein guter Krimi. Jetzt fehlt noch der Abschluss der Trilogie. Her damit.

Soundtrack dazu: The Vicious – Suspicious, was sonst?