Bücher, schnell gelesen: Teil 1.324

James McClure - Artful Egg (UT Metro, 2018)
James McClure – Artful Egg (UT Metro, 2018)

Gelesen: 04. – 06.06.2018, netto 371 Seiten

Wow – das krönende Ende der Serie um Lieutenant Tromp Kramer und Bantu Sergeant Michael Zondi. Und was für eine großartige Geschichte, was für sensationelle Charakter.

Star des Buches ist Ramjut Pillay, indischer Postbote zweiter Klasse, ein einfacher und nachdenklicher Mensch. Und weil er so viel nachdenkt, sind seine Gedanken ihm oft im Weg. Ausweg findet er daher per Post (sic!), sein mühsam verdientes Geld steckt er in ganz wunderbare Weiterbildungen und entsprechende Zertifikate von ganz wunderlichen Instituten in Übersee.

Oder anders: Er fällt auf alles rein.

Diesmal fällt er nicht rein, sondern stolpert in einen hochpolitischen Mord an einer Apartheid Gegnerin. Und das Intro der Leiche ist mit das beste was ich je gelesen habe:

James McClure - Artful Egg ( (c) Unionsverlag, 2018)
James McClure – Artful Egg ( (c) Unionsverlag, 2018)

Pure Poesie! Kann das bitte jemand verfilmen? In slow-motion? 4K?

Die Tote ist Naomi Stride, eine in Zuid-Afrika verbotene Schriftstellerin von Weltruhm. Daher werden Tromps Bosse extrem nervös und stehen unter dem Druck der Weltpresse. Und mit einem großartigen Kniff macht McClure diesen Druck doppelt: Eine weitere Tote, diesmal die Ehefrau eines Sicherheitspolizisten im Ruhestand. Und dieser war bekannt dafür, das schwarze Gefangene bei ihm regelmäßig aus dem Fenster sprangen. Im 10. Stock. Des Sicherheitspolizei-HQ. Beim Verhör. Selbstmord ohne Spuren, allesamt.

Entsprechend nervös sind Tromp und sein Boss – hat der ex-Polizist seine ewig meckernde Alte ebenso spurlos umgebracht? Was wenn das rauskommt?

Und so entsteht ein Wettlauf, dem der Leser dank Ramjut Pillay immer ein Schritt voraus ist. Ramjut selbst kann wenig dazu beitragen, hat er sich doch mit seinen Schachzügen in die Klapse manövriert. Er bleibt aber der thorn in the side (und die Erinnerung das Apartheid nicht nur eine schwarzes Gesicht hatte).

Die Lösung am Ende ist spannend (aber nicht unvorhersehbar) und dieses Buch krönt die Serie sowas von. Lesen! Aber als letztes!

Mehr über James McClure hier!

Soundtrack dazu: National Wake – Black Punk Rockers, was sonst?

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.323

James McClure - Blood of an Englishman (UT Metro, 2018)
James McClure – Blood of an Englishman (UT Metro, 2018)

Gelesen: 31.05. – 04.06.2018, netto 370 Seiten

Der vorletzte Streich der Tromp & Zondi Reihe, diesmal ein wenig ruhiger, ein wenig subtiler und mit einer Story die bis in den zweiten Weltkrieg zurückführt.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges befand sich Südafrika in einer ungewöhnlichen Situation: einerseits war Zuid-Afrika Neutral und zahlreiche Afrikaaner sympathisierten mit dem „Dritten Reich„. Andererseits war ein Teil der englisch geprägten Gesellschaft naturgemäß an Seite Großbritanniens. Am Ende erklärte Zuid-Afrika Deutschland den Krieg und südafrikanische Soldaten kämpften in Italien, Nordafrika, Abessinien und Madagaskar.

Und nach dem Krieg wanderten viele Engländer vom Grauen des Krieges verschreckt in das so friedliche (und so sauber organisierte) Zuid-Afrika aus. Vor diesem Hintergrund untersucht Tromp Kramer einen Mord an einem aus Zuid-Afrika stammenden Royal Air Force Soldaten und dreht sich dabei mehrfach im Kreis. Wenn Weiße Weiße töten ist das im Land der Rassentrennung immer Heikel, entsprechend vorsichtig muss Kramer vorgehen.

Wie alle Bücher von James McClure eine großartige Studie über die Gesellschaft und ein weiterer Augenöffner über das System der Apartheid (das Buch ist von 1984). Auch und gerade weil am Ende ein Weißer hängt.

Klasse!

Soundtrack dazu: Some orginal views from down south

 

Bücher, schnell gelesen: Teil 1.322

Jeong Yu-jeong - Sieben Jahre Nacht (Unionsverlag, 2018)
Jeong Yu-jeong – Sieben Jahre Nacht (Unionsverlag, 2018)

Gelesen: 21. – 30.05.2018, netto 509 Seiten

Nochmal Asien, nochmal eine laaaangsame und detaillierte Story. Und dazu noch sehr geschickt in Szene gesetzt: Die Spannung bleibt bis zum Ende hoch obwohl eine viele Jahre zurückliegende Geschichte als Geschichte in der Geschichte nochmal erzählt wird. Und nochmal. Aber immer wieder aus der Sicht einer anderen Person und daher immer wieder mit neuen Details.

Und Details gibt es hier ohne Ende. Natur und Naturphänomene, Menschen und ihre Schwächen, Technik und ihr Nutzen und Gesellschaft … mit vielen Schwächen. Klar geht das ganze auch in anderer Reihenfolge und in 220 Seiten – aber dann geht mit Sicherheit die Dauerspannung verloren. Ich bin oft dafür kurz, hart und auf den Punkt zu erzählen, hier passt das langsame sehr sehr gut.

Für Fans von detailverliebten Suspense-Thrillern, funktioniert aber auch als Kopfkino mit einem koreanischen Gore-Einschlag (genug Blut ist vorhanden, dito für die Anzahl der Leichen). Gut gemacht!

Soundtrack dazu: The Geeks – A light in the dark, was sonst?