Bücher, schnell gelesen: Teil 1.462

Scott Thornley – Der Gute Cop (Suhrkamp. 2020)

Gelesen: 20. – 25.07.2020, netto 514 Seiten

Hopla, ein etwas anderer Krimi aus Kanada. Im Original ist der Titel „The Ambitious City“ und es ist der 2te Teil einer Serie um Detective Superintendent MacNeice.

„The Ambitious City“ ist eine viel besserer Backdrop für die Geschichte, das deutsche Cover ist allerdings graphisch das viel smartere (und spielt viel besser mit der Geschichte in der Geschichte).

Scott Thornley bekommt es ziemlich gut hin mehrere Geschichten parallel zu erzählen: Einmal MacNeice und sein Verhältnis zum Bürgermeister von Dundurn (am Lake Ontario, in der Nähe der Grenze zu den US of A), wo MacNeice ehr den Ausputzer spielt. Dann die Toten aus mehr als 70 Jahren im Hafenbecken der Stadt, die gerade versucht in diesem Hafenbecken ihre Ambitionen zu verwirklichen. Dann jede Menge Tote Biker (und später noch mehr), die versucht haben an diesen Ambitionen mitzuverdienen.

Und ein hochintelligenter Irrer, der erfolgreiche Frauen mit Migrationshintergrund killt weil diesen seine demographischen Pläne für Kanada unterlaufen.

Dem Buch fehlt definitiv nix, Tempo, Gewalt, Bösheiten und echte Polizeiarbeit – alles da, inclusive Humor. Und das beste: Ein Showdown geht hier kurz und knapp über die Bühne, inclusive einem Schuss in die Eier für den Bösewicht. Was er verdient hatte. Er war nämlich schon tot.

Was auch herraussticht ist der Charakter von MacNeice – ein Cop mit Empathie und Intuition. Ein Cop der nicht nur das Gute will sondern auch das Gute erreicht. Und dafür auch mal Regeln bricht.

Schade das hier das 2te Buch einer Serie zuerst kommt, was hab ich denn schon verpasst?

PS: Wenn etwas fehlt, dann ist das Landschaft, die kommt quasi nicht vor. Aber bei Gefühlt 27 Toten ist das ok.

Soundtrack dazu: The Hextalls – Who Is The #1 Cop, was sonst?

PS: Hamilton, The Ambitious City:

PPS:

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.461

Sophie Hénaff – Mission Blindgänger (C. Bertelsmann, 2020)

Gelesen: 13. – 20.07.2020, netto 297 Seiten

Neues von der Sophie Hénaff und der Chaos-Brigade. Der erste Band war ein schierer Spaß, der zweite Band weniger lustig und mit mehr Polizeiarbeit.

Der dritte Streich ist irgendwie indifferent, weder durchgehend lustig noch mehr echte Polizeiarbeit. Er ist vor allem wuselig. Denn Brigademitglied Capitaine Eva Rosière ist in ihrem literarischen Nebenerwerb nunmehr Drehbuchautorin … und zugegen als der von ihr extrem gehasste Regisseur ermordet wird. Der, dem sie mehrfach und laut „ich bring dich um“ an den Kopf geworfen hat – vor dem gesamten Filmteam.

Wie es dann kommt, das ihre Brigade ermittelt ist mit Sicherheit keine echte Polizeiarbeit und wie ermittelt wird (die Polizisten springen als Schauspieler ein) ist zwar eine lustige Idee aber nicht wirklich eine Buchidee.

Was gelungen ist, ist den Mörder auf kleinstem Raum klug zu verstecken. Aber das macht das dieses Buch jetzt nicht wirklich zu einem Killer, ehr zu einer leichten Lektüre die schnell verdaut ist.

Wirklich lustig und spannend wird sein, wenn dieses Buch verfilmt wird – etwas mit dem Sophie Hénaff im Abspann kokettiert. Das ist dann ein Buch im Film im Film im Buch. Und das dürfte lustig sein (aber, hach, es gibt ja kaum lustige Filme aus Frankreich).

Schade – diese Reihe biegt für mich falsch ab.

Soundtrack dazu: The No-Talents – Bad Story … Bad Movie, was sonst?

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.460

Michael Berg – Der Carrier (Atrium, 2020)

Gelesen: 05. – 12.07.2020, netto 565 Seiten

Ups, das ist ein komisches Buch.

Der Atrium Verlag hat ja einige sehr schöne Thriller ausgegraben, da habe ich mir auch dieses ohne viel Nachdenken geschnappt. Und da ich Verlagen auch schon nach wenigen guten Büchern vertraue, habe ich das Buch in der Buchhandlung meines Vertrauens mitgenommen.

Die Geschichte klingt im Waschzettel erstmal ganz spannend:

September 2001 wird in den USA die geheimdienstliche Abteilung, der Erasmus Levine angehört, von einem Unbekannten geführt, den selbst seine engsten Mitarbeiter noch nie gesehen haben und der nur unter dem Codenamen »Alpha« bekannt ist. Schon seit Jahren erhält Levine geheime Nachrichten von Alpha, über die er mit niemandem redet. Die erste dieser Nachrichten lautete: »Du und ich gegen den Rest der Welt.«

In Realität ist das aber kein Thriller sondern ein Sachbuch in der Verpackung eines Thrillers. Es geht ums nichts weniger als die Aufarbeitung des schwedischen Nuklear Programmes der 50er/60er, das von der Regierung mehr oder weniger heimlich vorangetrieben wurde:

Die Geschichte ist tatsächlich spannend (und ich hatte ja keine Ahnung stimmt hier voll), wird aber in einen Post-9/11 Thriller verpackt der nicht weniger als die Rettung der Erde vor Nuklearwaffen als Thema hat. Und das ganze dann irgendwie gaga macht.

Alle historischen Referenzen im Buch sind stimmig, allen Fäden lässt sich mit Public Domain know-how nachgehen (zB hier oder auch hier) und trotzdem ist es ein Buch, das ich nicht gelungen finde. Da hilft auch nicht, das es am Ende kein Hollywood Happy-End steht (was bei mir immer Pluspunkte bringt).

Schade.

Soundtrack dazu: MoDerAt LiKviDaTioN- Atombomb, was sonst?

PS: Beim nachrecherchieren habe ich gelesen das die deutsche Übersetzung auf Basis der englischen Übersetzung des schwedischen Originals gemacht wurde. Auch das kann ein Grund sein, warum dieses Buch so … anders … rüberkommt.

PPS: Das schwedische Original hat das bessere Cover, wie so oft.

Der Grund ist ganz einfach:

Das Bild „Triumph des Todes“ von Peter Brügel dem Älteren spielt in dem Buch eine ganz besondere Rolle. Also gehört das auch aufs Cover und nicht eine doofes Agenten Stock-Foto.

The Triumph of Death by Pieter Bruegel the Elder